Tag Archiv für Russland

Chronik: 18. Jahrhundert – 1700

um 1700: Beginn der Aufklärung / Deutsche Frühaufklärung

1700: Ende der spanischen Linie der Habsburger: Tod Karls II.

1700: Gründung der Kurfürstlich-Brandenburgische Societät der Wissenschaften (Berliner Akademie der Wissenschaften)
In der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhunderts bildeten sich in Europa neue Wissens- und Forschungsstätten: die Akademien. Im Sinne der Aufklärung wurde hier praxisorientierter, für die Öffentlichkeit zugänglicher und von Stand, Grenze und Kofession unabhängiger als in den z.T. traditionell wirkenden Universitäten geforscht. Der erste Präsident der Kurfürstlich-Brandenburgische Societät war der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz.

1700: Kontraktat Kaiser Leopolds I.
Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg strebte eine Proklamation zum König und die Erhebung des Herzogtums Preußen zu einem Königreich an. Kaiser Leopold I. stimmte diesem Vorhaben in dem Kontraktat zu – gegen die Zusage, dass Friedrich den Kaiser in den Konflikten um das spanische Erbe militärisch unterstütze. Im Januar 1701 fand die Selbstkrönung in Königsberg statt.

1700: Corellis 12 Sonaten für Violine
Arcangelo Corelli, geboren 1653 in Fusignago (Italien / Provinz Ravenna), war anders als seine berühmten Musikkollegen der Barockzeit: Er veröffentlichte nur wenige Werke und versuchte sich nicht an großen Opern und Vokalwerken, sondern komponierte “lediglich” Instrumentalwerke – und galt trotzdem als ein ganz Großer seiner Zeit. Um 1675 kam er nach Rom und galt schon bald als einer der besten Violinisten und stieg rasch auf in hohe gesellschaftliche Kreise. Seine sechs (jeweils 12 Stücke umfassenden) Werkgruppen (op. 1 bis op. 6) umfassten Kirchen- und Kammersonaten und ganz am Ende (1714, posthum veröffentlicht) 12 Concerti grossi (op. 6). Mit seinen Werken für Violine schuf er nichts bahnbrechend Neues, fasste aber “eine lange Entwicklung der Violinmusik im 17. Jahrhundert gleichsam zusammen” und sollte die Violinmusik noch lange Jahrzehnte nach seinem Tod im Jahre 1713 beeinflussen.

1700-1721: Papst Clemens XI. (Lebensdaten: 1649-1721)

1700-1721: Großer Nordischer Krieg
Der Große Nordische Krieg war ein Krieg zwischen Dänemark, Polen (dessen König der sächsische Kurfürst August der Starke war) und Russland auf der einen und der schwedischen Großmacht auf der anderen Seite. Es ging um die Vormachtstellung im Ostseeraum. Der Schwedenkönig Karl XII. unterlag nach anfänglichen Erfolgen knapp. Schweden verlor seine Großmachtsstellung, Preußen und Russland stiegen zu den neuen, tonangebenden Machthabern des Nordens auf.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1721

1721: Hans Egede: Beginn der Grönland-Mission
Im Mai 1721 bricht, nach jahrelangem Zögern aus privaten Gründen, der evangelische Pfarrer Hans Egede (1686-1758) vom norwegischen Bergen aus nach Grönland auf, um die dort lebenden Menschen zu missionieren.

Johann Sebastian Bach im Alter von 61 Jahren, von Elias Gottlob Haussmann, Kopie oder Zweitversion seines Gemäldes von 1746, Privatbesitz von William H. Scheide, Princeton, New Jersey, USA / Wikipedia Commons

Johann Sebastian Bach im Alter von 61 Jahren, von Elias Gottlob Haussmann, Kopie oder Zweitversion seines Gemäldes von 1746, Privatbesitz von William H. Scheide, Princeton, New Jersey, USA / Wikipedia Commons

1721: Bach: Brandenburgische Konzerte
1721 sandte der Musiker und Komponist Johann Sebastian Bach (1685-1750) die Partitur von sechs Konzerten an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt. Die Konzerte waren keine Neukompositionen, sondern eine Zusammenstellung früherer Kompositionen. Bach selbst sah die Konzerte auch nicht als zusammengehörige Einheit – und auch der Titel “Brandenburgische Konzerte” stammte nicht von ihm, sondern wurde erst später festgelegt. Bach selbst nannte die sechs Werke “Six Concerts avec plusieurs instruments”.

Die sechs Konzerte waren keine Orchesterwerke, sondern standen irgendwo zwischen Orchester- und Kammermusik: “Die Verhältnisse in der Köthener Hofkapelle, deren Besetzung 2 Jahre vor Bachs Dienstantritt auf 17 Musiker erhöht worden war, deuten jedenfalls eher in Richtung Kammermusik.” (Reclams Konzertführer: Orchestermusik. 17., durchges. u. verb. Auflage, 2001, S. 56)

(AVROTOS Klassiek: web.avrotros.nl/cultuur/klassiek/; AVROTOS Klassiek bei Youtube: youtube.com/user/avroklassiek)

1721/1722: Georg Philipp Telemann in Hamburg
Der 1681 in Magdeburg geborene Musiker und Komponist Telemann studierte ab 1701 zunächst Jura in Leipzig. Doch nach einem Jahr schlug der schon als Kind musikalisch begabte Telemann eine musikalische Laufbahn ein. Er wurde Leiter des “Collegium musicum” der Universität Leipzig und danach Leiter des Opernhauses. Anschließend war er in Sorau, Eisenach und Frankfurt tätig, bis er 1721 schließlich nach Hamburg kam und dort zunächst Direktor der Kirchenmusik der fünf Hauptkirchen wurde.

1722 übernahm er zudem die Leitung der Hamburger Oper. Sein Eifer war den Stadtoberen nicht immer ganz geheuer – ebenso wie sein schon fast übermäßiges Komponieren der Musikgeschichtsschreibung im 19. Jahrhundert: Rund 120 Ouvertüren, 100 Konzerte, 250 kammermusikalische Werke, 1700 weltliche Kantaten, neun Opern und viele Werke für Klavier und Orgel (nach: Reclam Buch der Musik, 2011, S. 127; andere Werke nennen z.T. deutlich andere Zahlen). Oberflächlich seien seine Werke, v.a. im Vergleich zu denen seines Zeitgenossen Johann Sebastian Bach. Mittlerweile hat sich die Meinung über Telemanns Werke geändert: Seine Kompositionen werden allgemein als fortschrittlich angesehen, vorwegnehmend, was in den folgenden Jahrzehnten gang und gäbe werden sollte.

.1721-1724: Papst Innozenz XIII. (Lebensdaten: 1655-1721)

1721-1725: Peter I. der Große: Erster Kaiser des Russischen Reiches
Im Jahre 1721 ließ sich Peter I. der Große (richtiger Name: Pjotr Alexejewitsch Romanow, 1672-1725) zum russischen Kaiser ausrufen. Bis 1721 war er Zar und Großfürst von Russland. Peter der Große führte viele Reformen – teilweise auch gewaltsam – in seinem Reich durch, die sich vielfach an westlichen Vorbildern und Ideen orientierten.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1741

1741-1743: Krieg zwischen Schweden und Russland / Friede von Abo
In diesem Krieg versuchte Schweden seine Vormachtstellung an der Ostsee wiederherzustellen, die im Großen Nordischen Krieg verloren gegangen war. Mehrere Niederlagen der schwedischen Truppen sowie Konflikte (Bauernaufstände) im eigenen Land zwangen Schweden zum Friedensschluss von Abo, der gegenüber dem Vorkriegszustand weitere territoriale Verluste einbrachte.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1772

1772-1795: Die drei Teilungen Polens
Die Gleichgewichtspolitik der Großmächte fand in den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 einen ihrer Höhepunkte. Im Reich standen sich noch immer Preußen und Österreich gegenüber, Preußen mit dem immer stärker werdenden Partner Russland im Rücken, während sich Österreich gegen Russland mit den Osmanen verbündete. Um einen Krieg zu verhindern, bot Preußen einen Ausgleich an: die Aufteilung Polens unter Russland, Österreich und Preußen. Polen, innerlich und äußerlich geschwächt, wurde zum Spielball der Mächte und verschwand für über 100 Jahre von der europäischen Bildfläche.

Chronik: 17. Jahrhundert – 1655

1655-1667: Papst Alexander VIII. (Lebensdaten: 1599-1667)

1655-1660: Zweiter Nordischer Krieg / Vertrag von Königsberg / Vertrag von Lubia / Friede von Oliva
Im Zweiten Nordischen Krieg standen sich zunächst Schweden und Polen gegenüber, Russland griff kurze Zeit später in die Kriegshandlungen mit ein.

Der Krieg entzündete sich daran, dass der polnische König Johann II. Casimir Anspruch auf die schwedische Krone anmeldete. Daraufhin marschierte der schwedische König Karl X. in Polen ein, nahm Warschau und Lettland ein. Brandenburg, das bislang das Herzogtum Preußen als Lehen von Polen besaß, musste nun den schwedischen König Karl X. Gustav als Lehnsherrn annehmen (Vertrag von Königsberg). In der Folgezeit neigte sich das Machtgefüge etwas zu Ungunsten Schwedens: Von russischer, aber auch von polnischer Seite ging Gefahr aus. So war nun Karl X. Gustav seinerseits zu Zugeständnissen an Brandenburg bereit: Mit dem Vertrag von Labiau im November 1656 erhielt Brandenburg u.a. die volle Souveränität über Preußen.

1657 schließlich traten die Österreicher, Dänen und die Niederländer entschlossener an die Seite Polens, ein schwedisches Übergewicht im Norden Europas zu verhindern – und sogar Brandenburg wechselte die Fronten, nachdem Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg-Preußen im Vetrag von Wehlau seitens des polnischen Königs Johann Casimir die volle Souveränität zubilligte.

Beendet wurde der Krieg schließlich mit dem Frieden von Oliva im Jahre 1660.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1558

1558: Gründung der Universität Jena
Die bereits 1548 gegründete “Hohe Schule” in Jena erhielt zehn Jahre später durch Kaiser Ferdinand I. den Status einer Universität.

1558: Gründung der Bayerischen Staatsbibliothek
Im Jahre 1558 wird in München durch Herzog Albrecht V. die Münchner Hofbibliothek gegründet. Zwei aufgekaufte Sammlungen bildeten den Grundbestand: die Privatbibliothek des österreichischen Kanzlers und Orientalisten Johann Albrecht Widmannstetter und, 14 Jahre später, die Sammlung Johann Jakob Fuggers.

Belagerung von Pskov durch Stephen Báthory und seine Truppen,

Belagerung von Pskov durch Stephen Báthory und seine Truppen,
gezeichnet von Boris Chorikov (1836); Wikipedia Commons/Source/Photographer: www.pinakoteka.zascianek.pl
Permission: PD-Art

1558: Russland überfällt Livland (Livländischer Krieg)
Ivan IV. Wassiljewitsch (1530-1584), auch “der Schreckliche” genannt, überfiel mit seinen Truppen 1558 Livland. “Livland war um die Mitte des 16. Jahrhunderts ein wirtschaftlich blühendes, aber politisch außerordentlich brüchiges Gebilde: eine Föderation aus dem livländischen Zweig des Deutschen Ordens, dem Erzstift Riga, den Fürstbistümern Kurland, Dorpat und Ösel-Wieck sowie der Stadt Riga; die einzige gemeinsame Institution dieser Föderation war der livländische Landtag.” (Rabe: Reich und Glaubensspaltung, S. 306) Das reformierte Livland stand innen- und außenpolitisch also wenig gefestigt da und sah sich in seiner geografischen Lage zwischen Polen und Russland dauerhaft bedroht und ging daher verschiedene Bündnisse mit beiden Mächten ein.

Ein Vertrag mit Polen, der einem zuvor geschlossenen Vertrag mit Russland zuwiderlief, führte zu Ivans Einmarsch. Bis 1560 hatte Ivan große Teile Livlands eingenommen und eine Schreckensherrschaft errichtet. Hilferufe Livlands an die “alten” Partner im Heiligen Römischen Reich fanden zwar Resonanz, aber politisch oder militärisch trat Livland niemand zur Seite.

Insgesamt brachte das Vorgehen Ivans “die gesamte Ostseewelt in Bewegung und führte zu einer sich über sechs Jahrzehnte hinziehenden Auseinandersetzung, in der sich politische, wirtschaftliche und religiöse Interessen eng verknüpften.” Beteiligt an diesen Konflikten um das Baltikum waren Russland, Dänemark, Schweden und Polen. Hierzu gehörte auch der so genannte Dreikronenkrieg von 1563-1570.

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