Die Renaissance

Raffael: Schule von Athen, 1509–1510, Stanza della Segnatura, Vatikanstaat

Raffael: Schule von Athen, 1509–1510, Stanza della Segnatura, Vatikanstaat

 

Die Renaissance als Zeitraum oder Epoche kann als ein kulturelles Bindeglied zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit angesehen werden. Erste Anfänge zeigten sich bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts, ihren Höhepunkt fand die Renaissance um 1500, ihr Ende Anfang des 17. Jahrhunderts. Sie folgte der Gotik und wurde abgelöst vom Barock – mit all den Überschneidungen und Gleichzeitigkeiten, die einzelne Epochen der Geschichte mit sich bringen.

In der Epoche der Renaissance (frz., „Wiedergeburt“) wurden die antike Kunst und Kultur, zum Beispiel die Malerei, die Architektur, die Philosophie und die Literatur, wiederentdeckt, neu belebt oder „wiedergeboren“. Das signifikante Merkmal aller künstlerischen, philosophischen und wissenschaftlichen Leistungen der Renaissance war die Zentralisierung des Menschen und seiner Freiheit. Die Welt wurde nicht mehr mittels eines transzendenten Gottesverständnisses, sondern durch ein weltimmanentes Prinzip erschlossen – entsprechend dem Homo-Mensura-Satz des antiken Philosophen Protagoras: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“

Der Mensch als Individuum und wirkende Kraft

Der Mensch empfand sich zunehmend als Individuum, als selbst wirkende Kraft, die wirken und bewirken kann. Dies zeigte sich zum Beispiel und vor allem in der Kunst: Maler und Bildhauer schufen Werke, die denen der Antike kaum nachstanden und den Menschen in den Mittelpunkt rückten. Damit eng in Zusammenhang steht der Humnanismus (lat. humanitas, dt. das Menschentum, also das, was den Menschen auszeichnet), eine Geisteshaltung und Bildungsbewegung, ein Weltbild, das unter Berufung antiker Schriften und Lehren die Bildung des Menschen hervorhob, auf dass dieser sich frei entfalten kann. Die sprachliche und literarische, aber auch die ethische Bildung sollten den Menschen als autonomes Wesen auszeichnen.

Allerdings ging es den treibenden Kräften der Renaissance nicht nur darum, eine alte Kultur wieder zu beleben, sie nachzuahmen. Vielmehr trachteten sie danach, diese in ihre Zeit einzubetten, und ja, sie auch weiterzuentwickeln und sogar zu übertreffen: Die Wiedergeburt galt als „schöpferischer Akt“ (Muhlacker, 2017, S. 26). Und das war folgerichtig, denn ansonsten stünde dies auch im Widerspruch zur anvisierten Individualität.

Zeitliche und geographische Einordnung der Renaissance

Die Renaissance kann in drei Abschnitte geteilt werden: Früh-, Hoch- und Spätrenaissance. Genaue Daten sind nicht immer zu nennen, da es auch hierbei darauf ankommt, aus welcher Blickrichtung man schaut: sowohl thematisch – von Seiten der bildenden Kunst oder der literarischen oder der philosophischen – als auch geographisch. Peter Burke nennt in seiner bekannten Abhandlung „Die europäische Renaissance: Zentren und Peripherien“ (1998, S. 28ff.) folgende Eckdaten:

  • Frührenaissance: frühes 14. Jahrhundert bis 1490
  • Hochrenaissance: 1490 bis 1530
  • Spätrenaissance: 1530 bis 1630

Die Renaissance nahm ihren Anfang in Italien. Auch in anderen Teilen Europas zeigten sich entscheidende Neuerungen in der kulturellen Entwicklung, aber Italien spielte schon die entscheidende Rolle (siehe dazu Burke, 1998, S. 75). Im Mittelpunkt stand zunächst Florenz, später Rom, dann einige weitere Städte. Von Italien aus reisten Gelehrte, Künstler und Literaten in andere Länder, aus anderen Ländern strömten Menschen nach Italien, um sich mit der Kunst, Architektur und anderen Wissenschaften vertraut zu machen. Ihre Erkenntnisse nahmen sie nachher wieder mit in ihre Heimat.

Zum Ende der Hochrenaissance (Tod des Renaissance-Papstes Leo X. 1521, Plünderung Roms durch Karl V. 1527) war die Renaissance eine „Bewegung mit vielen Zentren“ (Burke, 1998, S. 103). Italien stand nicht mehr im Mittelpunkt – gerade was den Humanismus anging. Dennoch: Wenn von der Renaissance die Rede ist, redet man im engeren Sinne nur von den italienischen. Aber man kann sagen: Die italienische Renaissance mündete schließlich in eine europäische Renaissance-Kultur (Muhlacker, 2017, S. 102f.).

In Deutschland trafen die Einflüsse der Renaissance auf die seit dem Thesenanschlag von 1517 formulierte Kritik an der alten Kirche und der in den Folgejahren sich konstituierenden Reformation. Sie standen sich aber nicht als Gegensätze gegenüber. „Die Kutur der Reformation nahm die Kultur der Renaissance in sich auf und förderte sie.“ (Muhlacker, 2017, S. 144).

Nachfolgend werden einzelne thematische Teilbereiche der Renaissance näher beschrieben.

  • Die Musik der Renaissance
  • Die bildende Kunst der Renaissance (Malerei, Bildhauerei, Architektur) – Beitrag in Arbeit
0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.