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Chronik: 16. Jahrhundert – 1566

1566: Die Confessio helvetica posterior (das Zweite Helvetische Bekenntnis) Heinrich Bullingers erscheint

1566: Der Catechismus Romanus (der Römische Katechismus) erscheint
Auf dem Trienter Konzil wurde bereits früh auf die Notwendigkeit eines Katechismus hingewiesen, der kurz und prägnant die Hauptpunkte des katholischen Glaubens aufführt und erläutert. Wie genau dieser Leitfaden aussehen, welche Punkte er umfassen sollte, darüber wurde freilich bis zur letzten Tagung diskutiert. Der Katechismus konnte, ebenso wie die beschlossenen Schriften „Breviarum Romanum“ und das „Missale Romanum“, nicht fertiggestellt werden. Daher übergab man die erarbeiteten Materialien an den Papst (Pius IV.) mit der Bitte der Fertigstellung der Schriften.

Pius IV. und sein Nachfolger Pius V. setzten jeweils eine Kommission ein, die diese Arbeiten übernehmen sollten. Und so konnte 1566 der Katechismus herausgegeben werden, der sich an die gesamte Gemeinde, aber besonders an die Pfarrer und Seelsorger richtete und bis in die heutige Zeit von großer Bedeutung ist. Er umfasste folgende Punkte:

  • das apostolische Symbolum oder Glaubensbekenntnis,
  • die Sakramente,
  • den Dekalog und
  • das Gebet des Herrn.

Weitere Quellen und Literatur:

1566: Bildersturm in den Niederlanden
In diesem Jahr stürmten in den Niederlanden bewaffnete Truppen, teilweise angeführt von reformierten Predigern, die Kirchen, um dort Bilder und liturgische Geräte zu zerstören. Es gab viele Hinrichtungen der Bilderstürmer, auch gegen hochadelige Personen.

1566–1572: Papst Pius V. (Lebensdaten: 1504-1572)

Chronik: 16. Jahrhundert – 1563

1563: Der „Heidelberger Katechismus“ erscheint
Friedrich III. von der Pfalz war zunächst Lutheraner, begeisterte sich allerdings zunehmend für die reformierte (d.h. calvinistische) Lehre. Er gab den Auftrag an Zacharias Ursinus (1534-1583) und weitere Gelehrte, einen Katechismus zu verfassen, weil die Übernahme des Genfer Katechismus die Abspaltung vom Augsburger Bekenntnis bedeutet hätte.Der Heidelberger Katechismus systematisierte in 129 Fragen die Glaubenslehre, die sich der Ideen Melanchthons, Bullingers und Calvins bediente. Eine dezidierte Prädestinationslehre fehlte. (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 238)

1563: Johann Weyers Schrift „De Praestigiis Daemonum“ erscheint
In diesem Jahr erschien eine der einflussreichsten Schriften gegen die Hexenverfolgungen. Geschrieben wurde sie von einem Arzt, Johannes Weyer (auch Wier) der jedoch in seinem Werk nicht rein medizinisch argumentierte. Vielmehr geht er auch auf theologische Aspekte (z.B. das Wirken und die Macht des Teufels) ein, auf naturphilosophische (Was können Hexen eigentlich? Zaubern? Fliegen?) und rechtliche („Sollten Hexen vom Gesetz her bestraft werden?“).

Weyer sah in den Geständnissen der Frauen, die zu den vielen harten Urteilen führten, einerseits eine Krankheit: die Melancholie. Inwieweit man hier bereits von psychischen Ursachen sprechen kann, ist nicht ganz klar, denn der Begriff der Melancholie ist noch nicht im heutigen Sinne rein psychisch zu verstehen: Melancholie ist das Überwiegen eines der vier Säfte im menschlichen Körper, der schwarzen Galle (melas = schwarz, chole = Galle).

Andererseits betont Weyer die Rolle des Teufels und der Dämonen, die bei schwachen Frauen leichtes Spiel hätten: Die Geständnisse der Frauen stammten von diesen bösen Mächten – die Aussagen seien daher juristisch nicht verwertbar, wobei Weyer auch den Aspekt der Folter anführt.

Kurz: Das Töten solcher Menschen müsse beendet werden! Allerdings: Die Höhepunkte der Prozesse finden sich ungefähr zwischen 1590 und 1630. Weyers Argumentation konnte die Prozesse nicht verhindern – die Befürworter behielten die Oberhand: zum Beispiel der französische Jurist und Staatstheoretiker Jean Bodin mit seiner Schrift „De la démonomanie des sorciers“ aus dem Jahre 1580, die in ihrem Anhang die Ausführungen Weyers zu widerlegen suchte..

1563-64: Ortenburger Adelsverschwörung
Einige bayerische Adelige ersuchten, unter der Führung des Grafen Joachim von Ortenburg, um Zulassung der Confessio Augustana: Das lutherische Glaubensbekenntnis sollte in ihren Territoien eingeführt werden. Der bayerische Herzog Albrecht V. wandte sich dagegen. Trotzdem führte Joachim die Reformation durch. Eine Abriegelung der Wege nach Ortenburg als auch eine Anklage zahlreicher bayerischer Fürsten wegen Hochverrats brachte zunächst etwas Ruhe und die Abwehr reformatorischen Strebens in die Angelegenheit, doch schwelte der Konflikt noch lange weiter.

1563-1570: Dreikronenkrieg oder Nordischer Siebenjähriger Krieg
Polen, Schweden und Dänemark wollten dem russischen Zaren nicht das gesamte Baltikum kampflos überlassen, sondern suchten Gelegenheiten, sich selbst einzelne Teile des Baltikums anzueignen – wobei es immer auch um die Ostsee ging: um Zugänge und Häfen zur Ostsee, um strategisch wichtige Punkte für Handels- und militärische Macht. Dänemark, Lübeck und Polen stellten sich in diesem Krieg in mehreren Seeschlachten gegen Schweden. Der Krieg endete mit dem Frieden von Stettin.

Die Grafik (Frans Hogenberg, zwischen 1535 und 1590, wahrscheinlich 1589) zeigt den Verlauf der Seeschlacht am 30./31.Mai 1564 in der Ostsee zwischen den Inseln Öland und Gotland zur Zeit des Dreikronenkrieges. In der rechten Bildhälfte sind die gescheiterten Friedenverhandlungen in der Stadt Rostock (ROSTOCHIVM) zu sehen. Die linke Bildhälfte zeigt die Kaperung des schwedischen Flaggschiffes MARS (auch bekannt als Makalös bzw. Jutehattaren) durch das Lübecker Flaggschiff "Der Engel" sowie weitere Schiffe der dänisch-lübecker Flotte. Die Seeschlacht endete mit der Versenkung der Mars und der Gefangennahme des schwedischen Befehlshabers Admiral Jakob Bagge sowie seinem Stellvertreter Arvid Trolle. SourceGrafik stammt vermutlich aus einem Werk, das Hogenberg als Nachruf auf den dänischen König Frederik II. um 1589 fertigte

Die Grafik (Frans Hogenberg, zwischen 1535 und 1590, wahrscheinlich 1589) zeigt den Verlauf der Seeschlacht am 30./31.Mai 1564 in der Ostsee zwischen den Inseln Öland und Gotland zur Zeit des Dreikronenkrieges. In der rechten Bildhälfte sind die gescheiterten Friedenverhandlungen in der Stadt Rostock (ROSTOCHIVM) zu sehen. Die linke Bildhälfte zeigt die Kaperung des schwedischen Flaggschiffes MARS (auch bekannt als Makalös bzw. Jutehattaren) durch das Lübecker Flaggschiff „Der Engel“ sowie weitere Schiffe der dänisch-lübecker Flotte. Die Seeschlacht endete mit der Versenkung der Mars und der Gefangennahme des schwedischen Befehlshabers Admiral Jakob Bagge sowie seinem Stellvertreter Arvid Trolle.
Source Grafik stammt vermutlich aus einem Werk, das Hogenberg als Nachruf auf den dänischen König Frederik II. um 1589 fertigte. (Wikimedia Commons)

Chronik: 16. Jahrhundert – 1542

1542: Genfer Katechismus
(s. 1541: Genfer Kirchenordnung und Genfer Katechismus)

1542: Sachsen und Hessen besetzen Braunschweig-Wolfenbüttel
Im Streit um die Stadt Goslar kam es 1542 zur Besetzung von Braunschweig-Wolfenbüttel durch Johann Friedrich I., den Kurfürsten von Sachsen, und Philipp, Landgraf von Hessen. Mit der Reformation wurden Johannes Bugenhagen und Anton Corvinus beauftragt.

Raffael: Portät von Alessandro Farnese, dem späteren Papst Paul III., ca. 1512, National Museum of Capodimonte. Quelle: Wikimedia Commons

Raffael: Portät von Alessandro Farnese, dem späteren Papst Paul III., ca. 1512, National Museum of Capodimonte. Quelle: Wikimedia Commons

1542: Die Bulle „Licet ab initio“ von Papst Paul III. zur Inquisition
Die Nachrichten von der Ausbreitung reformatorischen Gedankenguts nördlich der Alpen ließ in Italien die Rufe nach strengen Maßnahmen dagegen laut werden. Um den alten Glauben, die alte Kirche zu schützen, leitete Papst Paul III. mit seiner Bulle „Licet ab initio“ die Errichtung einer Inquisionsbehörde in die Wege, die sowohl im Süden als auch im Norden (also nördlich der Alpen) tätig werden sollte: die „Sacra Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis“ oder „Congregatio sancti“ (später auch „Sanctum Officium“ genannt).

Sechs Kardinäle mit besonderen Rechten standen an der Spitze der Behörde, die in den Folgejahren v.a. durch einen berühmt-berüchtigten „Index“ auf sich aufmerksam machte: dem Index für verbotene Bücher (Index Librorum Prohibitorum) von 1559. Daneben gab es auch, wenngleich bedeutend weniger als in Spanien, die Verfolgung udn auch Ermordung von „Ketzern“ – Giordano Bruno und Galileo Galilei sind hier sicherlich die bekanntesten Beispiele.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1541

1541: Wormser Buch
Beim Wormser Religionsgespräch, das wie das Gespräch in Hagenau 1540 zur Verständigung zwischen der katholischen Seite und den Protestanten dienen sollte, gab es inoffizielle Gespräche zwischen dem Reformator Martin Bucer, dem katholischen Theologen Johannes Gropper und dem ersten Staatsrat des Kaisers, Nicolas Perrenot de Granvelle. Sie einigten sich auf eine Reihe von Artikeln zu etlichen Streitthemen, die im „Wormser Buch“ festgehalten wurden. Dieses Buch sollte die Grundlage des folgenden Religionsgesprächs in Regensburg bilden.

1541: Die Gustav Vasas Bibel erscheint
1541 wird eine unter Mitarbeit des Reformators Olaus Petri entstandene schwedische Übersetzung der gesamten Bibel herausgegeben: die Gustav Vasas Bibel. Olaus Petri geriet allerdings bereits ein Jahr zuvor in Konflikt mit dem schwedischen König Gustav I., der soweit ging, dass der Reformator zum Tode verurteilt wurde. Das Urteil wurde allerdings wieder aufgehoben. Die Bibel hatte „eine ähnliche Bedeutung für Sprache und Literatur Schwedens“ wie Luthers Übersetzung in Deutschland (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 252).

1541/42: Genfer Kirchenordnung und Genfer Katechismus
Nachdem Calvin 1538 Genf verlassen hatte (s. 1537: Jean Calvin veröffentlicht seine ‚Articles concernant l´organisation de l´Eglise'“), ging er nach Straßburg, wo er bis 1541 einige seiner Vorstellungen verwirklichen konnte. Dann wurde er vom Rat der Stadt Genf zurück gebeten. Hier übernahm er viele Ideen, die er in Straßburg umsetzen durfte und formulierte sie in der Genfer Kirchenordnung. Ein Jahr später erschien seine zweite Ausgabe des Katechismus‘.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1529

1529: Entstehung des Begriffs „Protestant“
Auf dem zweiten Reichstag zu Speyer wurde das Wormser Edikt (also die Reichsacht des Kaisers gegen Martin Luther und das Verbot der Lektüre und Verbreitung seiner Schriften) wieder eingesetzt. Als die evangelischen Stände feierlich Protest dagegen einlegten, erhielten sie den Namen „Protestanten“.

1529: Kleiner und großer Katechismus Luthers
Die Visitationen zeigten, dass viele Menschen, auch die Prediger, nur wenig Wissen über die neuen Lehren hatten. Dies veranlasste Luther zur Abfassung eines großen und eines kleinen Katechismus‘. „Durch ihn (den kleinen Katechismus, Anm. von WebHistoriker) wie durch seine geistlichen Lieder ist Luther der große religiöse Volksbildner geworden.“ (Iserloh, Geschichte und Theologie, 1980, S. 78)

1529: Erste Belagerung Wiens durch die Türken
Die Türken drangen unter Sultan Süleiman II. nach Südosteuropa vor: 1521 Eroberung Belgrads, 1526 Schlacht bei Mohács, 1529 Belagerung Wiens).

1529: Marburger Religionsgespräch
Das Marburger Religionsgespräch fand vom 1. bis 3. Oktober 1529 auf dem Schloss des Landgrafen Philipp von Hessen statt. Er hatte dazu eingeladen, um die unterschiedlichen reformatorischen Strömungen zu einigen. Teilnehmer waren u.a. Martin Luther, Huldrych Zwingli, Philipp Melanchthon und Martin Bucer. Diskutiert wurde über die Eucharistie und die Bedeutung der Sakramente.

Zwingli war in den Jahren zuvor immer mehr zu einer eher symbolischen Deutung der bekannten Bibelstelle nach 1. Korinther 11,24: „Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.“ (Lutherbibel 1984, zitiert nach bibelserver.com). Jesus sei „zwar gegenwärtig, aber nicht mit Fleich und Blut, sondern indem sich die Gemeinde an ihn ereinnere und sich zu ihm bekenne“. (Jung: Die Reformation, 2008, S. 68)

Dem gegenüber stand ein recht kompromissunwilliger Luther, der keinen Zweifel daran ließ, dass „Dies ist mein Leib“ nur eine buchstäbliche Deutung nach sich ziehen konnte. Verschiedene Apelle, u.a. Jakob Sturms (Bürgermeister von Straßburg) Sorgen um die politischen Folgen einer recht weitreichenden Trennung der Protestanten, konnten Luther nicht milder stimmen.“Für Luther hatte das Abendmahl heilsgeschichtliche Bedeutung; wer da anderer Meinung war, mit dem war er er nicht einig im Geiste.“ (Schilling: Martin Luther, 2012, S. 405)

Was folgte, waren recht heftige gegenseitige Beschimpfungen, die den reformatorisch gesinnten Landesherren nicht gefiel. Bei dem einberufenen Religionsgespräch sollte es daher um eine möglichst weitgehende Einigung gehen, was zum Teil auch gelang – außer in eben der entscheidenden Frage des Abendmahls. Man ging im Streit auseinander und es sollte in der Folgezeit keine Versöhnung mehr geben.