Tag Archiv für Westfälischer Friede

Chronik: 17. Jahrhundert – 1648

1648: Westfälischer Friede
Der Westfälische Friede bestand aus den Friedensschlüssen von Münster (zwischen Frankreich und dem Kaiser) und Osnabrück (zwischen Schweden und dem Kaiser). Hinzu kam ein Sonder-Friedensvertrag, der die Unabhängigkeit der Niederlande von Spanien festschrieb.

Bereits 1641 legte der Kaiser die Städte Münster und Osnabrück als Orte für anstehende Friedensverhandlungen fest, 1643/44 trafen die ersten Gesandten ein. Als Vermittler für die Absprachen unter den katholischen Teilnehmern und Mächten wurde der päpstliche Nuntius in Köln, Fabio Chighi, der spätere Papst Alexander VII., berufen. Zur Seite wurde ihm der venezianische Diplomat Alvise Contarini, der für die Kontakte zur protestantischen Seite stand.

Die Friedensverhandlungen sollten ein großes Ereignis werden, wenn man sich allein die Zahlen der Anwesenden ansieht: Allein die zwei französischen Gesandten brachten über 350 Begleiter mit, die schwedische Delegation umfasste über 160 Personen, aus dem Reich kamen allein “über zweihundert Diplomaten”. (Nach Lahrkamp: Dreißigjähriger Krieg – Westfälischer Frieden, 3. Aufl., 1999, S. 240 ff.)

Die eigentlichen Verhandlungen dauerten schleißlich 4 Jahre, von 1644 bis 1648.

Innerhalb des Reichs kam es zu einer deutlichen Stärkung der Reichsstände gegenüber dem Kaiser. Sie konnten von nun an fast wie eigene Staatsgewalten handeln, sowohl innen- als auch außenpolitisch.

Der Westfälische Frieden regelte zudem die konfessionellen Angelegenheiten innerhalb des Reiches: Der Konfessionsstand sollte unverändert bleiben und nicht, je nach Bekenntnis des Landesherrn, wechseln. Als Stichdatum wurde der 1. Januar 1624 festgelegt, der auch den konfessionellen Besitzstand betraf.

Frankreich und Schweden gingen gestärkt aus dem Krieg hervor: Zwar waren die Gebiete, die Frankreich zugesprochen wurden, relativ klein, jedoch strategisch wertvoll gelegen. Dadurch konnte das Land machtpolitisch Spanien überholen. Schweden entwickelte sich zu einer Großmacht – einzelne Territorien des Reichs gingen an dieses Land, z.B. das Erzbistum Bremen und das Bistum Verden. Dadurch besaßen schwedische Vertreter gar Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht im deutschen Reichstag.

ab 1648: Absolutismus
“L’État c’est moi” – diese Worte hat wohl jeder schon einmal gehört – zumindest im Geschichtsunterricht. Ausgesprochen hatte sie angeblich der Sonnenkönig Ludwig XIV. Dieser war seit seinem vierten Lebensjahr (1643) König in Frankreich, ab 1661 alleiniger Herrscher. Wenngleich er diesen Satz wahrscheinlich nicht selbst sagte, zeigen die Worte doch den Grundtenor einer absolutistischen Herrschaft an: Ich, der König, bin der Staat, ich bestimme, was Gesetz wird und wie dieses zu verstehen ist, ich erkenne nur Gott als Autorität an, und nicht Stände, Kirche oder sonstige Mächte – und: Widerstand ist nicht erwünscht.

Der absolute Herrscher stand also im Zentrum der Macht, schaltete weitgehend andere Gewalten aus. Ob es einen solchen Typus des absolutistischen Herrschers in Gänze je gegeben hat, ist historisch nicht belegt. Als Prototyp wird eben der genannte Ludwig XIV. genannt, der eigene Gesetzeswerke schuf und dadurch die eigentlichen gesetzgebenden Instanzen ausschaltete. Er suchte den Adel zu entmachten, ihren Einfluss zu nehmen, indem er ihn an den königlichen Hof zog, versehen mit für den König kontrollierbaren Aufgaben. Eine einheitliche Konfession sollte jeglichem Eindruck geteilter Machtverhältnisse entgegenwirken. Dafür wurde beispielsweise die Minderheit der Hugenotten bekämpft, indem sie in die “alte” Kirche zurück gedrängt werden sollten. Viele flohen aus Frankreich, trotz Auswanderungsverbot. (Siehe: 1685: Edikt von Fontainebleau: Flucht vieler Hugenotten aus Frankreich)

Das Militär wurde einer deutlichen Disziplinierung unterzogen: “Uniformierung, Kasernierung, Exerzieren” (Burkhardt, Johannes: Frühe Neuzeit, 1985, S. 190), das Heer deutlich vergrößert. Die Kosten dafür sollten durch eine staatliche “Wirtschaftspolitik” (ein Begriff, der nicht in heutigem Sinne zu verstehen ist) aufgebracht werden: Der Merkantlismus war geboren, wenngleich der Begriff dafür erst sehr viel später geprägt worden ist. Grob erklärt ist unter Merkantilismus die Vorstellung zu verstehen, dass die Wirtschaft zentral, also vom Staat vorangetrieben wurde, und dieser Staat wie ein Kaufmann handelte: Ausgehend von dem Prinzip, dass der Reichtum der gesamten Welt immer gleich ist und nur durch Umverteilung ein Staat reicher sein kann als der andere, galt es, möglichst mehr Waren ins Ausland zu verkaufen als einzuführen. Der eigene Geldbestand sollte durch diese “aktive Handelsbilanz” vermehrt werden. (Burkhardt, Johannes: Frühe Neuzeit, 1985, S. 190).

Doch auch die Macht des Sonnenkönigs war nicht absolut: Auch er musste weiterhin Rücksicht nehmen auf die alten Eliten und Kompromisse finden. Aus diesem Grund (aber nicht nur deswegen) wird der Begriff “Absolutismus” als Bezeichnung für eine Epoche vielfach kritisiert, aber in Ermangelung einer Alternative oftmals beibehalten.

Die deutsche Variante des Merkantilismus wurde Kameralismus genannt.

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