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Chronik: 17. Jahrhundert – 1661

1661: Jean-Baptiste Lully und die erste Ballett-Komödie (Comédie-Ballet)
Lully, geboren 1632 in Italien, kam um 1645 als Kind nach Paris: Bei Anne Marie Louise, der Prinzessin von Orléans, wird er als Dienstjunge für allerlei Dinge genutzt, u.a. für die musikalische Unterhaltung. Er spielte in ihrem Orchester, nahm neben Musik- auch Ballettunterricht. Er kam in Kontakt mit dem französischen König Ludwig, dem späteren „Sonnenkönig“ und Neffen der Prinzessin, als dieser noch unmündig war und seine Mutter Anna von Österreich und Kardinal Jules Mazarin die Regentschaft innehatten. Weiterlesen

Chronik: 17. Jahrhundert – 1639

1639: Erste Oper von Francesco Cavalli
Francesco Cavalli zählt mit Claudio Monteverdi und Antonio Cesti zu den großen Opernkomponisten des 17. Jahrhunderts. Geboren als Pier Francesco Caletti-Bruni 1602 in Crema (Lombardei, Italien) wirkte er fast zeitlebens in Venedig. Er war zunächst Organist in der Kirche Santi Giovanni e Paolo, ab 1639 dann zweiter Organist in der Markuskirche.

Großes Interesse zeigte er schon früh für das öffentliche Schauspiel, das nicht mehr den großen Höfen und seinem Publikum vorbehalten blieb. Und so schrieb er seine erste Oper “ Le Nozze di Teti e di Peleo“ auch für das Teatro San Cassiano, das als erstes öffentliches Opernhaus der Welt gilt (1637 eröffnet). 40 weitere Opern sollten folgen, u.a. Giasone, Cavallis schon damals bekannteste und beliebteste Oper.

Später wandte sich der Komponist übrigens verstärkt der religiösen Vokalmusik zu.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1500

Raffael: Schule von Athen, 1509–1510, Stanza della Segnatura, Vatikanstaat

Raffael: Schule von Athen, 1509–1510, Stanza della Segnatura, Vatikanstaat

seit dem 15. Jahrhundert: Renaissance (Kulturepoche)
In der Epoche der Renaissance (frz., “Wiedergeburt”) wurden die antike Kunst, Philosophie und Literatur neubelebt, “wiedergeboren”. Doch es war keine reine Wiederentdeckung. Das Alte wurde eingebunden in die Realitäten des 15. und 16. Jahrhunderts und v. a. weiterentwickelt – von Menschen, die sich als Individuen betrachteten, als wirkende Kräfte, als Schöpfer eigener Dinge.

zum Artikel „Die Renaissance“

seit dem 15. Jahrhundert: Epoche der Musikgeschichte: Renaissance
Knapp 200 Jahre dauerte die musikalische Renaissance, von ca. 1420 bis 1600. Musikalisch glich sie viele nationale Eigenheiten der einzelnen Musiken Europas aus. Ende des 16. Jahrhunderts bestanden zwischen dem volkstümlichen England, dem polyphonen Frankreich und dem gesanglichen Italien mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

zum Artikel „Die Musik der Renaissance“

seit 1486: Maximilian I. (römisch-deutscher König)
Maximilian I., der im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein Regent war, der Probleme aktiv anging, wurde 1508  zum Kaiser gekrönt („Erwählter Römischer Kaiser“).

seit 1495: Ewiger Landfrieden
Der Ewige Landfrieden gilt in der deutschen Rechtsgeschichte als eines der bedeutendsten Bestimmungen oder Wendepunkte um 1500. Er bestimmte, dass über Rechtsbrüche Gerichte entscheiden sollten. Das Mittel der Fehde, also eine Art Selbstjustiz bei einem Rechtsbruch, wurde verboten. Das Gewaltmonopol ging damit in die „öffentliche Hand“ über. (Gotthard: Das Alte Reich, 5. Aufl., 2013, S. 33) Dazu wurde, ebenfalls auf dem Wormser Reichstag von 1495, noch das Reichskammergericht „installiert“, das eben die Fälle eines Rechtsbruchs behandeln sollte – es war „die erste selbständige Reichsbehörde“ (Diwald: 1400-1555, Anspruch auf Mündigkeit, Propyläen Geschichte Europas, 1999, S. 314).

Wenngleich der Ewige Landfriede recht klar formuliert war, sollte es teilweise noch einige Jahrzehnte dauern, bis er sich überall durchgesetzt hatte. Einzelne Kriege zeigten zudem auf, dass weitere Maßnahmen zur Durchsetzung eines solchen inneren Friedens notwendig waren.

1500-1502: Nürnberger Reichsregiment
Einige Stände im Heiligen Römischen Reich versuchten mehrmals im 16. Jahrhundert, dauerhaft ein so genanntes Reichsregiment zu schaffen. Dieses sollte das Reich nach außen und im Innern stärken, gemeinsame Intreressen vertreten, Frieden und Einheit schaffen. Das hätte die Regierungsmacht des römisch-deutschen Königs deutlich eingeschränkt, weshalb sich Maximilian I. auch dagegen sträubte. Doch nicht nur daran scheiterte die Idee eines Reichsregiment: Etliche Reichsstände sahen in einer Ständeregierung ebenso eine Bedrohung ihrer Freiheiten wie in der Macht des Königs. Zudem sträubten sie sich gegen eine aktive Mitarbeit. (S. Gotthard: Das Alte Reich, 2013, S. 34)

Chronik: 16. Jahrhundert – 1527

1527: Johann von Sachsen: Instruktion zur Kirchenvisitation / Melanchthon: Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn
Auf Anraten von Martin Luther erließ der sächsische Kurfürst Johann eine Instruktion zur Durchführung der sogenannten Visitation: Die Visitation war eine regelmäßige Begutachtung der einzelnen Pfarreien durch Aufsichtspersonen. Diese hatten vornehmlich zu untersuchen, ob die protestantische Lehre richtig umgesetzt wurde. Allerdings sollten auch „das Kirchengut, die Besoldung der Pfarrer und die öffentliche Sittlichkeit“ (Iserloh 1980, S. 78) begutachtet werden. Die Visitation 1527/28 war die erste protestantische Visitation im Reich. 1528 erstellte Philipp Melanchthon eine Anleitung zur Visitation – „Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn“ -, die auch nachfolgende Visitationen mitprägte.

1527: Gründung der Universität Marburg
Landgraf Philipp von Hessen („der Großmütige“), der ein Jahr zuvor die Reformation einführte, gründete 1527 die Universität Marburg, die auch zur Ausbildung der Pfarrer und Beamte Hessens dienen sollte. Sie war die erste protestantische Universität. Ihr folgen sollten 1544 die Universität in Königsberg (Preußen), 1558 Jena, 1576 Helmstedt, 1607 Gießen und 1621 Rinteln an der Weser. (Klueting 2007, S. 206)

1527: Der Zürcher Täufer Felix Manz wird ertränkt
Vielen Anhängern ging die Reformation in Zürich nicht schnell genug bzw. war nicht konsequent genug. Sie verlangten u.a. die sofortige Abschaffung der Kindstaufe und die Einführung der Erwachsenen- oder Gläubigentaufe. Erste Täufergemeinden entstanden und der Streit eskalierte bereist 1524/25. Anfang 1527 wurde einer der Wortführer, der Täufer Felix Manz, vom Zürcher Stadtrat zum Tod durch Ertränken verurteilt.

1527: Michael Sattler und die Anfänge des Täufertums / Schleitheimer Artikel

1527: Adrian Willaert wird Kapellmeister in Venedig
Der niederländische Komponist wurde 1527 als Kapellmeister an die Markuskirche in Venedig berufen. Diese Anstellung besaß in dieser Zeit ein sehr hohes Ansehen – es war „das höchste Amt, das Europas Musikleben in damaliger Zeit wohl zu vergeben hatte“, schreibt Kurt Pahlen in seiner „Großen Geschichte der Musik“ (überarb. Neuauflage, München 2002).

Willaert nutzte die große Kirche, um mit den zwei Orgeln und jeweils eine Gruppe Sänger und Instrumentalisten an jeder Orgel ein derartiges Zusammen- und Wechselspiel der Mehrstimmigkeit zu schaffen, wie sie zuvor wohl kaum zu hören war. (Die Entwicklung der Polyphonie gilt als eines der konstituierenden Merkmale der Renaissance.) Seine „fortschrittlichen“ und wegweisenden Werke (viele Motetten, Messen und Madrigale, aber auch Instrumentalstücke) erlangten einen für damalige Verhältnisse große Berühmtheit.