Tag Archiv für Universitäten

Chronik: 16. Jahrhundert – 1527

1527: Johann von Sachsen: Instruktion zur Kirchenvisitation / Melanchthon: Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn
Auf Anraten von Martin Luther erließ der sächsische Kurfürst Johann eine Instruktion zur Durchführung der sogenannten Visitation: Die Visitation war eine regelmäßige Begutachtung der einzelnen Pfarreien durch Aufsichtspersonen. Diese hatten vornehmlich zu untersuchen, ob die protestantische Lehre richtig umgesetzt wurde. Allerdings sollten auch “das Kirchengut, die Besoldung der Pfarrer und die öffentliche Sittlichkeit” (Iserloh 1980, S. 78) begutachtet werden. Die Visitation 1527/28 war die erste protestantische Visitation im Reich. 1528 erstellte Philipp Melanchthon eine Anleitung zur Visitation – “Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn” -, die auch nachfolgende Visitationen mitprägte.

1527: Gründung der Universität Marburg
Landgraf Philipp von Hessen (“der Großmütige”), der ein Jahr zuvor die Reformation einführte, gründete 1527 die Universität Marburg, die auch zur Ausbildung der Pfarrer und Beamte Hessens dienen sollte. Sie war die erste protestantische Universität. Ihr folgen sollten 1544 die Universität in Königsberg (Preußen), 1558 Jena, 1576 Helmstedt, 1607 Gießen und 1621 Rinteln an der Weser. (Klueting 2007, S. 206)

1527: Der Zürcher Täufer Felix Manz wird ertränkt
Vielen Anhängern ging die Reformation in Zürich nicht schnell genug bzw. war nicht konsequent genug. Sie verlangten u.a. die sofortige Abschaffung der Kindstaufe und die Einführung der Erwachsenen- oder Gläubigentaufe. Erste Täufergemeinden entstanden und der Streit eskalierte bereist 1524/25. Anfang 1527 wurde einer der Wortführer, der Täufer Felix Manz, vom Zürcher Stadtrat zum Tod durch Ertränken verurteilt.

1527: Michael Sattler und die Anfänge des Täufertums / Schleitheimer Artikel

1527: Adrian Willaert wird Kapellmeister in Venedig
Der niederländische Komponist wurde 1527 als Kapellmeister an die Markuskirche in Venedig berufen. Diese Anstellung besaß in dieser Zeit ein sehr hohes Ansehen – es war “das höchste Amt, das Europas Musikleben in damaliger Zeit wohl zu vergeben hatte”, schreibt Kurt Pahlen in seiner “Großen Geschichte der Musik” (überarb. Neuauflage, München 2002).

Willaert nutzte die große Kirche, um mit den zwei Orgeln und jeweils eine Gruppe Sänger und Instrumentalisten an jeder Orgel ein derartiges Zusammen- und Wechselspiel der Mehrstimmigkeit zu schaffen, wie sie zuvor wohl kaum zu hören war. (Die Entwicklung der Polyphonie gilt als eines der konstituierenden Merkmale der Renaissance.) Seine “fortschrittlichen” und wegweisenden Werke (viele Motetten, Messen und Madrigale, aber auch Instrumentalstücke) erlangten einen für damalige Verhältnisse große Berühmtheit.

Chronik: 17. Jahrhundert – 1607

1607: Mannheim erhält von Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz die Stadtrechte

1607: Gründung der Ludwigsuniversität (Ludoviciana, heute Justus-Liebig-Universität) durch Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt

1607: Monteverdi: L’Orfeo – die erste Oper mit Ouvertüre
Der italienische Komponist Cluadio Monteverdi schrieb mehrere Opern – oder besser: Favola in musica, denn der Begriff “Oper” wird erst später geprägt und setzte sich nur langsam durch. (Harden: Epochen der Musikgeschichte, 2007, S. 139) Doch nur seine erste Oper ist vollständig erhalten: L’Orfeo. In dieses Werk baute Monteverdie einige Elemente ein, die für ähnliche zeitgenössische Stücke untypisch waren: In fünf Akten wechseln sich gesungene und instrumentale Passagen geschickt ab, die Musik unterstützte die dramatischen Texte, Sologesänge wurden instrumental begleitet (“Monodie”). Und es gab ein instrumentales Vorspiel: “die erste ‘Ouvertüre’ der Operngeschichte”. (Reclam Buch der Musik, 2001, S. 94)

Chronik: 17. Jahrhundert – 1614

1614: Fettmilch-Aufstand
Unter dem Fettmilch-Aufstand wird ein Bürgeraufstand von Frankfurter Bürger unter der Führung des Bäckers Vinzenz Fettmilch verstanden: Sie stürmten das Rathaus in Frankfurt a.M., setzten den bestehenden Rat ab und errichteten ein eigenes Regiment. Der Aufstand entzündete sich daran, dass der Rat nach Meinung der Aufständischen nicht konsequent genug gegen die Juden vorging, die ihrer Meinung nach Wucherer waren und daher vertrieben werden sollten. Nach der Eroberung des Rathauses machten sich die aufständischen Bürger an die Erstürmung des Ghettos, vertreiben die Juden aus Frankfurt und plünderten deren Häuser. Kaiser Matthias verhängte allerdings die Acht über Fettmilch und seine engsten Vertrauten. Sie wurden festgenommen und hingerichtet. Die vertribenen Juden kehrten zurück.

1614: Xantener Vertrag
(s. 1609-1614: Jülisch-klevischer Erbfolgekrieg)

1614: Gründung der Universität Groningen, eine der ältesten niderländischen Universitäten

Johann Valentin Andreae (1586-1642), Quelle: Wikimedia Commons / http://homepages.tesco.net/~eandcthomp/aaa.htm

Johann Valentin Andreae (1586-1642), Quelle: Wikimedia Commons / http://homepages.tesco.net/~eandcthomp/aaa.htm

1614, 1615 und 1616: Schriften der Rosenkreuzer
Drei Schriften erschienen in diesen Jahren, die als Beginn und Manifeste der Rosenkreuzer-Bewegung angesehen werden können: “Fama Fraternitatis” (1614), “Confessio fraternitatis R.C., Ad Eruditos Europae” (1615) und “Chymische Hochzeit Christiani Rosenkreutz, Anno 1459″ (1616). Als Autor oder zumindest als Mitautor dieser Schriften gilt der evangelische Theologe Johann Valentin Andreae (1586-1654).

In den Schriften wird ein gewisser Christian Rosenkreuz vorgestellt, der Initiator eines Ordens gewesen sein soll. Die tatsächliche Existenz beider, Rosenkreuz’ und des Ordens, ist historisch nicht belegt, wurde jedoch von Zeitgenossen als gegeben angesehen: In dem von Rosenkreuz gegründeten Geheimbund könne man “alchemistische oder gar magische Künste erlernen”. (Lamprecht: Neue Rosenkreuzer, 2004, S. 298) Die drei Schriften erreichten eine große Aufmerksamkeit, sorgten für Verwirrung, da immer wieder Nachrichten vom Auftauchen verschiedener Personen, die dem Orden angehören würden, auftauchten. Historisch greifbar wird ein Rosenkreuzer-Orden allerdings erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1779

1779: Erster Lehrstuhl für Pädagogik
Der erste deutsche Lehrstuhl für Pädagogik wurde an der Universität Halle eingerichtet. Dorthin berufen wurde Ernst Christian Trapp (1745-1818).

1779: Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise

Chronik: 18. Jahrhundert – 1780

1780: Frankreich: Abschaffung der Folter

1780: Luigi Galvani: Muskelkontraktionen durch elektrischen Strom (Galvanismus)

1780: Die älteste Zeitung der Schweiz, die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), erscheint zum ersten Mal

1780: Gründung der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster

Chronik: 16. Jahrhundert – 1582

Porträt Papst Gregors XIII. von der italienischen Malerin Lavinia Fontana; Quelle Wikimedia Commons / Source Unknown

Porträt Papst Gregors XIII. von der italienischen Malerin Lavinia Fontana; Quelle Wikimedia Commons / Source Unknown

1582: Einführung des Gregorianischen Kalenders
Am 24. Februar 1582 verkündete Papst Gregor XIII. (1502-1585) mit seiner Bulle “Inter gravissimas” eine Kalenderreform. Sie war vonnöten geworden, da nach dem bis dahin gültigen julianischen (nach Julius Cäsar) Kalender das Jahr 365 Tage und 6 Stunden dauerte, nach neueren Berechnungen hingegen über 11 Minuten länger. Die Kalenderreform sah daher einen Nachholbedarf von 10 vollen Tagen: Nach dem 4. sollte direkt der 15. Oktober 1582 folgen, was in den katholischen Territorien des Reiches und den katholischen Staaten Italien, Spanien, Portugal und Frankreich umgesetzt wurde.

Um zudem künftige Ungenauigkeiten zu vermeiden, sah die Kalenderreform zudem eine recht komplizierte Regelung der Schaltjahre vor, die bis heute gilt: Weiterhin gab es, wie schon im julianischen Kalender, alle vier Jahre ein Schaltjahr, nicht jedoch, und das war neu, in den Jahren, die nicht durch 400 teilbar sind: 1700, 1800, 1900, 2100 etc.

Die evangelischen Länder hingegen blieben noch lange beim alten Kalender – fast ausschließlich wegen der Herkunft der Reform. (S. Burkhardt: Frühe Neuzeit, 3. Aufl., 1985, S. 108)

1582: Gründung der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg

1582: Gründung der Kamillianer-Gemeinschaft (später Kamillianer-Orden)
1582 gründete ein Laienbruder der Kapuziner, Camillo de Lellis (1550-1614) die Gemeinschaft der Kamillianer. Im gleichen Jahr begann er zudem ein Lateinstudium bei den Jesuiten und wurde 1584 zum Priester geweiht. Zwei Jahre darauf wurde seine Gemeinschaft, die sich vornehmlich der Krankenpflege und -seelsorge widmete, von Papst Sixtus V. anerkannt, 1591 schließlich von Gregor XIV. zum Bettelorden ernannt. Der Orden besteht heute noch.

um 1582: William Byrd: Great Service
“Great Service” ist eine bedeutendes Werk des englischen Komponisten und Organisten William Byrd für zwei fünfstimmige Chöre, die in englischer Sprache sieben verschiedene Sätze für die anglikanische Liturgie erklingen lassen. (John Burows: Klassische Musik, 2006, S. 69)

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