Tag Archiv für England

Chronik: 18. Jahrhundert – 1707

1707: Act of Union: Vereinigung von England und Schottland zum Königreich Großbritannien
Das Jahr 1707 gilt bis heute als Geburtsjahr Großbritanniens. In diesem Jahr wurde ein Gesetz vom englischen und vom schottischen Paralment verabschiedet, das die Vereinigung Englands und Schottlands beschloss. Schon länger befanden sich beide Länder in Personalunion, da seit 1603 das schottische Haus Stuart den Königsthron in England besetzte. Allerdings konnte diese Konstellation zahlreiche Konflikte und sogar Kriege zwischen beiden Ländern nicht verhindern.

Dass es 1707, nach mehreren Anläufen, dann doch mit der Vereinigung klappte, hatte verschiedene Gründe. U.a. befürchtete England, dass sich Schottland im Spanischen Erbfolgekrieg (s. Chronik: 1701-1713/14: Spanischer Erbfolgekrieg / Haager Allianz) auf die Seite Frankreichs schlagen könnte; Schottland hingegen erhoffte sich einen wirtschaftlichen Aufschwung – das Land war nahezu bankrott.

25 Artikel regelten von nun an das “Zusammenwirken”: Das schottische Parlament wurde abgeschafft, Abgesandte wirkten nun sowohl im House of Lords als auch im House of Commons. Die schottische Kirche durfte bestehen bleiben, das schottische Rechtssystem wurde beibehalten. V.a. in Wirtschaftsfragen einigte man sich auf Einheitlichkeit (gemeinsame Währung, gemeinsame Zollbestimmungen). Aus den zwei Flaggen wurde eine, die Union Jack.

Das Königreich Großbritannien vereinigte sich 1801 mit Irland zum “Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland”.

1707: Altranstädter Konvention
Die Altranstädter Konvention war eine Übereinkunft zwischen dem schwedischen König Karl XII. und Kaiser Joseph I. Sie sicherte den Protestanten Schlesiens weitreichende Rechte zur Ausübung ihrer Glaubensgrundsätze zu und die Rückgabe über 100 Kirchen zu.

Die Konvention war der militärischen Macht Schwedens geschuldet, die innerhalb des Nordischen Krieges (s. Chronik: 1700-1721: Großer Nordischer Krieg) in Sachsen einmarschierten.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1570

um 1570: Beginn der “Kleinen Eiszeit”
Unter der “Kleinen Eiszeit” wird ein Klimaumschwung verstanden, der um 1570 einsetzte und wirtschaftliche Krisen nach sich zog: die Ernteerträge wurden geringer, das Getreide verteuerte sich. Da gleichzeitig noch bis etwa 1620 die Bevölkerungszahlen weiter anstiegen, verarmten große Teile der Gesellschaft, viele mussten hungern.

um 1570: Thomas Tallis: Spem in alium
Um 1570, vielleicht zum 40. Geburtstag der englischen Königin Elisabeth I. 1573, veröffentlichte der englische Komponist Thomas Tallis sein wohl bekanntestes Werk: die Motette “Spem in alium”, ein monumentales Vokalwerk für acht fünfstimmige Chöre, also insgesamt 40 Stimmen, die auch einzeln notierrt waren und sich in einem langsam entwickelndem Stück zu einem großen Klangkörper zusammenfinden. (John Burrows: KLassische Musik, 2006, S. 63)

(AVROTOS Klassiek: web.avrotros.nl/cultuur/klassiek/; AVROTOS Klassiek bei Youtube: youtube.com/user/avroklassiek)

1570: Missale Romanum
Neben einem Katechismus (s. 1566: Catechismus Romanum) und einem Stundenbuch (s. 1568: Breviarum Romanum) wurde auf dem Trienter Konzil (s. 1545: Trienter Konzil) auch die Erstellung eines Messbuchs, das für die gesamte katholische Kirche gelten sollte, beschlossen. Die Arbeiten daran konnten jedoch auf dem Konzil nicht abgeschlossen werden, so dass diese Aufgabe an den Papst zurück verwiesen wurde.

1570: Geistlicher Rat in München
Regelten in protestantischen Ländern die Kirchenordnungen das kirchliche und schulische “Leben”, so setzten die katholischen Fürsten ab 1570 einen Geistlichen Rat ein. Der Geistliche Rat war eine Kirchenbehörde, die 1570 zunächst in München, in den Folgejahren von anderen katholischen Fürsten und Territorien installiert wurde.

1570: Erstes Lehrbuch der Landwirtschaft von Konrad Heresbach
Landwirtschaftliche Fachliteratur gab es bis weit in das 16. Jahrhundert hinein fast nur in Form von Übersetzungen antiker Autoren. Ein erstes Fachbuch, das die Landwirtschaft der “Gegenwart” und des eigenen Landes beschrieb, war Konrad Heresbachs “Rei rusticae libri quatuor”. Zwar “nach antikem Vorbild in kunstvoller Dialogform” verfasst, beinhaltet es u.a. “interessante Schilderungen rheinischer Landwirtschaft”. (Schröder-Lembke: Zwei frühe deutsche Landwirtschaftsschriften, 1965, S. 2).

1570: Abraham Ortelius: Theatrum Orbis Terrarum
Das Buch “Theatrum Orbis Terrarum” gilt als die erste Veröffentlichung eines Atlas, wenn auch der Verfasser Abraham Ortelius (auch Örtel oder Hortel, 1527-1590) den Begriff “Atlas” noch nicht gebrauchte. Sein Theatrum Orbis Terrarum war eine Kartenmsammlung in Buchform – zunächst mit Kupferstichkarten, die vornehmlich von Frans Hogenberg (1535-1590) stammten.

1570: Exkommunizierung Elisabeths I.
Papst Pius V. exkommunizierte 1570 die englische Königin Elisabeth I. zwar hatte die anglikanische Kirche zahlreiche Elemente der “alten Kirche” beibehalten, nahm jedoch auch Ideen des Protestantismus mit auf. U.a. lehnte sie das Papstprimat ab.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1549

1549: Book of Common Prayer
Thomas Cramner, seit 1532 Erzbischof von Canterbury erstellte1549 ein Buch mit Regeln und Texten für den Gottesdienst, für Trauungen, Hochzeiten usw. Das Buch beinhaltete zunächst noch die eher katholisch ausgerichteten Formen, allerdings enthielt es auch lutherische Elemente. In der zweiten Fassung von 1552 floss mehr und mehr reformiertes Gedankengut ein und “fasste die Glaubensinhalte in 42 Artikeln zusammen” (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 243). Das Buch erfuhr weitere Neuauflagen, so u.a. eine Fassung aus der Zeit Elisabeths I. von 1559 – bis heute eine für die Anglikanische Kirche maßgebliche Schrift.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1534

1534: Gründung des Jesuitenordens
Ignatius von Loyola gründet 1534 die Gesellschaft Jesu in Paris. Der Orden wird 1540 von Rom zugelassen und sollte später eines der wichtigsten Instrumente der Gegenreformation werden.

1534: Die vollständige Lutherbibel erscheint
Bereits bei seinem Aufenthalt auf der Wartburg 1521/22 hatte Martin Luther mit der Übersetzung der Bibel begonnen. Zwar gab es bereits mehrere deutsche Übersetzungen (vollständig oder einzelner Bücher), doch strebten Luther und die Wittenberger Reformatoren eine Übersetzung “in einem Guss und mit einem peotestantischen Profil” (Schilling, 2012, S. 271) an. In einigen Wochen übersetzte Luther das Neue Testament, das auch schon 1522 in Druck ging: das so genannte “Septembertestament”. Anschließend übersetzte er zusammen mit einer Bibelkommission Bücher des Alten Testaments. Hinzu kamen die Holzschnitte von Lukas Cranach.

Als 1534 die vollständige Bibel erschien, war die Arbeit daran allerdings längst nicht abgeschlossen. Es folgten weitere Ausgaben. Obwohl viele Personen daran mitwirkten, wurde auch damals schon von der “Lutherbibel” gesprochen.

1534: Johannes Dietenbergers Bibelübersetzung
Auf Grundlage der Vulgata, einer über 1000 Jahre alten Bibelausgabe in lateinischer Sprache, gab der Dominikaner Johannes Dietenberger 1534 die erste vollständige Übersetzung des Alten und Neuen Testaments heraus. Drei Jahre später gab auch der katholische Theologe und Gegner Luthers Johannes Eck eine Übersetzung heraus (s. 1537: Die Bibelübersetzung von Johannes Eck erscheint).

1534: Beginn der Verfolgung der Protestanten in Frankreich
Das Edikt von Coucy 1535, das aus Rücksicht auf die protestantischen Verbündeten im Reich erstellt wurde, beendete die Verfolgung der Protestanten nicht. 1544, nach dem Frieden von Crépy zwischen dem Kaiser und Frankreich, wurde die Verfolgung wieder aufgenommen.

1534: Calvin flieht aus Frankreich
Schon 1533 stand Calvin in Verdacht, ein Lutheraner zu sein. Die Verfolgung der Protestanten nahm zu und so floh er aus Paris/Frankreich zunächst nach Straßburg, anschließend nach Basel.

1534: Suprematsakte (England)
Mit der Suprematsakte vollzog England und der regierende König Heinrich VIII. den Bruch mit dem Papst und seiner Kirche. Es war die Geburtsstunde der anglikanischen Kirche, wenngleich zu Beginn die englische Kirche dogmatisch als katholisch einzustufen ist.

Nach langen Streitigkeiten um die Annulierung seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragon, die keinen männlichen Thronfolger gebar, und die Rechtmäßigkeit seiner zweiten Eheschließung mit Anna Boleyn durch den Erzbischof von Canterbury 1532 sprach das englische Parlament dem König alle Gewalt auch in religiösen Fragen zu. Gleichzeitig drohte allen, die das Recht auf die Thronfolge der Nachkommen aus der zweiten Ehe anzweifelten und den Eid auf das Supremat verweigerten, die Todesstrafe. Diese wurde schließlich 1535 an etlichen Personen, u.a. an Thomas Morus und John Fisher, dem Bischof von Rochester vollzogen. Papst Paul III. sprach 1537 den Kirchenbann über Heinrich VIII. aus.

Die Täuferkörbe an der Kirche St. Lamberti in Münster.

Die Täuferkörbe an der Kirche St. Lamberti in Münster. Rechte: Michael Schnell

1534-1535: Täuferreich in Münster
Sie wollten, ausgehend von Münster, ein buchstäbliches Reich Gottes errichten und die Menschen mit Gewalt der Herrschaft Gottes unterwerfen: die Täufer von Münster. Ausgehend vom Gedankengut Melchior Hofmanns strömten zahlreiche “Melchioriten” nach Westfalen. In Münster trafen sie auf weitere radikale Kreise um den Reformator Bernhard Rothmann. Sie übernahmen die Herrschaft in der Stadt, angeführt von Jan Matthijs, einem Bäcker aus Haarlem, und nach seinem Tod der Schneider Jan Beuckelsz aus Leiden (auch Jan van Leiden genannt), der sich zum König der Welt ausrufen ließ. Alle Gegner des Täufertums sollten umgebracht werden, jegliches Eigentumsrecht wurde aufgehoben.

Franz von Waldeck, seit 1532 Bischof von Münster und Osnabrück ließ die Stadt militärisch umzingeln – es folgte eine 16-monatige Belagerung. Am 25. Juni 1535 war die grausame und blutreiche Schreckensherrschaft beendet. Jan van Leiden wurde zur Abschreckung mehrere Monate durch das Land geführt und schließlich Anfang 1536 zusammen mit seinen engsten Vertrauten mit glühenden Zangen zu Tode gefoltert. Ihre Leichname wurden in Käfigen ausgestellt, die noch heute am Turm der Lambertikirche (siehe Bild).

Aufgrund der Gewaltbereitschaft kann das Täuferreich in Münster eigentlich nicht den Täufern zugerechnet werden, die Gewalt ausdrücklich ablehnten (s. Schleitheimer Artikel von 1527). Tatsächlich hat diese Gleichsetzung der gewaltfreien Täuferbewegung sehr geschadet.

1534-1549: Papst Paul III. (Lebensdaten: 1468-1549)

Chronik: 16. Jahrhundert – 1521

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557. Bildaufschrift: Intitulentur libri (Die Bücher sollen bei ihren Titeln genannt werden). Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen. Wikimedia Commons / Quelle: ?, Urheber: ?

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557. Bildaufschrift: Intitulentur libri (Die Bücher sollen bei ihren Titeln genannt werden). Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen. Wikimedia Commons / Quelle: ?, Urheber: ?

1521: Reichstag zu Worms / Wormser Edikt: Politische Entscheidungen und Ächtung Luthers
Der Reichstag dauerte vom 27. Januar bis zum 26. Mai 1521. Einige wegweisende Entscheidungen wurden hier getroffen, wie z.B. die Reichsmatrikel und die Errichtung eines Reichsregiment. Die Reichsmatrikel legte fest, wieviel Truppen und finanzielle Leistungen die einzelnen Reichsstände zu stellen bzw. zu leisten hatten. Das Reichsregiment gab es bereits von 1495 bis 1502, nun noch einmal von 1521 bis 1531. Es war ein politisches Gegengewicht zum Kaiser, das aus Vertretern der Reichsstände bestand und in der sich abzeichnenden Abwesenheit des Kaisers vom Reich die politischen Geschicke lenken sollte.

Ein weiterer Teil des Reichstags waren aber auch die Geschehnisse rund um die Rolle der Kirche und deren Vertreter. Die Beschwerden gegen den Papst und die römische Kurie (auch Gravamina der deutschen Nation genannt) weiteten sich auf dem Wormser Reichstag auf die Zustände im Reich aus, wobei es um das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht ging.

Inmitten dieses Klima des Misstrauens und teilweise auch der Missgunst gegenüber der Kirche erschien nun auch noch Martin Luther auf dem Reichstag. Er war kurz vor dem Reichstag endgültig zum Ketzer erklärt worden – und der Kaiser wusste davon. Luther hoffte auf ein Entgegenkommen des mit 21 Jahren sehr jungen Kaisers Karl V., schrieb ihm gar einen persönlichen Brief, doch Karl hatte für sein Anliegen kein Ohr. Es war schwer genug, die Einheit des Reiches zu wahren, da kam eine Zerrissenheit der Kirche ungelegen. Karl neigte stark zur Verhängung der Reichsacht.

Doch nach einigem Hin und Her berief der Kaiser Martin Luther zur Anhörung. Dazu war er einerseits aufgrund seiner Wahlkapitulation von 1519 genötigt, die allen Beschuldigten vor der Verhängung der Reichsacht ein Anhörungsrecht zusicherte. (Schnabel-Schüle, 2006, S. 102) Andererseits hatte Karl V. natürlich die antirömische Stimmung im Reich mitbekommen und wusste von den positiven Reaktionen auf das Wirken Luthers. So galt es, Rücksicht und Vorsicht auf die Befindlichkeiten der Reichsstände zu nehmen, ihre Unterstützung, die Karl dringend benötigte (v.a. Finanzen für seine Kriege), nicht aufs Spiel zu setzen.

Am ersten Tag der Vorladung sollte Luther schlicht die Thesen seiner Bücher widerrufen. Er wirkte kleinlaut und war sicherlich enttäuscht, dass der Kaiser nichts Weiteres hören wollte. Am zweiten Tag holte Luther jedoch aus und beeindruckte mit seiner souveränen Rechtfertigung seiner Lehren viele Anwesenden – und wohl auch etwas den Kaiser. Denn der schrieb noch am selben Tag ein eigenes Bekenntnis zum katholischen Glauben. (Schilling, 2012, S. 224 f.)

Auf Drängen der Stände räumte Karl V. Luther noch eine Frist ein, während der man Luther zum Kompromiss überreden wollte. Vergebens. Während das Edikt zur Reichsacht (Wormser Edikt) gegen Luther ausgefertigt wurde, wurde ihm freies Geleit für seine Rückkehr nach Wittenberg zugesichert. Da befürchtet wurde, dass er trotzdem gefangen genommen werden könnte, inszenierten Beauftragte seines sächsischen Landesherrn, Friedrich III., eine Entführung – die berühmte Entführung auf die Wartburg.

Im Übrigen wusste Karl V. von der “Entführung”, als er am 26 Mai 1521 das Edikt unterschrieb. “Karl wusste also, (…) dass er faktisch nur die Verbrennung von Luthers Büchern verfügte, nicht aber dessen Leben in Gefahr brachte.” Vielleicht bestand auch ein Vereinbarung zwischen dem Habsburger und Kursachsen. (Schiller, 2012, S. 232)

Das Wormser Edikt galt im Übrigen auch für die Anhänger Luthers: Seine Schriften durften weder gekauft und gelesen noch gedruckt, abgeschrieben und verkauft werden. Wer das tue, zog ebenfalls die Ächtung auf sich. Über die Gültigkeit des Edikts gab es durchaus Diskussionen, da es nicht in den Reichstagsabschied mitaufgenommen wurde. (Iserloh 1980, S. 42) Die Umsetzung des Edikts wurde 1526 den Ständen überlassen, d.h. in einigen Ländern des Reichs faktisch aufgehoben. Die Reformation konnte in diesen Ländern weiter voran getrieben werden (siehe “1526 und 1529: Reichstage zu Speyer: ‘Fürstenreformation’”).

1521 und 1522: Wormser Vertrag und Vertrag von Brüssel
Die beiden Verträge regelten die territorialen Machtansprüche Kaiser Karls V. und seines Bruders Ferdinand I. Ferdinand erhielt von Karl die österreichischen Lande sowie Württemberg. Fortan gibt es die spanisch-niederländische und die deutsch-österreichische Linie des Hauses Habsburg. Endgültig wird diese Teilung 1556, als Karl V. abdankte und seinem Sohn Philipp II. die spanischen Lande, Ferdinand I. das Kaisertum übergibt.

1521: Luthers Wartburgpostille
Im Sommer 1521 veröffentlichte Martin Luther seine Sammlung deutschsprachiger Musterpredigten, die später als Wartburgpostille bezeichnet wurde. Die Texte fanden großen Anklang und “sollten zusammen mit der Lutherbibel über die Generationen hinweg die Kultur des deutschen Protestantismus prägen” (Schilling, 2012, S. 267). (Zur Lutherbibel siehe: 1534: Die vollständige Lutherbibel erscheint!)

1521: Thomas Müntzer flieht aus Zwickau
Thomas Müntzer, Pfarrer in Zwickau, wurde seines Amtes enthoben und musste aus der Stadt fliehen. Die Gründe lagen in den Streitigkeiten mit dem Franziskanerorden und dem Rat der Stadt Zwickau, der ihn des Aufruhrs beschuldigte. Die Stelle in Zwickau erhielt Müntzer wohl noch auf Empfehlung Luthers. Müntzers Weg führte nach Prag.

1521: Prager Manifest von Thomas Müntzer
In dem Manifest formulierte der Reformator und frühere Anhänger Luthers seine theologischen Grundgedanken. Diese ließen sich in Prag jedoch nicht durchsetzen, woraufhin er 1523 nach Allstedt ging. Hier fanden seine Ideen große Anerkennung.

1521: Luthers Schriften zum Gelübde von Mönchen
Im September bzw. im November verfasste Martin Luther zwei Schriften, in denen er seine Positionen zum Gelübde von Mönchen darlegte: “Themata de votis” und „De votis monasticis iudicium”. Zu dieser Zeit stand Luther selbst noch zu seinem Mönchsdasein. Und es ging ihm in den Schriften auch nicht darum, Gelübde generell abzuschaffen und Mönche und Nonnen zum Austritt zu bewegen – wenngleich es nach Luther in der erneuerten Kirche kein Mönchtum mehr geben sollte.

Während andere Reformatoren, wie z.B. Karlstadt oder Melanchthon, von den Schwierigkeiten oder der Unmöglichkeit aus argumentierten, solche Gelübde überhaupt einzuhalten, ging Luther von der Unterscheidung gottgefälliger und gottloser Gelübde aus. Gottlos sei ein Gelübde dann, wenn man es deswegen leiste oder geleistet habe, um “Gerechtigkeit vor Gott zu erlangen” (Lohse, 1995, S. 157). Geschehe es allerdings in Einklang mit der Freiheit eines Christenmenschen, dann sei es in Ordnung. Insgesamt aber sind in Luthers Augen Gelübde mit Vorsicht zu betrachten, da sie in der Heiligen Schrift keine Erwähnung finden.

1521: Wittenberger Unruhen
Während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg kam es in Wittenberg zu einem Streit, wie weit die theologischen Veränderungen oder Neuerungen gehen sollten. Einigen gingen die bisherigen Reformen nicht weit genug, v.a. was das Zölibat und die Messe betraf. Luther kehrte schließlich nach Wittenberg zurück und forderte in seinen berühmten Invokavitpredigten, dass die Bevölkerung nicht durch zu radikale Änderungen verunsichert werden sollte. Aufgrund des Streits kam es zum Bruch zwischen Luther und dem Reformator Karlstadt (eigtl. Andreas Rudolf Bodenstein, 1480-1541).

1521: Heinrich VIII.: Assertio septem sacramentorum
Mit dieser Schrift wandte sich der englische König Heinrich VIII. kämpferisch gegen Luthers Schrift “Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche”. Daraufhin wurde er von Papst Leo X. mit dem Titel “Verteidiger  des Glaubens” (“Defensor Fidei”) ausgezeichnet. Später wurde gegen ihn der Kirchenbann ausgesprochen (s. 1534: Suprematsakte).

1521-1559: Kriege und Konflikte zwischen den Habsburgern und Frankreich um Italien
Die Kämpfe, jeweils mit unterschiedlichen Bundesgenossen, drehten sich hauptsächlich um die Vorherrschaft in Italien. Der Norden stand nach verschiedenen Auseinandersetzungen unter französischer, der Süden unter habsburgisch-spanischer Herrschaft. Kaiser Karl V. suchte danach, sein Herrschaftsgebiet Richtung Norden auszuweiten. Es kam zu folgenden Konflikten:

  • 1521-26: Sieg Karls V., Friede von Mailand mit dem Verzicht des französischen Königs Franz I. auf Italien;
  • 1526-29: Franz I. verwarf den Vertrag von Mailand, es kam zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen. Karl V. und seine Heere gewannen abermals und im Damenfrieden von Cambrai verzichtete der französische König erneut auf Italien;
  • 1536-38: Der am Ende des Krieges ausgefertigte Friede von Nizza bestätigte die Herrschaft Karls V. über ganz Italien;
  • 1542-44: Zusammen mit den Osmanen startete Franz I. einen erneuten Versuch, Italien zu erobern. Die Auseinandersetzungen zwischen diesen Truppen und denen Karls V. fanden fast ausschließlich außerhalb Italiens statt. Der Freide von Crépy bestätigte die Vorherrschaft Karls V. in Italien.
  • Nach weiteren Kriegen zwischen Karl V. und Heinrich II. (dem französischen Nachfolger Franz I.) bzw. Philipp II. (Nachfolger Karls V. auf der spanischen Linie der Habsburger), aus denen die Spanier letztendlich siegreich hervorgingen, wurde 1559 der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen: Italien blieb unter spanischer Vorherrschaft, Frankreich musste sich aus der italienischen Politik zurückziehen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1553

1553: Miguel Serveto (a. Michael Servet): Beschreibung des kleinen Blutkreislaufs
1553 veröffentlichte der spanische Arzt Miguel Serveto die Schrift “Christianismi restitutio”, in der erstmals der kleine Blutkreislauf des Menschen annähernd richtig beschrieben wurde. Serveto war ein Kritiker der Trinitätslehre, wurde daher von der katholischen Inquisition verfolgt. In Genf ließ ihn Calvin 1553 festnehmen und anklagen – aus “Sorge um dessen Seelenheil”. Serveto wurde noch im gleichen Jahr auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1553-1558: Katholische Restauration in England unter Mary Tudor
Nachdem die Kirche in England unter König Edward IV. lutherischem und reformiertem Gedankengut öffnete, suchte die mit dem spanischen König Philipp II verheiratete Mary Tudor (Maria die Katholische), England wieder zum katholischen Glauben zurückzuführen. Stellen wurden neubesetzt, Kirchenleute abgesetzt und z.T. hingerichtet (z.B. der Erzbischof von Canterbury, Thomas Cramner) und die Lehren geändert. Unter Elisabeth I. wandelte sich das theologische Blatt dann wieder und die englische Staatskirche wurde wiederhergestellt.

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