Tag Archiv für Habsburger

Chronik: 16. Jahrhundert – 1559

1559: Friede von Cateau-Cambrésis
Nach mehreren Kriegen (siehe 1521-1559: Kriege und Konflikte zwischen den Habsburgern und Frankreich um Italien) zwischen den Habsburgern unter Karl V. und Philipp II. und Frankreich unter Franz I. und Heinrich II., aus denen letztendlich die Habsburger (bzw. die spanische Linie der Habsburger) siegreich hervorgingen, wurde 1559 der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen: Italien blieb unter spanischer Vorherrschaft, Frankreich musste sich aus der italienischen Politik zurückziehen.

1559: Veröffentlichung des Index der verbotenen Bücher (Index Librorum Prohibitorum)
Schon früh erkannten die Gelehrten, dass die Ausbreitung der Reformation eng mit dem Buchwesen (Druck und Vertrieb) zusammenhing. Ein Hauptaugenmerk der 1542 gegründeten römischen Inquisitionebehörde (siehe 1542: Die Bulle “Licet ab initio” von Papst Paul III. zur Inquisition) lag daher auch auf den “häretischen” Büchern der Reformatoren. 1559 wurde schließlich ein Verzeichnis mit Büchern erstellt, die ein Katholik nicht lesen sollte – oder besser “durfte”: Die Lektüre stand unter Strafe! Auf der Liste standen die Schriften der bekannten Reformatoren, einzelne Bibelausgaben, Schriften bekannter Humanisten (z.B. Erasmus’ von Rotterdam).

1559: Gründung der Académie de Genève
Die Akademie (heute die Universität Genf) wurde 1559 auf Anraten Johannes Calvins gegründet und sollte die theologische und humanistische Bildung deutlich vorantreiben. Erster Leiter der Akademie wurde Théodore de Bèze (auch Theodor von Beza). Die Akademie erlang recht schnell eine große Anziehungskraft.

1559: Erste Nationalsynode der Calvinisten in Paris / Confession du Foy (später Confessio Gallicana genannt)
Bei der geheimen Nationalsynode verabschiedeten französische Protestanten eine Kirchenordnung (“Discipline ecclésiastique”) und ein Glaubensbekenntnis, das auf eine Schrift Calvins basierte und ergänzt wurde. Das Bekenntnis, Confession du Foy genannt, bestand aus 40 Artikeln. 12 Jahre später, auf der Synode von La Rochelle, wurde es mit kleinen Textänderungen offiziell angenommen und trug seither den Namen “Confessio Gallicana”. 1562 wurde die Confession du Foy in die niederländische Sprache übersetzt und sorgte für eine weitere Verbreitung calvinistischer Lehren in Richtung Norden.

1559: Verschärfung der Verfolgung französischer Protestanten
König Heinrich II. weitet die Verfolgung der Protestanten auch auf bekannte Persönlichkeiten aus der Politik aus. So ging er u.a. gegen protestantische Mitglieder des Pariser Parlaments vor. Lediglich der Hochadel blieb verschont. Auch hier gab es namhafte Vertreter der neuen Lehre, z.B. Antoine de Bourbon, seit 1555 König von Navarra.

1559–1565: Papst Pius IV. (Lebensdaten: 1499-1565)

1559-1573: Magdeburger Centurien
13 Bände umfasst dieses erste kirchengeschichtliche Werk auf protestantischer Seite. Angeregt durch den lutherischen Theologen Matthias Flacius Illyricus arbeiteten mehrere Autoren an den Centurien, die den lutherischen Weg betont positiv darstellen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1548

1548: Augsburger Interim
Nach dem Schmalkaldischen Krieg, den der Kaiser Karl V. klar für sich und gegen die protestantische Seite entscheiden konnte, suchte er mit den Verordnungen des Interims politische und religiöse Fragen in seinem Sinne zu beantworten, sprich: in beiden Bereichen eine Einheit herzustellen. Dass er sich damit sowohl bei den Protestanten sowie bei den Reichsständen allgemein keine Freunde machte, lag auf der Hand – und ließ seine Pläne scheitern.

Karl V. berief schließlich für die Klärung zumindest der theologischen Fragen eine Kommission, die zwar aus katholischen und evangelischen Theologen bstand, jedoch ein deutliches Übergewicht auf der katholischen Seite besaß. Und so überwogen auch die katholischen Standpunkte, die beschlossen wurden. Zugestanden wurde den Protestanten allerdings der Laienkelch und die Priesterehe, ansonsten sollte die Religionsausübung wieder katholisch ausgerichtet sein. Rückblickend muss allerdings gesagt werden, dass das Interim scheiterte: Sowohl von der katholischen als auch von der protestantischen Seite wurde es abgelehnt.

1548: Formula reformationis
Im Jahre 1548 formulierte Kaiser Karl V. die Notwendigkeit und die Eckpunkte einer Reform des katholischen Klerus.

ab 1548: Streitigkeiten im Luthertum
Nach Luthers Tod im Jahre 1546 gab es unter den lutherischen Reformatoren etliche Zwistigkeiten über die Lehre. Daran beteiligt waren die Philippisten (Anhänger/Mitstreiter Philipp Melanchthons) und die Gnesiolutheraner (gnesios=echt), also die in ihren Augen “echten Lutheraner”. Vier Streitigkeiten standen im Vordergrund:

  • adiaphoristischer Streit: Adiaphora waren die “freien Mitteldinge”, Zeremonien und Riten aus der alten Kirche, die nach Meinung der Philippisten auch für die Reformatoren hinnehmbar seien. Damit zeigten die Philippisten Kompromissbereitschaft in ihrem Verhältnis zu den Katholiken. Die Gnesiolutheraner, allen voran Matthias Flacius, räumten zwa r ein, dass es solche Miteldinge gebe, aber eben auch richtige und falsche – und die Dinge der Philippisten gehörten z.T. zu den für Lutheraner nicht hinnehmbaren.
  • osiandrischer Streit: Er wurde ausgelöst und benannt nach Andreas Osiander. Hier stand seine Meinung gegen die der Philippisten und auch etlicher Gnesiolutheraner. Osiander behauptete, dass die göttliche Natur dem Menschen eingegossen werde und im Menschen lebe. Dadurch werde der Mensch “gerecht gemacht, nicht gerechtgesprochen” (Theologische Realnzyklopädie, Band 28, S. 323).
  • majoristischer Streit: Benannt nach dem Schüler und Freund Melanchthons und Wittenberger Professor Georg Major, ging es hierbei um den Wert guter Werke. Major bekannte, dass gute Werke notwendig seien zur Seligkeit. Dies widersprach in den Augen der Gnesiolutheraner den Worten Luthers, dass nur der Glaube, nicht die Werke selig machen. Allerdings sprach Luther auch davon, dass aus dem Glauben gute Werke hervorsprudeln würden. Kurz: Der Streit entzündete sich an einem Problem, das Luther offen gelassen hatte. (Iserloh: Geschichte und Theologie der Reformation, 1980, S. 186)
  • synergistischer Streit: Das greichische Wort “synergetikos” bedeutet „mitwirkend” – und genau darum ging es in diesem Streit zwischen Philippisten und Gnesiolutheranern: Ist bei einer Bekehrung eines Menschen allein die Gnade Gottes (so die Gnesiolutheranern) tätig oder kommt neben dem Wort Gottest und dem Heiligen Geist auch noch der menschliche Wille hinzu (so Melanchthon und seine Nachfolger, v.a. Johannes Pfeffinger)?

Auch ein Streit über das Abendmahl entbrannte erneut (1552). Die gegensätzlichen Standpunkte zeigten sich in aller Deutlichkeit bei dem Kolloquium zu Worms im Jahre 1557. König Ferdinand I. hatte dieses Kolloquium eigentlich dazu nutzen wollen, eine Verständigung der katholischen mit der protestantischen Seite herbeizuführen.

1548: Burgundischer Vertrag
Der Vertrag regelte die staatsrechtliche Stellung des Burgundischen Reichskreises, der zudem durch einige Territorien aus dem Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis erweitert wurde. Der habsburgische Teil der Niederlande wurde dadurch vom Reich “abgesondert, aber nicht formal abgetrennt” (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 230).

Chronik: 16. Jahrhundert – 1564

1564: Die Professio fidei Tridentinae (das Trienter Glaubensbekenntnis) von Papst Pius IV. erscheint

1564: Teilung der österreichischen Länder
Nach dem Tod von Kaiser Ferdinand I. wurden die österreichischen Länder aufgeteilt: Maximilian II., Nachfolger Ferdinands auf dem Kaiserthron, erhielt Nieder- und Oberösterreich (das Erzherzogtum Österreich), Ferdinand Tirol und die Vorlande, Karl die Steiermark, Kärnten und die Krain (also Innerösterreich). (S. Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 311)

Chronik: 17. Jahrhundert – 1606

1606: Erster freistehender Theaterbau in Deutschland fertiggestellt (“Ottoneum”, Kassel)

1606: Rudolf II. und Erzherzog Matthias – Bruderzwist im Hause Habsburg
Schon seit etlichen Jahren schwelte der Streit zwischen den Brüdern Rudolf (Kaiser) und Matthias (Erzherzog und Nachfolger Rudolfs als Kaiser). Kaiser Rudolf II. hatte den kaiserlichen Hof von Wien nach Prag verlegt und zeigte sich in der Folge “weltabgewandt, und schließlich geisteskrank” (Heimann, 2001, S. 64). Der energische Matthias ließ sich daraufhin 1606 zum Oberhaupt des Habsburger Hauses erklären und nahm damit eine familien-rechtlich höhere Stellung ein als der Kaiser. In den Folgejahren musste Rudolf immer mehr Macht und an seinen Bruder abtreten und starb schließlich ohne Macht Anfang des Jahres 1612.

1606-1608: Streit um die Reichsstadt Donauwörth, Reichsacht und Regensburger Reichstag
Donauwörth war eine der Reichsstädte mit konfessionell gemischter Bevölkerung. Laut dem Augsburger Religionsfrieden sollten in solchen Städten beide Konfessionen ihre Religion “ausleben” dürfen. Die protestantische Mehrheit in Donauwörth suchte die Rechte der katholischen Minderheit einzuschränken: Eine katholische Prozession sollte verboten werden. Der eingeschaltete Reichshofrat stellte sich auf die Seite der Katholiken, doch die protestantische Seite ging weiterhin mit Gewalt gegen die Prozession vor.

Kaiser Rudolf II. verhängte daraufhin die Reichsacht gegen die Stadt und beauftraget Maximilien von Bayern, die Acht durchzusetzen. Dagegen wiederum wehrten sich die Protestanten, da sie die Stadt zum Schwäbischen Reichskreis unter dem evangelischen Herzog von Württemberg zählten. Die bayerischen Truppenm besetzten trotzdem die Stadt und begannen mit der Rekatholisierung. Die Fronten zwischen Katholiken und Protestanten verhärteten sich, der folgende Reichstag zu Regensburg löste sich unter diesem Druck ohne Beschlüsse wieder auf.

Chronik: 17. Jahrhundert – 1663

1663: Immerwährender Reichstag in Regensburg
1663 konstituierte sich der Reichstag in Regensburg. Da man sich nicht auf gemeinsame Beschlüsse einigen konnte, entstand der sogenannte “Immerwährende Reichstag”, eine permanente Gesandtenkonferenz, die bis 1806 beibehalten wurde. Der Reichstag war eines der wenigen Faktoren, die die fast souveränen kleineren und größeren Länder innerhalb des Reiches zusammenhielten. Hier sollten alle Entscheidungen, die das Reich als Ganzes betrafen, so auch die Wahl eines Kaisers, vorgenommen werden – wenn auch die Wahl des Kaisers nur der esrten Kammer des Reichstags zukam, dem Kurfürstenrat.

Immerwährender Reichstag zu Regensburg 1663, Kupferstich aus dem Jahre 1663; Quelle: Katalog Ausstellung HRR / Wikimedia Commons

Immerwährender Reichstag zu Regensburg 1663, Kupferstich aus dem Jahre 1663;
Quelle: Katalog Ausstellung HRR / Wikimedia Commons

1663-1664: Krieg zwischen Habsburg und den Türken
Schon länger war das halbautonome Siebenbürgen eine umkämpfte Region, eingekeilt zwischen Habsburgern und Osmanen, die ihren Einfluss geltend machen wollten. Als sich der Siebenbürgische Fürst Georg II. Rakoczy der osmanischen Herrschaft zu entziehen suchte, sah der Kaiser die Möglichkeit, seine Macht dort zu stärken.

Als die Osmanen daraufhin 1663 in Ungarn eindrangen und die Festung Neuhäusel im Norden Ungarns (ca. 130 km östlich von Wien) eroberten, sicherte sich der Kaiser die Unterstützung verschiedener Reichsländer und des Rheinbundes (inkl. Frankreichs). Bei St. Goothard an der Raab (heute Szentgotthárd im Westen Ungarns) konnten die Türken geschlagen werden, auf ein weiteres Vordringen verzichteten die Habsburger allerdings.

Im Frieden von Eisenburg wurde ein 20-jähriger Waffenstillstand ausgehandelt. Die Osmanen bekamen Siebenbürgen und Neuhäusel zugesprochen.

XML Sitemap