Beiträge

Chronik: 16. Jahrhundert – 1521

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557. Bildaufschrift: Intitulentur libri (Die Bücher sollen bei ihren Titeln genannt werden). Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen. Wikimedia Commons / Quelle: ?, Urheber: ?

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557. Bildaufschrift: Intitulentur libri (Die Bücher sollen bei ihren Titeln genannt werden). Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen. Wikimedia Commons / Quelle: ?, Urheber: ?

1521: Reichstag zu Worms / Wormser Edikt: Politische Entscheidungen und Ächtung Luthers
Der Reichstag dauerte vom 27. Januar bis zum 26. Mai 1521. Einige wegweisende Entscheidungen wurden hier getroffen, wie z.B. die Reichsmatrikel und die Errichtung eines Reichsregiment. Die Reichsmatrikel legte fest, wieviel Truppen und finanzielle Leistungen die einzelnen Reichsstände zu stellen bzw. zu leisten hatten. Das Reichsregiment gab es bereits von 1495 bis 1502, nun noch einmal von 1521 bis 1531. Es war ein politisches Gegengewicht zum Kaiser, das aus Vertretern der Reichsstände bestand und in der sich abzeichnenden Abwesenheit des Kaisers vom Reich die politischen Geschicke lenken sollte.

Ein weiterer Teil des Reichstags waren aber auch die Geschehnisse rund um die Rolle der Kirche und deren Vertreter. Die Beschwerden gegen den Papst und die römische Kurie (auch Gravamina der deutschen Nation genannt) weiteten sich auf dem Wormser Reichstag auf die Zustände im Reich aus, wobei es um das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht ging.

Inmitten dieses Klima des Misstrauens und teilweise auch der Missgunst gegenüber der Kirche erschien nun auch noch Martin Luther auf dem Reichstag. Er war kurz vor dem Reichstag endgültig zum Ketzer erklärt worden – und der Kaiser wusste davon. Luther hoffte auf ein Entgegenkommen des mit 21 Jahren sehr jungen Kaisers Karl V., schrieb ihm gar einen persönlichen Brief, doch Karl hatte für sein Anliegen kein Ohr. Es war schwer genug, die Einheit des Reiches zu wahren, da kam eine Zerrissenheit der Kirche ungelegen. Karl neigte stark zur Verhängung der Reichsacht.

Doch nach einigem Hin und Her berief der Kaiser Martin Luther zur Anhörung. Dazu war er einerseits aufgrund seiner Wahlkapitulation von 1519 genötigt, die allen Beschuldigten vor der Verhängung der Reichsacht ein Anhörungsrecht zusicherte. (Schnabel-Schüle, 2006, S. 102) Andererseits hatte Karl V. natürlich die antirömische Stimmung im Reich mitbekommen und wusste von den positiven Reaktionen auf das Wirken Luthers. So galt es, Rücksicht und Vorsicht auf die Befindlichkeiten der Reichsstände zu nehmen, ihre Unterstützung, die Karl dringend benötigte (v.a. Finanzen für seine Kriege), nicht aufs Spiel zu setzen.

Am ersten Tag der Vorladung sollte Luther schlicht die Thesen seiner Bücher widerrufen. Er wirkte kleinlaut und war sicherlich enttäuscht, dass der Kaiser nichts Weiteres hören wollte. Am zweiten Tag holte Luther jedoch aus und beeindruckte mit seiner souveränen Rechtfertigung seiner Lehren viele Anwesenden – und wohl auch etwas den Kaiser. Denn der schrieb noch am selben Tag ein eigenes Bekenntnis zum katholischen Glauben. (Schilling, 2012, S. 224 f.)

Auf Drängen der Stände räumte Karl V. Luther noch eine Frist ein, während der man Luther zum Kompromiss überreden wollte. Vergebens. Während das Edikt zur Reichsacht (Wormser Edikt) gegen Luther ausgefertigt wurde, wurde ihm freies Geleit für seine Rückkehr nach Wittenberg zugesichert. Da befürchtet wurde, dass er trotzdem gefangen genommen werden könnte, inszenierten Beauftragte seines sächsischen Landesherrn, Friedrich III., eine Entführung – die berühmte Entführung auf die Wartburg.

Im Übrigen wusste Karl V. von der „Entführung“, als er am 26 Mai 1521 das Edikt unterschrieb. „Karl wusste also, (…) dass er faktisch nur die Verbrennung von Luthers Büchern verfügte, nicht aber dessen Leben in Gefahr brachte.“ Vielleicht bestand auch ein Vereinbarung zwischen dem Habsburger und Kursachsen. (Schiller, 2012, S. 232)

Das Wormser Edikt galt im Übrigen auch für die Anhänger Luthers: Seine Schriften durften weder gekauft und gelesen noch gedruckt, abgeschrieben und verkauft werden. Wer das tue, zog ebenfalls die Ächtung auf sich. Über die Gültigkeit des Edikts gab es durchaus Diskussionen, da es nicht in den Reichstagsabschied mitaufgenommen wurde. (Iserloh 1980, S. 42) Die Umsetzung des Edikts wurde 1526 den Ständen überlassen, d.h. in einigen Ländern des Reichs faktisch aufgehoben. Die Reformation konnte in diesen Ländern weiter voran getrieben werden (siehe „1526 und 1529: Reichstage zu Speyer: ‚Fürstenreformation'“).

1521 und 1522: Wormser Vertrag und Vertrag von Brüssel
Die beiden Verträge regelten die territorialen Machtansprüche Kaiser Karls V. und seines Bruders Ferdinand I. Ferdinand erhielt von Karl die österreichischen Lande sowie Württemberg. Fortan gibt es die spanisch-niederländische und die deutsch-österreichische Linie des Hauses Habsburg. Endgültig wird diese Teilung 1556, als Karl V. abdankte und seinem Sohn Philipp II. die spanischen Lande, Ferdinand I. das Kaisertum übergibt.

1521: Luthers Wartburgpostille
Im Sommer 1521 veröffentlichte Martin Luther seine Sammlung deutschsprachiger Musterpredigten, die später als Wartburgpostille bezeichnet wurde. Die Texte fanden großen Anklang und „sollten zusammen mit der Lutherbibel über die Generationen hinweg die Kultur des deutschen Protestantismus prägen“ (Schilling, 2012, S. 267). (Zur Lutherbibel siehe: 1534: Die vollständige Lutherbibel erscheint!)

1521: Thomas Müntzer flieht aus Zwickau
Thomas Müntzer, Pfarrer in Zwickau, wurde seines Amtes enthoben und musste aus der Stadt fliehen. Die Gründe lagen in den Streitigkeiten mit dem Franziskanerorden und dem Rat der Stadt Zwickau, der ihn des Aufruhrs beschuldigte. Die Stelle in Zwickau erhielt Müntzer wohl noch auf Empfehlung Luthers. Müntzers Weg führte nach Prag.

1521: Prager Manifest von Thomas Müntzer
In dem Manifest formulierte der Reformator und frühere Anhänger Luthers seine theologischen Grundgedanken. Diese ließen sich in Prag jedoch nicht durchsetzen, woraufhin er 1523 nach Allstedt ging. Hier fanden seine Ideen große Anerkennung.

1521: Luthers Schriften zum Gelübde von Mönchen
Im September bzw. im November verfasste Martin Luther zwei Schriften, in denen er seine Positionen zum Gelübde von Mönchen darlegte: „Themata de votis“ und „De votis monasticis iudicium“. Zu dieser Zeit stand Luther selbst noch zu seinem Mönchsdasein. Und es ging ihm in den Schriften auch nicht darum, Gelübde generell abzuschaffen und Mönche und Nonnen zum Austritt zu bewegen – wenngleich es nach Luther in der erneuerten Kirche kein Mönchtum mehr geben sollte.

Während andere Reformatoren, wie z.B. Karlstadt oder Melanchthon, von den Schwierigkeiten oder der Unmöglichkeit aus argumentierten, solche Gelübde überhaupt einzuhalten, ging Luther von der Unterscheidung gottgefälliger und gottloser Gelübde aus. Gottlos sei ein Gelübde dann, wenn man es deswegen leiste oder geleistet habe, um „Gerechtigkeit vor Gott zu erlangen“ (Lohse, 1995, S. 157). Geschehe es allerdings in Einklang mit der Freiheit eines Christenmenschen, dann sei es in Ordnung. Insgesamt aber sind in Luthers Augen Gelübde mit Vorsicht zu betrachten, da sie in der Heiligen Schrift keine Erwähnung finden.

1521: Wittenberger Unruhen
Während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg kam es in Wittenberg zu einem Streit, wie weit die theologischen Veränderungen oder Neuerungen gehen sollten. Einigen gingen die bisherigen Reformen nicht weit genug, v.a. was das Zölibat und die Messe betraf. Luther kehrte schließlich nach Wittenberg zurück und forderte in seinen berühmten Invokavitpredigten, dass die Bevölkerung nicht durch zu radikale Änderungen verunsichert werden sollte. Aufgrund des Streits kam es zum Bruch zwischen Luther und dem Reformator Karlstadt (eigtl. Andreas Rudolf Bodenstein, 1480-1541).

1521: Heinrich VIII.: Assertio septem sacramentorum
Mit dieser Schrift wandte sich der englische König Heinrich VIII. kämpferisch gegen Luthers Schrift “Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“. Daraufhin wurde er von Papst Leo X. mit dem Titel „Verteidiger  des Glaubens“ („Defensor Fidei“) ausgezeichnet. Später wurde gegen ihn der Kirchenbann ausgesprochen (s. 1534: Suprematsakte).

1521-1559: Kriege und Konflikte zwischen den Habsburgern und Frankreich um Italien
Die Kämpfe, jeweils mit unterschiedlichen Bundesgenossen, drehten sich hauptsächlich um die Vorherrschaft in Italien. Der Norden stand nach verschiedenen Auseinandersetzungen unter französischer, der Süden unter habsburgisch-spanischer Herrschaft. Kaiser Karl V. suchte danach, sein Herrschaftsgebiet Richtung Norden auszuweiten. Es kam zu folgenden Konflikten:

  • 1521-26: Sieg Karls V., Friede von Mailand mit dem Verzicht des französischen Königs Franz I. auf Italien;
  • 1526-29: Franz I. verwarf den Vertrag von Mailand, es kam zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen. Karl V. und seine Heere gewannen abermals und im Damenfrieden von Cambrai verzichtete der französische König erneut auf Italien;
  • 1536-38: Der am Ende des Krieges ausgefertigte Friede von Nizza bestätigte die Herrschaft Karls V. über ganz Italien;
  • 1542-44: Zusammen mit den Osmanen startete Franz I. einen erneuten Versuch, Italien zu erobern. Die Auseinandersetzungen zwischen diesen Truppen und denen Karls V. fanden fast ausschließlich außerhalb Italiens statt. Der Freide von Crépy bestätigte die Vorherrschaft Karls V. in Italien.
  • Nach weiteren Kriegen zwischen Karl V. und Heinrich II. (dem französischen Nachfolger Franz I.) bzw. Philipp II. (Nachfolger Karls V. auf der spanischen Linie der Habsburger), aus denen die Spanier letztendlich siegreich hervorgingen, wurde 1559 der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen: Italien blieb unter spanischer Vorherrschaft, Frankreich musste sich aus der italienischen Politik zurückziehen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1520

1520: Luther übersetzte auf der Wartburg das Neue Testament ins Deutsche

1520: Bekannte reformatorische Schriften Luthers erscheinen
Im Jahre 1520 erschienen die bekannten lutherischen Schriften „An den christlichen Adel deutscher Nation“, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Sie werden vielfach als die lutherischen Hauptschriften bezeichnet.

Die Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ fordert eine umfassende Reform der Kirche. Luther zählt die Missstände der Kirche auf, distanziert sich deutlich vom Papst, ruft die Laien zur Tat auf, den Reformweg zu unterstützen und sich aktiv am Kirchenleben zu beteiligen.

Die in lateinischer Sprache verfasste „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirchel“ rechnet mit den Sakramenten ab: Priesterweihe, Firmung und Letzte Ölung lehnte er grundsätzlich ab, die Ehe sah er nicht als Sakrament, wenngleich sie Gottes Unterstützung genieße. Lediglich Abendmahl und Taufe sowie z.T. auch die Buße erkannte er als biblisch begründete Sakramente an.

„Von der Freiheit eines Christenmenschen“ erschien interessanterweise mit einem Sendschreiben des Papstes Leo X. Luther fasst darin seine Ansichten zur Rechtfertigungstheologie zusammen.

ab 1520: Entstehung der Violine
Die Violine, wie sie heute bekannt ist, wurde ab den 1520er Jahren in Oberitalien entwickelt. Nach und nach entstand die gesamte „Violinfamilie“, so z.B. das Violincello oder die Viola.

1520-1560: Adrian Willaert / Venezianische Schule (Musikepoche Renaissance)
Siehe: seit dem 15. Jahrhundert: Epoche der Musikgeschichte: Renaissance

 

Chronik: 16. Jahrhundert – 1519

1519: Wahl Karl V. (1500-1558) zum König des Heiligen Römischen Reiches
Geboren in Gent am 24.02.1500, gestorben am 21.09.1558 in San Gerónimo de Yuste; König von Spanien (1516-56), Römischer König (1519-56), Kaiser (1530-56)

1519: Herzog Ulrich von Württemberg marschiert in Reutlingen ein
Nach der Ermordung des Burgvogts in Reutlingen, marschierte der württembergische Herzog Ulrich in die Stadt ein, musste jedoch nach dem Eingreifen des Schwäbischen Bundes wieder fortziehen.

1519: Leipziger Disputation
1519 fand in Leipzig ein theologisches Streitgespräch zwischen Martin Luther und dem katholischen Theologen Johannes Eck statt. Hierbei ging es allerdings kaum noch um die Ablasspraxis. Vielmehr rückte verstärkt die Kirchenlehre in den Mittelpunkt: die Frage, inwieweit die Stellung des Papstes gerechtfertigt sei. Johannes Eck brachte Luther dazu, einzelnen Aussagen des als Ketzer verbrannten Jan Hus zuzustimmen sowie die Unfehlbarkeit der Konzilien in Frage zu stellen.

1519: Zwingli in Zürich
Anfang 1519 trat Zwingli seine Stelle als Leutpriester in Zürich ein. In seinen Predigten ging er nicht nach der althergebrachten Leseordnung vor, bei der jeweils ein kleiner, bestimmter Abschnitt aus der Bibel vorgelesen wurde. Zwingli stellte die Auslegung eines ganzen Bibelbuchs in den Vordergrund.

1519: Judenpogrom in Regensburg
Im 15. und angehenden 16. Jahrhundert wurden Juden aus nahezu allen größeren Städten des Reiches vertrieben, so auch 1519 aus Regensburg. Hier hatten sich die Juden aufgrund kaiserlicher Anordnungen lange Zeit halten können, doch mit dem Wirken des Dompredigers Balthasar Hubmaier im Jahre 1516 begann auch hier eine Zeit des Hasses. 1519 war der Höhepunkt erreicht: Innerhalb einer Woche sollten sie die Stadt verlassen. Die Synagoge wurde zerstört.

1519-1521: Reiterkrieg zwischen dem Deutschen Orden und Polen
Der Deutsche Orden war ein Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge – mit einem eigenen Staat, dem Deutschordensstaat im Baltikum. Er versuchte sich unter der Führung von Albrecht von Brandenburg-Preußen, dem Hochmeisters des Ordens, militärisch aus der Abhängigkeit von Polen, die seit dem „Zweiten Thorner Frieden“ (1466) bestand, zu lösen. Die Feldzüge waren jedoch wenig erfolgreich, das Unternehemen scheiterte. Nach einem vierjährigen Waffenstillstand und dem Übertritt Albrechts auf die Seite Luthers wurde der Deutschordensstaat säkularisiert. Viele Ordensleute und auch der Papst erkannten dies nicht an.

1519-1522: Fernão de Magalhães (1480-1521) umsegelte als Erster die Welt, stirbt aber während der Reise

Chronik: 16. Jahrhundert – 1517

ab 1517: Thesenanschlag, Reformation und Konfessionalisierung
Die Reformation kann als eine durch Martin Luther ausgelöste Bewegung innerhalb der christlich-abendländischen Welt angesehen werden, die zur Aufspaltung der (alten) Kirche führte. Fortan gab es eine katholische, eine lutherische und eine reformierte Kirche.

zum Artikel „Thesenanschlag, Reformation und Konfessionalisierung“

1517: Trennung der Fransiskaner in zwei eigenständige Orden
Über viele Jahrzehnte hinweg gab es innerhalb des Franziskaner-Ordens Streitigkeiten über Art und Umfang des Armutsideals. Zwei „Richtungen“ oder Gruppen verfestigten sich: die Minderbrüder oder Konventualen, die das Armutsgebot weniger streng auslegten, und die Observanten, die ein Zurück zum alten Ideal der radikalen Armut anstrebten. Papst Leo X. erkannte in seiner Bulle „Ite et vos in vineam meam“ beide Gruppierungen als eigenständige Orden an. Die Observanten teilten sich später dann noch weiter auf, u.a. enstand daraus der Orden der Kapuziner (s. 1528: Papst Clemens VII. erkennt die Kapuziner als Orden an)

Hans von Gersdorff (ca. 1455 - 1529) "Feldbuch der Wundarzney“

Bild: Hans von Gersdorff (ca. 1455 – 1529) „Feldbuch der Wundarzney“, Uploader=Kuebi / Wikimedia Commons

1517: Hans von Gersdorff: Feldtbuch der Wundt Artzney
1517 wurde das Feldbuch des bekannten Wundarztes Gersdorff veröffentlicht. In diesem Buch (wie auch in verschiedenen anderen) zeigte sich das Bestreben, die chirurgischen Kenntnisse zu systematisieren. Die Illustrationen stammten wohl von Hans Wechtlin, so u.a. auch die vielleicht erste Abbildung einer Schädelöffnung. (Janzin/Güntner: Das Buch vom Buch, 3. Aufl., 2006, S. 163)

Chronik: 16. Jahrhundert – 1515

1515: Herzog Georg von Sachsen verkauft Friesland an die Habsburger
Im Mai verkaufte Herzog Georg von Sachsen („der Bärtige“) für 100.000 Rheinische Gulden Friesland an den Habsburger Karl von Burgund, dem späteren Kaiser Karl V. Noch 1504 ließ sich Georg als „ewiger Goubernator“ festschreiben und durch Statthalter in Friesland vertreten. 1514 zog er mit Truppen nach Friesland, um Aufstände niederzuschlagen, konnte sich jedoch nicht vollständig durchsetzen. Anschließend verkaufte er das Land.

1515: Hermann von Wied wird neuer Erzbischof von Köln
Der neue Erzbischof machte sich u.a. dadurch einen Namen, dass er 1540 in Köln die Reformation durchführte. Er wurde dafür vom Papst abgesetzt und exkommuniziert, erkannte diese Entscheidung jedoch nicht an. Als die Landstände, die zunächst hinter hermann und seiner Entscheidung standen, von Kaiser Karl V. gezwungen wurden, ihre Unterstützung aufzugeben, zog sich Hermann von Wied von seinen Ämtern und Vorhaben zurück.

um 1515: Josquin Desprez: Missa Pange lingua
Der franko-flämische Komponist und Sänger Josquin galt bereits zu Lebzeiten als der beste Komponist seiner Zeit – und auch in der modernen Musikgeschichtsschreibung fällt das Urteil ähnlich aus. Kunstvoll und mit großer Kenntnis der zeitgenössischen Stile und Regeln brach er dieselben und schuf so Neues. Er schrieb, neben ca. 100 Motetten, insgesamt 18 Messen, von denen „Missa Pange lingua“ mit die anspruchsvollste war. Sie umfasst Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei.