Sterben, Tod und Jenseits – die Ansichten in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Vorwort

“Leben ist der Anfang des Todes. Das leben ist um desTodes willen. Der Tod ist Endigung und Anfang zugleich, Scheidung und nähere Selbstverbindung zugleich. Durch den Tod wird die Reduktion vollendet.” (Novalis: Blütenstaub, Fragment N r.14)

Ist der Tod etwas Endgültiges, das Ende jeglichen Lebens, der Bewegung, des Empfindens? Oder kennzeichnet der Tod lediglich den Übergang zu einem anderen Leben, zu einer Welt, die sich außerhalb unserer “Lebenserfahrung”, unseres Wissens, befindet?

Die Fragen, was der Tod eigentlich ist, ob es nach dem Hinscheiden “etwas” gibt und, wenn ja, was – diese Fragen waren und sind bis heute in fast allen Kulturkreisen und Religionen präsent. Wissenschaftliche Beweise für eine (wie auch immer geartete) Existenz nach dem Tod gibt es nicht. Daher stellt sich die Frage: Ist der Glaube an ein Weiterleben lediglich der Versuch des Menschen, der Endlichkeit zu entkommen? Und wenn ja, warum braucht der Mensch solche Hoffnungen?

Diese Internetseiten blicken auf die Anschauungen der frühneuzeitlichen, abendländischen Menschen über den Tod zurück. Welche Vorstellungen machten sie sich über das Sterben, den Augenblick des Todes?

(Eine Übersicht der einzelnen Themen ist rechts zu finden! Zu jeder Seite mit dem eigentlichen Inhalt findet sich unten die Vorstellung eines Bildes, das thematisch dazu passt.)

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Anhang: Bilder zur Geschichte von Sterben, Tod und Jenseits

Hans Memling: Das Jüngste Gericht

Hans Memling: Altar des Jacopo Tani, Mitteltafel: Jüngstes Gericht, 1471/73;  Gdansk, Muzeum Pomorskie

Hans Memling: Das Jüngste Gericht, Altar des Jacopo Tani, 1471/73;
Gdansk, Muzeum Pomorskie; Herkunft/Fotograf: www.aiwaz.net

Jacopo Tani war der Manager der Bank der Medici in Brügge und bestellte bei Hans Memling ein Altarbild für seine neu gegründete Kapelle in Florenz. Bedingt durch die Kriegswirren des letzten jahrhunderts landete das Bild schließlich in Danzig (Gdansk), wo es auch heute noch im Nationalmuseum zu sehen ist.

Das 222 x 160 cm große Bild (ohne Flügel) baut sich, symmetrisch in der Vertikalen, rund um den Regenbogen auf, der, nach der Geschichte von der Sintflut des AT (Genesis 9), ein Sinnbild für den Bund zwischen Gott und den Menschen darstellt.

Zwei Himmelsgestalten beherrschen in der Senkrechten die Szene: oben Christus vor einem leuchtendem Hintergrund, unten der richtende Erzengel Michael.

Christus sitzt auf dem Bogen, die Füße auf der Weltkugel. Links und rechts sitzen oder knien die Heiligen und Maria. Christi rechte Hand zeigt das Segenszeichen. Die Wunde des Speeres, der ihn am Kreuz durchstach, ist ebenso noch zu sehen wie die Wunden an den Füßen. Links neben seinem Kopf die Lilie, rechts das Schwert – zwei typische Merkmale christlicher Ikonographie. Sie bedeuten Erlösung und Zorn über die Verfluchten.

Der Erzengel Michael, gekleidet in zeitgenössischer Soldatenmontur, wiegt die toten Seelen, die aus dem Erdreich aufsteigen. Nach rechts werden sie von teuflischen Wesen, fünf an der Zahl (eines links), zusammengedrängt. Links sind die Gerechten, um die ein Engel gegen ein Teufelswesen kämpfen muss. Der Boden hier ist hoffnungsvoll grün, rechts braun und dunkel. Strahlende Farben hingegen gibt es nur im Himmelreich.

Leben und Werk Hans Memlings

  • 1433 geboren in Seligenstadt
  • 1478 erste urkundliche Erwähnung in Brügge, wo er bereits einige Jahre lebte
  • 1495 gestorben in Brügge

Hans Memling war einer der führenden flämischen Maler der Brügger Schule. Beeinflusst war er von den Werken Roger van der Weyden (um 1400-1460), aber auch Jan van Eyck (um 1390-1441), Dieric Bouts (gest. 1475) und Hugo van der Goes (um 1440-1482).

Zu seinen Hauptwerken sind u.a. das Flügelaltarbild für Jacopo Tani mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts (1471/73), das Flügelaltarbild über die Vermählung der heiligen Katharina (1479) und der Reliquienschrein der heiligen Ursula (1489) zu zählen.

In seinen Bildern ließ Hans Memling die Flächigkeit des Mittelalters hinter sich und schuf mit tiefen Perspektiven eine später von vielen Künstlern nachgeahmte Räumlichkeit.

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