Chronik: 18. Jahrhundert – 1709

1709: Die „Grausame Kälte“
Bereits in den ersten Tagen des Jahres 1709 brach in Mittel-, teilweise noch bis in Südeuropa eine außergewöhnliche Kälte ein. Viele Gewässer waren komplett zugefroren, Menschen und Tiere litten, viele starben.

1709: Bousset: La Politique tirée des propres paroles de l’Écriture Sainte
Jacques-Bénigne Bousset, ein französischer Bischof und Bewunderer Ludwigs XIV., begründete seine absolutistischen Stastsideen mit Passagen aus der Heiligen Schrift.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1705

1705: Bauernaufstand in Bayern
Nachdem sich Bayern zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieg auf die Seite Frankreichs stellte, um sich zu einem Königreich zu erheben, kam es zu einem bayerisch-deutschen Krieg, in dem sich letztlich die bayerisch-französischen Truppen den kaiserlichen geschlagen geben mussten. Der bayerische Kurfürst Max Emanuel floh in die Niederlande und Bayern wurde von den kaiserlichen, den österreichischen Truppen besetzt – und nicht nur das: Kaiser Joseph I. ließ das Land gnadenlos ausbeuten: „Truppendurchzüge brachten immer wieder die schwersten Exzesse, Brand, Totschlag und Erpressung von Geld, die Steuerlasten wuchsen über jedes erträgliche Maß.“ (Handbuch der bayerischen Geschichte, Band 2, 1988, S. 505)

Die Folge waren zum Teil massive Aufstände der Bauern, bei denen der patriotische Aspekt im Vordergrund stand. Die Bewegung verbreitete sich rasch, anfangs auch mit großen Erfolgen. Als Aufständische sich auf den Weg machten, die Stadt München zu erobern, kam es zur Sendlinger Mordweihnacht: Kaiserliche Truppen schlugen die Aufständischen – und töteten viele selbst dann noch, als die bereits ihre Waffen niedergelegt hatten.

Nach und nach gingen die einzelnen Eroberungen der aufständischen Bauern zurück an den Kaiser. Der Aufstand hatte mehrere Tausend Tote gefordert.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1714

1714: Einschränkung der Hexenprozesse in Preußen
Der preußische König Friedrich Wilhelm I. (auch der Soldatenkönig genannt) erließ im Jahre 1714 ein Gesetz, das die Hexenverfolgungen zwar nicht ausdrücklich verbot, aber deutlich einschränken sollte. Der König selbst wollte die Kontrolle über die einzelnen Verfahren und Urteile erhalten, um Fehler auszuschließen.

1714: Fahrenheit: Entwicklung des Quecksilberthermometers

1714: Der Hannoveraner Kurfürst Georg I. wird englischer König
1714 fand in Großbrittaniens Königshaus ein Dynastiewechsel statt. Georg I. Ludwig (1660-1727) aus dem Hause Hannover (Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg oder Kurhannover) wurde neuer König.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1716

1716-1718: Türkenkrieg und Friede von Passarowitz
Zwischen 1716 und 1718 kam es erneut zu einem Krieg zwischen dem Reich und den Osmanen. Bei Peterwardeinen und Belgrad konnte der österreichische Feldherr Prinz Eugen von Savoyen, der bereits im Spanischen Erbfolgekrieg eine entscheidende Rolle gespielt hatte, die Osmanen besiegen. Der Friede von Passarowitz beendete den Krieg. Neben der Festung Belgrad gingen auch Banat, Teile Serbiens und Bosnines sowie die kleine Walachei an Österreich.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1717

1717: Händels Wassermusik
Die Wassermusik besteht aus drei Suiten für relativ große Orchester, die für die Aufführung im Freien vorgesehen waren. Weiterlesen

Chronik: 18. Jahrhundert – 1720

1720-1722: Pestepidemie in Marseille und der Provence
Es war die letzte große Pestepidemie im westlichen Europa. Sie wurde wohl über ein Handelsschiff nach Marseille getragen. Nach und nach breitete sie sich im Juli 1720 in der Stadt aus und raffte bald 300, bald 1.000 Menschen pro Tag hinweg. Auch die Dörfer rund um Marseille wurden nun in Mitleidenschaft gezogen. Im Herbst endete die Ausbreitung der Pest, im Frühjahr 1721 flammte sie wieder auf und tötete in der Provence viele Menschen. Die Sterblichkeit in der Stadt Marseille betrug ca. 40 Prozent der Bevölkerung, in einigen Dörfern der Umgebung gar 50 Prozent. (Vasold: Die Pest, 2003, S. 147ff.) Nach dem Ende der Pest in Frankreich trat sie noch 1743 in Messina (Sizilien) und 1770 in Moskau auf.

1720/30 bis ca. 1780: Musik zwischen Barock und Klassik
In den 1720er Jahren des 18. Jahrhunderts sind in der Musik Strömungen zu beobachten, die eine deutliche Abkehr von der barocken Komposition und Musiklehre aufzeigen. Die Musik wird weniger streng, eher verspielt ungezwungen und tänzerisch, zeigt sich zunächst verstärkt in Dur und mit einfacheren Melodien und lässt langsam, aber sicher den Generalbass hinter sich. „Galant“ und „empfindsam“ werden die neuen Stilrichtungen genannt.

Insgesamt zeigt sich diese Phase als ein interessantes Neben- und Ineinander von Altem und Neuem. Hierfür stehen beispielhaft die Sinfonien und Konzerte der Mannheimer Schule (siehe: 1743-1778: Die Mannheimer Schule), die nicht mehr „nur“ einfach und verspielt, sondern zunehmend vielschichtiger daherkommen, oder große Musiker wie die Söhne Johann Sebastian Bachs (Carl Philippp Emanuel und Johann Christian), Christoph Willibald Gluck und Georg Christoph Wagenseil.

Oft wird die Frühphase dieser Zeit als Spätbarock, die folgenden Jahrzehnte als Vor- und/oder Frühklassik klassifiziert. Jeder Begriff hat seine Vor- und Nachteile. Doch ist diese Phase in den letzten Jahrzehnten verstärkt in den Blickpunkt der Musikwissenschaft geraten, da sie mehr bietet als „nur“ eine Hinführung zu den „Klassikern“ Haydn, Mozart und Beethoven. Interessant ist auch die Bewertung dieser Zeit in von Arnold Feil in der Metzler Musik Chronik: „Man muss es sich immer wieder neu klarmachen, daß das Werk J. S. Bachs und das von Mozart in ein und demselben Jahrhundert entstehen , und daß sie dennoch duch eine Welt getrennt sind, der beide Komponisten nicht angehören, die nicht einmal zwischen ihnen vermittelt.“ Der Autor sieht vielmehr Gemeinsamkeiten dieser Zeit mit der Romantik – und benennt diesen Abschnitt daher „Frühromantik“. (Metzler Musik Chronik, 2. Aufl., 2005, S. 393 ff.).