Tag Archiv für Luther

Chronik: 16. Jahrhundert – 1537

1537: Konzil von Mantua
Bereits 1536 rief Papst Paul III. in Absprache mit dem Kaiser Karl V. weltliche und geistliche Führer zu einem Konzil in Mantua zusammen, das im Mai 1537 stattfinden sollte. Die protestantischen Fürsten, aber auch Frankreich zeigten jedoch kein Interesse, am Konzil teilzunehmen, so dass dieses erst einmal verlegt, dann (1539) ganz abgesagt wurde.

1537: Die Bibelübersetzung von Johannes Eck erscheint
Nach der Übersetzung Johannes Dietenbergers aus dem Jahre 1534 (s. 1534: Johannes Dietenbergers Bibelübersetzung) erschien 1537 eine weitere katholische Übersetzung der Schriften des Alten und des Neuen Testaments von Johannes Eck, einem Theologen und Widerstreiter Luthers. Beide richteten sich gegen die Übersetzungen der protestantischen Seite, v.a. Luthers und werden daher auch “Korrekturbibeln” genannt.

1537: Die Schmalkaldischen Artikel Luthers
Luther lieferte mit diesen Artikeln eine Zusammenfassung seiner Theologie. Sie sollten eigentlich auf dem Konzil von Mantua verlesen werden.

1537: Jean Calvin veröffentlicht seine “Articles concernant l´organisation de l´Eglise”
Calvin lieferte mit dieser Schrift eine Gemeindeordnung. Ordnung und Kirchenzucht seien für eine würdige Abendmahlsfeier unabdingbar. Ausgewählte “charakterfeste und unbestechliche Männer” sollten das Verhalten ihrer Mitbürger im Auge behalten. Der Rat der Stadt Genf wollte viele dieser strengen Richtlinien Calvins nicht in die Praxis umsetzen. Der Streit eskalierte, Calvin und sein Mitstreiter Guillaume Farel mussten Genf 1538 verlassen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1529

1529: Entstehung des Begriffs “Protestant”
Auf dem zweiten Reichstag zu Speyer wurde das Wormser Edikt (also die Reichsacht des Kaisers gegen Martin Luther und das Verbot der Lektüre und Verbreitung seiner Schriften) wieder eingesetzt. Als die evangelischen Stände feierlich Protest dagegen einlegten, erhielten sie den Namen “Protestanten”. Weiterlesen

Chronik: 16. Jahrhundert – 1527

1527: Johann von Sachsen: Instruktion zur Kirchenvisitation / Melanchthon: Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn
Auf Anraten von Martin Luther erließ der sächsische Kurfürst Johann eine Instruktion zur Durchführung der sogenannten Visitation: Die Visitation war eine regelmäßige Begutachtung der einzelnen Pfarreien durch Aufsichtspersonen. Diese hatten vornehmlich zu untersuchen, ob die protestantische Lehre richtig umgesetzt wurde. Allerdings sollten auch “das Kirchengut, die Besoldung der Pfarrer und die öffentliche Sittlichkeit” (Iserloh 1980, S. 78) begutachtet werden. Die Visitation 1527/28 war die erste protestantische Visitation im Reich. 1528 erstellte Philipp Melanchthon eine Anleitung zur Visitation – “Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn” -, die auch nachfolgende Visitationen mitprägte.

1527: Gründung der Universität Marburg
Landgraf Philipp von Hessen (“der Großmütige”), der ein Jahr zuvor die Reformation einführte, gründete 1527 die Universität Marburg, die auch zur Ausbildung der Pfarrer und Beamte Hessens dienen sollte. Sie war die erste protestantische Universität. Ihr folgen sollten 1544 die Universität in Königsberg (Preußen), 1558 Jena, 1576 Helmstedt, 1607 Gießen und 1621 Rinteln an der Weser. (Klueting 2007, S. 206)

1527: Der Zürcher Täufer Felix Manz wird ertränkt
Vielen Anhängern ging die Reformation in Zürich nicht schnell genug bzw. war nicht konsequent genug. Sie verlangten u.a. die sofortige Abschaffung der Kindstaufe und die Einführung der Erwachsenen- oder Gläubigentaufe. Erste Täufergemeinden entstanden und der Streit eskalierte bereist 1524/25. Anfang 1527 wurde einer der Wortführer, der Täufer Felix Manz, vom Zürcher Stadtrat zum Tod durch Ertränken verurteilt.

1527: Michael Sattler und die Anfänge des Täufertums / Schleitheimer Artikel

1527: Adrian Willaert wird Kapellmeister in Venedig
Der niederländische Komponist wurde 1527 als Kapellmeister an die Markuskirche in Venedig berufen. Diese Anstellung besaß in dieser Zeit ein sehr hohes Ansehen – es war “das höchste Amt, das Europas Musikleben in damaliger Zeit wohl zu vergeben hatte”, schreibt Kurt Pahlen in seiner “Großen Geschichte der Musik” (überarb. Neuauflage, München 2002).

Willaert nutzte die große Kirche, um mit den zwei Orgeln und jeweils eine Gruppe Sänger und Instrumentalisten an jeder Orgel ein derartiges Zusammen- und Wechselspiel der Mehrstimmigkeit zu schaffen, wie sie zuvor wohl kaum zu hören war. (Die Entwicklung der Polyphonie gilt als eines der konstituierenden Merkmale der Renaissance.) Seine “fortschrittlichen” und wegweisenden Werke (viele Motetten, Messen und Madrigale, aber auch Instrumentalstücke) erlangten einen für damalige Verhältnisse große Berühmtheit.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1525

1525: Bauernkrieg in Deutschland

Zwölf Artikel der Bauern Flugschrift von 1525, Quelle: Wikimedia Commons / eingescannt aus: Otto Henne am Rhyn: Kulturgeschichte des deutschen Volkes, Zweiter Band, Berlin 1897, S.21

Zwölf Artikel der Bauern Flugschrift von 1525, Quelle: Wikimedia Commons / eingescannt aus: Otto Henne am Rhyn: Kulturgeschichte des deutschen Volkes, Zweiter Band, Berlin 1897, S.21

Aufstand der Bauern mit Unterstützung einiger adeliger Anführer (z.B. Florian Geyer und Götz von Berlichingen) und einiger kleinerer Städte (z.B. Memmingen). Die Bauern forderten die Erhaltung oder Wiederherstellung ihres ständischen “alten Rechts” anstelle des neuen römischen Landrechts, mehr bäuerliche Selbstverwaltung und wehrten sich gegen steigende Abgaben und Dienste, aber auch gegen Willkür.

Es war keine geschlossene, zentral geführte Aktion innerhalb des Heiligen Römischen Reichs, sondern ein Konglomerat aus vielen kleinen Einzelaktionen – die jedoch erfassten weite Gebiete, von Süddeutschland bis tief nach Thüringen und Sachsen. Tatsächlich wussten oftmals die aufständischen Bauern nichts von dem Tun anderer Bauern in anderen Territorien. Allerdings (so Schnabel-Schüle: Die Reformation, 2006, S. 145) spielten sich die meisten Aufstände nach einem ähnlichen Muster ab: Unzufriedene Bauern forderten eine Verbesserung ihrer Lebenssituation, die ihnen die zuständigen Obrigkeiten jedoch verwehrten, woraufhin es zu gewaltsamen Aktionen kam, die wiederum von Heeren des Landesherrn relativ brutal niedergeschlagen wurden.

Und so endete der Bauernkrieg in einer grausamen Niederschlagung der Bewegung: Mehr als 100.000 Menschen sollen ihr Leben verloren haben. Luther legitimierte im Voraus das harte Vorgehen der Fürsten und enttäuschte damit viele seiner Anhänger. “Für die Geschichte der Reformation gilt das Ende des Bauernkriegs als Zäsur zwischen ihren populären Anfängen (‘Sturmjahre der Reformation’, ‘Volksreformation’) und einer obrigkeitlichen Phase (‘Fürstenreformation’).” (Burkhardt, 1985, S. 67)

1525: Zwölf Artikel
Die “Zwölf Hauptartikel aller Bauernschafft” waren ein Auflistung von Forderungen, die Bauern im Bauernkrieg gegenüber dem Schwäbischen Bund erhoben. Die Urheberschaft ist umstritten. Die meisten Historiker sehen den Kürschner Sebastian Lotzer aus Memmingen als Verfasser der Schrift, allerdings scheint klar zu sein, dass in seine Schrift die Beratungen und Gedanken führender Aufständischer der Region eingingen.

Die Zwölf Artikel forderten, stets unterlegt mit Bibelstellen, u.a. die Wahl des Pfarrers durch die Gemeinde, die Abschaffung der Leibeigenschaft, eine Freigabe von Jagd und Fischerei sowie ein Maßhalten bei den Erhöhungen der bäuerlichen Abgaben. Die Schrift fand weite Verbreitung, über 25.000 Exemplare wurden unter den Bauern verteilt und trafen offensichtlich bei vielen auf offene Ohren.

Martin Luther setzte sich eingehend mit den Forderungen auseinander, erkannte einzelne Forderungen an, lehnte andere ab – und rief sowohl Bauern als auch die Obrigkeiten zu Ruhe und Besonnenheit auf. Auch sein Mitstreiter Philipp Melanchthon kommentierte die Zwölf Artikel.

1525: Thomas Müntzer stirbt im Bauernkrieg
Thomas Müntzer, der 1524 zusammen mit einem früheren Mönch das städtische Leben in Mühlhausen umwälzen wollte, dann aber mit ihm aus der Stadt vertrieben wurde, kam 1525 zurück nach Mühlhausen. Er verbündete sich (zusammen mit Mühlhausener Bürgern) mit den aufständischen Bauern, die ihn bei Frankenhausen zu ihrem Führer wählten. Gegen die Truppen Sachsens (katholisch) und Hessens (evangelisch) hatten die Bauern jedoch keine Chance. 6.000 Menschen wurden getötet, Müntzer festgenommen und hingerichtet.

1525: Luthers Haltung zum Bauernkrieg
Martin Luther schlägt sich im Bauernkrieg auf die Seite der Fürsten und enttäuscht damit viele Bauern. Seine Haltung muss jedoch vor dem Hintergrund seines regional beschränkten Wissen über die Aufstände sowie seiner Erfahrung mit den aufständischen Bauern auf einer Reise durch Thüringen gesehen werden. Hier wurde er verspottet und musste mit ansehen, dass sich die Bauern eher Thomas Müntzer zuwandten. (Schnabel-Schüle: Die Reformation, 2006, S. 149) Zudem zweifelte er das Recht der Bauern an, sich bei dem gewaltsamen Aufstand auf göttliches Recht zu berufen. (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 189)

1525: Luthers Schrift “De servo arbitrio”
In dieser Schrift beschreibt Luther seine Vorstellungen von der Prädestination, der Vorherbestimmung: Unter Bezugnahme auf den spätantiken Philosophen und lateinischen Kirchenlehrer (4./5. Jahrhundert) und gegen die Auffassungen Ersamus’ von Rotterdam bestritt Luther die Existenz eines freien Willens. Dies musste die humanistisch Gebildeten provozieren – und tatsächlich zeigte sich auch bei den Anhängern Luthers, die dem Humanismus nahe standen, ein Unbehagen. Philipp Melanchthon beispielsweise suchte einen Mittelweg zu finden. Noch mehr Relevanz erhielt die Prädestinationslehre später durch Johannes Calvin.

1525: Errichtung eines Ehegerichts, später Sittengerichts in der Stadt Zürich
Mit der Errichtung eines Ehegerichts wurde in Zürich die Ehe als Sakrament beseitigt. Sie unterstand nun einem Gericht, das sich aus Pfarrern und Ratsmitgliedern zusammensetzte. Schon bald wurde der Aufgabenbereich erweitert: Das Ehegericht wurde 1526 zu einem Sittengericht, das die Lebensführung der Bürger beaufsichtigen sollte.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1521

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557. Bildaufschrift: Intitulentur libri (Die Bücher sollen bei ihren Titeln genannt werden). Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen. Wikimedia Commons / Quelle: ?, Urheber: ?

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557. Bildaufschrift: Intitulentur libri (Die Bücher sollen bei ihren Titeln genannt werden). Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen. Wikimedia Commons / Quelle: ?, Urheber: ?

1521: Reichstag zu Worms / Wormser Edikt: Politische Entscheidungen und Ächtung Luthers
Der Reichstag dauerte vom 27. Januar bis zum 26. Mai 1521. Einige wegweisende Entscheidungen wurden hier getroffen, wie z.B. die Reichsmatrikel und die Errichtung eines Reichsregiment. Die Reichsmatrikel legte fest, wieviel Truppen und finanzielle Leistungen die einzelnen Reichsstände zu stellen bzw. zu leisten hatten. Das Reichsregiment gab es bereits von 1495 bis 1502, nun noch einmal von 1521 bis 1531. Es war ein politisches Gegengewicht zum Kaiser, das aus Vertretern der Reichsstände bestand und in der sich abzeichnenden Abwesenheit des Kaisers vom Reich die politischen Geschicke lenken sollte.

Ein weiterer Teil des Reichstags waren aber auch die Geschehnisse rund um die Rolle der Kirche und deren Vertreter. Die Beschwerden gegen den Papst und die römische Kurie (auch Gravamina der deutschen Nation genannt) weiteten sich auf dem Wormser Reichstag auf die Zustände im Reich aus, wobei es um das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht ging.

Inmitten dieses Klima des Misstrauens und teilweise auch der Missgunst gegenüber der Kirche erschien nun auch noch Martin Luther auf dem Reichstag. Er war kurz vor dem Reichstag endgültig zum Ketzer erklärt worden – und der Kaiser wusste davon. Luther hoffte auf ein Entgegenkommen des mit 21 Jahren sehr jungen Kaisers Karl V., schrieb ihm gar einen persönlichen Brief, doch Karl hatte für sein Anliegen kein Ohr. Es war schwer genug, die Einheit des Reiches zu wahren, da kam eine Zerrissenheit der Kirche ungelegen. Karl neigte stark zur Verhängung der Reichsacht.

Doch nach einigem Hin und Her berief der Kaiser Martin Luther zur Anhörung. Dazu war er einerseits aufgrund seiner Wahlkapitulation von 1519 genötigt, die allen Beschuldigten vor der Verhängung der Reichsacht ein Anhörungsrecht zusicherte. (Schnabel-Schüle, 2006, S. 102) Andererseits hatte Karl V. natürlich die antirömische Stimmung im Reich mitbekommen und wusste von den positiven Reaktionen auf das Wirken Luthers. So galt es, Rücksicht und Vorsicht auf die Befindlichkeiten der Reichsstände zu nehmen, ihre Unterstützung, die Karl dringend benötigte (v.a. Finanzen für seine Kriege), nicht aufs Spiel zu setzen.

Am ersten Tag der Vorladung sollte Luther schlicht die Thesen seiner Bücher widerrufen. Er wirkte kleinlaut und war sicherlich enttäuscht, dass der Kaiser nichts Weiteres hören wollte. Am zweiten Tag holte Luther jedoch aus und beeindruckte mit seiner souveränen Rechtfertigung seiner Lehren viele Anwesenden – und wohl auch etwas den Kaiser. Denn der schrieb noch am selben Tag ein eigenes Bekenntnis zum katholischen Glauben. (Schilling, 2012, S. 224 f.)

Auf Drängen der Stände räumte Karl V. Luther noch eine Frist ein, während der man Luther zum Kompromiss überreden wollte. Vergebens. Während das Edikt zur Reichsacht (Wormser Edikt) gegen Luther ausgefertigt wurde, wurde ihm freies Geleit für seine Rückkehr nach Wittenberg zugesichert. Da befürchtet wurde, dass er trotzdem gefangen genommen werden könnte, inszenierten Beauftragte seines sächsischen Landesherrn, Friedrich III., eine Entführung – die berühmte Entführung auf die Wartburg.

Im Übrigen wusste Karl V. von der “Entführung”, als er am 26 Mai 1521 das Edikt unterschrieb. “Karl wusste also, (…) dass er faktisch nur die Verbrennung von Luthers Büchern verfügte, nicht aber dessen Leben in Gefahr brachte.” Vielleicht bestand auch ein Vereinbarung zwischen dem Habsburger und Kursachsen. (Schiller, 2012, S. 232)

Das Wormser Edikt galt im Übrigen auch für die Anhänger Luthers: Seine Schriften durften weder gekauft und gelesen noch gedruckt, abgeschrieben und verkauft werden. Wer das tue, zog ebenfalls die Ächtung auf sich. Über die Gültigkeit des Edikts gab es durchaus Diskussionen, da es nicht in den Reichstagsabschied mitaufgenommen wurde. (Iserloh 1980, S. 42) Die Umsetzung des Edikts wurde 1526 den Ständen überlassen, d.h. in einigen Ländern des Reichs faktisch aufgehoben. Die Reformation konnte in diesen Ländern weiter voran getrieben werden (siehe “1526 und 1529: Reichstage zu Speyer: ‘Fürstenreformation’”).

1521 und 1522: Wormser Vertrag und Vertrag von Brüssel
Die beiden Verträge regelten die territorialen Machtansprüche Kaiser Karls V. und seines Bruders Ferdinand I. Ferdinand erhielt von Karl die österreichischen Lande sowie Württemberg. Fortan gibt es die spanisch-niederländische und die deutsch-österreichische Linie des Hauses Habsburg. Endgültig wird diese Teilung 1556, als Karl V. abdankte und seinem Sohn Philipp II. die spanischen Lande, Ferdinand I. das Kaisertum übergibt.

1521: Luthers Wartburgpostille
Im Sommer 1521 veröffentlichte Martin Luther seine Sammlung deutschsprachiger Musterpredigten, die später als Wartburgpostille bezeichnet wurde. Die Texte fanden großen Anklang und “sollten zusammen mit der Lutherbibel über die Generationen hinweg die Kultur des deutschen Protestantismus prägen” (Schilling, 2012, S. 267). (Zur Lutherbibel siehe: 1534: Die vollständige Lutherbibel erscheint!)

1521: Thomas Müntzer flieht aus Zwickau
Thomas Müntzer, Pfarrer in Zwickau, wurde seines Amtes enthoben und musste aus der Stadt fliehen. Die Gründe lagen in den Streitigkeiten mit dem Franziskanerorden und dem Rat der Stadt Zwickau, der ihn des Aufruhrs beschuldigte. Die Stelle in Zwickau erhielt Müntzer wohl noch auf Empfehlung Luthers. Müntzers Weg führte nach Prag.

1521: Prager Manifest von Thomas Müntzer
In dem Manifest formulierte der Reformator und frühere Anhänger Luthers seine theologischen Grundgedanken. Diese ließen sich in Prag jedoch nicht durchsetzen, woraufhin er 1523 nach Allstedt ging. Hier fanden seine Ideen große Anerkennung.

1521: Luthers Schriften zum Gelübde von Mönchen
Im September bzw. im November verfasste Martin Luther zwei Schriften, in denen er seine Positionen zum Gelübde von Mönchen darlegte: “Themata de votis” und „De votis monasticis iudicium”. Zu dieser Zeit stand Luther selbst noch zu seinem Mönchsdasein. Und es ging ihm in den Schriften auch nicht darum, Gelübde generell abzuschaffen und Mönche und Nonnen zum Austritt zu bewegen – wenngleich es nach Luther in der erneuerten Kirche kein Mönchtum mehr geben sollte.

Während andere Reformatoren, wie z.B. Karlstadt oder Melanchthon, von den Schwierigkeiten oder der Unmöglichkeit aus argumentierten, solche Gelübde überhaupt einzuhalten, ging Luther von der Unterscheidung gottgefälliger und gottloser Gelübde aus. Gottlos sei ein Gelübde dann, wenn man es deswegen leiste oder geleistet habe, um “Gerechtigkeit vor Gott zu erlangen” (Lohse, 1995, S. 157). Geschehe es allerdings in Einklang mit der Freiheit eines Christenmenschen, dann sei es in Ordnung. Insgesamt aber sind in Luthers Augen Gelübde mit Vorsicht zu betrachten, da sie in der Heiligen Schrift keine Erwähnung finden.

1521: Wittenberger Unruhen
Während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg kam es in Wittenberg zu einem Streit, wie weit die theologischen Veränderungen oder Neuerungen gehen sollten. Einigen gingen die bisherigen Reformen nicht weit genug, v.a. was das Zölibat und die Messe betraf. Luther kehrte schließlich nach Wittenberg zurück und forderte in seinen berühmten Invokavitpredigten, dass die Bevölkerung nicht durch zu radikale Änderungen verunsichert werden sollte. Aufgrund des Streits kam es zum Bruch zwischen Luther und dem Reformator Karlstadt (eigtl. Andreas Rudolf Bodenstein, 1480-1541).

1521: Heinrich VIII.: Assertio septem sacramentorum
Mit dieser Schrift wandte sich der englische König Heinrich VIII. kämpferisch gegen Luthers Schrift “Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche”. Daraufhin wurde er von Papst Leo X. mit dem Titel “Verteidiger  des Glaubens” (“Defensor Fidei”) ausgezeichnet. Später wurde gegen ihn der Kirchenbann ausgesprochen (s. 1534: Suprematsakte).

1521-1559: Kriege und Konflikte zwischen den Habsburgern und Frankreich um Italien
Die Kämpfe, jeweils mit unterschiedlichen Bundesgenossen, drehten sich hauptsächlich um die Vorherrschaft in Italien. Der Norden stand nach verschiedenen Auseinandersetzungen unter französischer, der Süden unter habsburgisch-spanischer Herrschaft. Kaiser Karl V. suchte danach, sein Herrschaftsgebiet Richtung Norden auszuweiten. Es kam zu folgenden Konflikten:

  • 1521-26: Sieg Karls V., Friede von Mailand mit dem Verzicht des französischen Königs Franz I. auf Italien;
  • 1526-29: Franz I. verwarf den Vertrag von Mailand, es kam zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen. Karl V. und seine Heere gewannen abermals und im Damenfrieden von Cambrai verzichtete der französische König erneut auf Italien;
  • 1536-38: Der am Ende des Krieges ausgefertigte Friede von Nizza bestätigte die Herrschaft Karls V. über ganz Italien;
  • 1542-44: Zusammen mit den Osmanen startete Franz I. einen erneuten Versuch, Italien zu erobern. Die Auseinandersetzungen zwischen diesen Truppen und denen Karls V. fanden fast ausschließlich außerhalb Italiens statt. Der Freide von Crépy bestätigte die Vorherrschaft Karls V. in Italien.
  • Nach weiteren Kriegen zwischen Karl V. und Heinrich II. (dem französischen Nachfolger Franz I.) bzw. Philipp II. (Nachfolger Karls V. auf der spanischen Linie der Habsburger), aus denen die Spanier letztendlich siegreich hervorgingen, wurde 1559 der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen: Italien blieb unter spanischer Vorherrschaft, Frankreich musste sich aus der italienischen Politik zurückziehen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1520

1520: Luther übersetzte auf der Wartburg das Neue Testament ins Deutsche

1520: Bekannte reformatorische Schriften Luthers erscheinen
Im Jahre 1520 erschienen die bekannten lutherischen Schriften “An den christlichen Adel deutscher Nation”, “Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche” und “Von der Freiheit eines Christenmenschen”. Sie werden vielfach als die lutherischen Hauptschriften bezeichnet.

Die Schrift “An den christlichen Adel deutscher Nation” fordert eine umfassende Reform der Kirche. Luther zählt die Missstände der Kirche auf, distanziert sich deutlich vom Papst, ruft die Laien zur Tat auf, den Reformweg zu unterstützen und sich aktiv am Kirchenleben zu beteiligen.

Die in lateinischer Sprache verfasste “Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirchel” rechnet mit den Sakramenten ab: Priesterweihe, Firmung und Letzte Ölung lehnte er grundsätzlich ab, die Ehe sah er nicht als Sakrament, wenngleich sie Gottes Unterstützung genieße. Lediglich Abendmahl und Taufe sowie z.T. auch die Buße erkannte er als biblisch begründete Sakramente an.

“Von der Freiheit eines Christenmenschen” erschien interessanterweise mit einem Sendschreiben des Papstes Leo X. Luther fasst darin seine Ansichten zur Rechtfertigungstheologie zusammen.

ab 1520: Entstehung der Violine
Die Violine, wie sie heute bekannt ist, wurde ab den 1520er Jahren in Oberitalien entwickelt. Nach und nach entstand die gesamte “Violinfamilie”, so z.B. das Violincello oder die Viola.

1520-1560: Adrian Willaert / Venezianische Schule (Musikepoche Renaissance)
Siehe: seit dem 15. Jahrhundert: Epoche der Musikgeschichte: Renaissance

 

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