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	<title>Abendmahl Archive - WebHistoriker</title>
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		<title>Reformation: Der Streit um das Abendmahl</title>
		<link>https://webhistoriker.de/reformation-der-streit-um-das-abendmahl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Schnell]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Feb 2026 10:03:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Keine Anzeige]]></category>
		<category><![CDATA[Abendmahl]]></category>
		<category><![CDATA[Abendmahlsstreit]]></category>
		<category><![CDATA[Calvin]]></category>
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		<category><![CDATA[Zwingli]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Beitrag <a href="https://webhistoriker.de/reformation-der-streit-um-das-abendmahl/">Reformation: Der Streit um das Abendmahl</a> erschien zuerst auf <a href="https://webhistoriker.de">WebHistoriker</a>.</p>
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<h1>Reformation: Der Streit um das Abendmahl</h1>
<h2>Kontroverse Ansichten zu Eucharistie und Opfercharakter der Messe</h2>
<p><strong>„Dies ist mein Leib“ und „Dies ist mein Blut“ – oder doch eher „Dies bedeutet mein Leib“ und „Dies bedeutet mein Blut“? Was meinte Jesus mit diesen Worten, als er beim Letzten Abendmahl seinen Jüngern Brot und Wein reichte? Die Antworten darauf gingen zwischen der alten Kirche und den Reformatoren, aber auch unter den Reformatoren selbst weit auseinander. Zwar interessieren solche theologischen Differenzen heute nur noch wenige Menschen, doch im 16. Jahrhundert waren sie ausschlaggebend Zerwürfnisse und Spaltungen. Im Folgenden werden die zentralen Positionen dargestellt.</strong></p>
<div id="attachment_13377" style="width: 1210px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-13377" class="size-full wp-image-13377" src="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/FXH17153.jpg" alt="Hostienschale und Kelch in einer katholischen Kirche; Bild: Michael Schnell" width="1200" height="800" srcset="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/FXH17153.jpg 1200w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/FXH17153-300x200.jpg 300w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/FXH17153-1030x687.jpg 1030w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/FXH17153-768x512.jpg 768w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/FXH17153-705x470.jpg 705w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><p id="caption-attachment-13377" class="wp-caption-text">Hostienschale und Kelch in einer katholischen Kirche; Bild: Michael Schnell</p></div>
<h2>Die katholische Position</h2>
<p>Wie lässt sich die Eucharistie kirchenfernen Menschen oder Kommunionkindern erklären? Diese Frage stellte das Domradio dem Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp in einem Interview. Schwaderlapp beginnt seine Antwort mit dem Menschenbild: Der Mensch bestehe aus Leib und Seele, wobei der Leib „wie ein Fenster zur Seele“ fungiere – „das Instrument, das die Seele zum Klingen bringt“. Christus sei Mensch geworden, um sich auf eine Stufe mit den Menschen zu stellen. Die Eucharistie sei „die Fortsetzung dessen nach seiner Auferstehung und Rückkehr zum Vater: Christus bleibt sichtbar unter uns, in seinem Leib und seinem Blut, in den Gestalten von Brot und Wein. Denn wir glauben, dass dies wirklich Jesus ist – nicht nur ein Zeichen für ihn.“</p>
<p>In der Messe vollzieht sich die Wandlung: Brot wird zum Leib Christi, Wein zu seinem Blut. Die äußere Erscheinung des Brotes und des Weins bleibt, doch Jesus ist nach der Wandlung in der Gestalt des Brotes und des Weins substanziell oder leibhaftig vorhanden. Die Wesensverwandlung wird auch Transsubstantiation genannt. Sie geschieht durch die sogenannte Konsekration (von lateinisch „consecrare“, deutsch „weihen“ oder „heiligen“) des Priesters.</p>
<p>Dieser Auffassung, dass Jesus im Brot und im Wein substanziell oder leibhaftig vorhanden ist, ging im Mittelalter eine große Diskussion unter den Gelehrten voraus, bis auf dem vierten Laterankonzil von 1215 eine Erklärung verabschiedet wurde. Bestätigt wurde sie auf dem Trienter Konzil (1545–1563).</p>
<p>In der Reformation sollte die Transsubstantiation für Diskussion sorgen – ebenso wie zwei weitere Punkte: (1.) das katholische Verständnis der Eucharistie als ein Sühneopfer und (2.) der sogenannte Laienkelch.</p>
<ol>
<li>Die Eucharistie als Sühneopfer wurde in dem „Dekret über die Bitte um den Kelch“ vom 17. September 1562 (Trienter Konzil) festgehalten: Sie sei nicht nur „ein Lob- und Danksagungsopfer oder eine bloße Erinnerung des am Kreuz vollbrachten Opfers“, sondern wahrhaft ein Sühnopfer – sowohl für die Lebenden als auch für die Gestorbenen.</li>
<li>Über Jahrhunderte hinweg empfingen Laien die Kommunion in beiderlei Gestalt (Brot und Wein), ab dem Hochmittelalter verzichtete die lateinische Kirche auf die Kelchkommunion der Laien (auch Laienkelch genannt). Auf dem Konzil von Trient wurde der Kommunionempfang nur unter der Gestalt des Brotes mit dem Hinweis verteidigt, „dass der ganze Christus unter jeder der beiden Gestalten empfangen werde.“ (Sparn u.a.: &#8222;Sakrament&#8220;, in: Enzyklopädie der Neuzeit Online) Papst Pius IV. erlaubte den Laienkelch 1564, widerrief diese Erlaubnis hingegen 20 Jahre später.</li>
</ol>
<p>Erst in den 1960er-Jahren, mit den Beschlüssen des Zweite Vatikanische Konzils (1962–1965), wurde die Kommunion unter beiderlei Gestalten auch für Laien in bestimmten Fällen wieder zugänglich gemacht.</p>
<h2>Lutherische und reformierte Ansichten</h2>
<p>Es gab eine Reihe von Übereinstimmungen unter allen Protestanten, mit denen sie sich von der alten Kirche abwandten, zum Beispiel:</p>
<ul>
<li>Reduzierung der Sakramente: Nur Taufe und Abendmahl galten als Sakramente (bei Luther noch zusätzlich die Beichte). Firmung, Krankensalbung, Weihe und Ehe wurden nicht mehr als Sakramente anerkannt.</li>
<li>Laienkelch: Alle Gläubigen sollten die Kommunion in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) empfangen dürfen.</li>
<li>Ablehnung der Transsubstantiation: Die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi wurde abgelehnt.</li>
</ul>
<p>Doch beim Thema Abendmahl zeigten sich unter den Reformatoren tiefe Meinungsverschiedenheiten. Laut Heinz Schilling (Martin Luther, 2012, S. 399) wurden diese sowohl „mit hoher Gelehrsamkeit“ als auch „mit brutaler Härte“ ausgetragen. Streitpunkt: <strong>Martin Luther</strong> hielt auch ohne Wandlung an der Realpräsenz Christi beim Abendmahl fest. Christus sei wirklich und wahrhaftig anwesend „im Kreis derer, die in seinem Namen und unter Verheißung seiner Einsetzungsworte Brot und Wein zu sich nahmen“ (Schilling: Martin Luther, 2012, S. 400). Viele Reformatoren fragten sich jedoch: Wie kann Jesus gleichzeitig im Himmel und unter den Abendmahlgästen sein?</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-13381 size-full" src="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/highlight-schriftzug-abendmahl-2.png" alt="Zitat: " width="800" height="100" srcset="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/highlight-schriftzug-abendmahl-2.png 800w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/highlight-schriftzug-abendmahl-2-300x38.png 300w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/highlight-schriftzug-abendmahl-2-768x96.png 768w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/02/highlight-schriftzug-abendmahl-2-705x88.png 705w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<p><strong>Huldrych Zwingli</strong> deutete das Abendmahl lediglich ein Zusammenkommen zur Erinnerung, zum Gedenken an den Herrn. Brot und Wein seien Symbole, das „ist“ der Einsetzungsworte Jesu sei als „bedeutet“ (siehe meine Einleitung oben) zu verstehen. „Christus sei bei der Feier zwar gegenwärtig, aber nicht mit Fleisch und Blut, sondern in dem sich die Gemeinde an ihn erinnere und sich zu ihm bekenne.“ (Jung: Reformation und Konfessionelles Zeitalter, 2012, S. 94) Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass sich auch unter den Anhängern Luthers darüber gestritten wurde, v.a. nach Luthers Tod.</p>
<p><strong>Johannes Calvin</strong> versuchte sich an einem Mittelweg zwischen Luther und Zwingli: Christus sei nicht „örtlich“ oder „historisch-fleischlich“ gegenwärtig, doch sein Geist sei „durch nichts in seiner Wirksamkeit begrenzt“. Gemeinsam mit Philipp Melanchthon konnte einigte sich Calvin auf eine Änderung des Augsburger Bekenntnisses: Demnach seien „Leib und Blut Christi nicht mehr ‚unter den Gestalten von Brot und Wein im Abendmahl gegenwärtig‘“, könnten aber „‘mit Brot und Wein … den Essenden gereicht‘ werden. Kraft des Heiligen Geistes gelangen die Gläubigen in die Gemeinschaft von Fleisch und Blut Christi“. (Alle Zitate nach Iserloh: Geschichte und Theologie der Reformation, 1980, S. 146).</p>
<p>Einig waren sich die Reformatoren wiederum in der Ablehnung des Opfercharakters der Messe. Nach der reformatorische Rechtfertigungslehre konnten „alle Gaben und alle Gnade von Gott allein“ erwartet werden. Das widersprach der katholischen Auffassung, wonach die Messe ein Sühneopfer sei, „das von der Kirche Gott dargebracht wurde, um Gutes für die Menschen zu bewirken“ (Leppin: Die Reformation, 2. Aufl. 2017, S. 52).</p>
</div></section></div>
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<p><strong>Erwin Iserloh:</strong> Geschichte und Theologie der Reformation im Grundriss. Paderborn 1980.</p>
<p><strong>Martin H. Jung:</strong> Reformation und Konfessionelles Zeitalter (1517–1648). Göttingen 2012.</p>
<p><strong>Volker Leppin: </strong>Die Reformation. 2., aktualisierte Auflage. Darmstadt 2017.</p>
<p><strong>Ina Rottscheidt:</strong> Was ist Eucharistie? – &#8222;Es ist und bleibt ein ganz großes Geheimnis&#8220;. Ein Interview mit Dominik Schwaderlapp auf den Seiten von Domradio.de. Online unter: <a href="https://www.domradio.de/artikel/was-ist-eucharistie">https://www.domradio.de/artikel/was-ist-eucharistie</a> (vom 19.06.2025, abgerufen am 20.02.2026)</p>
<p><strong>Heinz Schilling:</strong> Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. 728 S. C.H. Beck 2012.</p>
<p><strong>Walter Sparn, Peter Walter, Friederike Nüssel und Jennifer Wasmuth:</strong> &#8222;Sakrament&#8220;, in: Enzyklopädie der Neuzeit Online. Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachherausgebern herausgegeben von Friedrich Jaeger (bis 2019), Georg Eckert, Ulrike Ludwig, Benjamin Steiner und Jörg Wesche. J.B. Metzler, Teil von Springer Nature. Copyright © Springer-Verlag GmbH, DE 2005-2026. <a href="https://doi.org/10.1163/2352-0248_edn_COM_343190">https://doi.org/10.1163/2352-0248_edn_COM_343190</a></p>
</div></section></div>
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		<title>Zwingli und die Zürcher Reformation</title>
		<link>https://webhistoriker.de/zwingli-und-die-zuercher-reformation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Schnell]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jan 2026 17:37:20 +0000</pubDate>
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<h1>Zwingli und die Zürcher Reformation</h1>
<h2>Zwingli und Luther, der Abendmahlsstreit und der Verlauf der Zürcher Reformation</h2>
<p><strong>In den bisherigen Kapiteln zur Reformation stand vor allem Martin Luther im Mittelpunkt. Zweifellos prägte seine Person die Bewegung maßgeblich, und sein Wirken zog tiefgreifende Veränderungen nach sich – wenngleich viele seiner Gedanken zur römischen Kirche und zur Auslegung der Heiligen Schrift nicht neu waren. Doch es gab auch Zeitgenossen, die Luthers Ideen und Handeln zwar grundsätzlich unterstützten, in einzelnen Punkten jedoch widersprachen. Manchmal waren die Differenzen so groß, dass sich ehemalige Mitstreiter von ihm abwandten.</strong></p>
<div id="attachment_12273" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-12273" class="size-full wp-image-12273" src="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/asper-ulrich-zwingli.jpg" alt="Der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli auf einem Porträt von Hans Asper, entstanden nach dem Tod Zwinglis. Photo: SIK-ISEA, Zürich (Jean-Pierre Kuhn; Wikimedia commons, public domain)" width="300" height="421" srcset="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/asper-ulrich-zwingli.jpg 300w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/asper-ulrich-zwingli-214x300.jpg 214w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-12273" class="wp-caption-text">Der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli auf einem Porträt von Hans Asper, entstanden nach dem Tod Zwinglis. Photo: SIK-ISEA, Zürich (Jean-Pierre Kuhn; Wikimedia commons, public domain)</p></div>
<p>Ein Beispiel dafür wurde bereits im Kapitel „Die Verbreitung der reformatorischen Ideen in den 1520er Jahren“ erwähnt: die Meinungsverschiedenheiten zwischen Martin Luther und Andreas Rudolff Bodenstein (1486–1541), genannt Karlstadt. Luther sah die Reformation schon früh als einen Prozess innerhalb eines Territorialstaats, bei dem die Fürsten – angeleitet von ihm und seinen Anhängern – die neuen Ideen umsetzen sollten. Karlstadt hingegen strebte eine „Reformation von unten“ an, die auch radikalere Maßnahmen einschloss. Luther befürchtete, dass dies die Bevölkerung verunsichern könnte.</p>
<h2>Luther und Zwingli: Zwei Wege der Reformation</h2>
<p>Während die Episode um Luther und Karlstadt nicht zu einer Spaltung der Reformationsbewegung führte, gestaltete sich das Verhältnis zwischen Luther und dem Zürcher Reformator Huldrych Zwingli (1484–1531) anders. In der historischen Forschungsliteratur wird Zwingli oft ein eigenes Kapitel gewidmet – ein Hinweis auf die Eigenständigkeit der Zürcher Reformation. Dabei wird zu Beginn häufig diskutiert, inwieweit Zwingli von Luthers Ideen beeinflusst war, wer als Erster seine Trennung von der römischen Kirche vollzog und wer wann die reformatorischen Ideen an seinem Wirkungsort durchsetzte. Im Folgenden werden verschiedene Erklärungsansätze vorgestellt:</p>
<ul>
<li><strong>Helga Schnabel-Schüle</strong> (Die Reformation 1495–1555, 2006, S. 164) spricht von „parallelen Entwicklungen in der Schweizer Eidgenossenschaft“, geht aber kaum auf die Frage der Abhängigkeit ein.</li>
<li><strong>Harm Klueting</strong> (Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 159) zeichnet kurz die Luther-Zwingli-Forschungsgeschichte nach und betont, dass Zwingli seit der Mitte des 20. Jahrhunderts kaum noch als Luthers Schüler angesehen werde. Seit 1518 habe er zwar dessen Schriften gelesen, sie jedoch „durch eine humanistische Brille“ (ebd.) interpretiert. Die Debatte über Zwinglis (Un-)Abhängigkeit von Luther bleibe dennoch umstritten.</li>
<li><strong>Martin H. Jung</strong> (Reformation und Konfessionelles Zeitalter, 2012, S. 85) verweist ebenso auf Zwinglis Kenntnisse der Schriften Luthers und fragt dann: &#8222;Wann und wie wurde Zwingli zum Reformator? Diese Doppelfrage ist in der Zwingli-Forschung ebenso umstritten wie dieselbe Frage, bezogen auf Luther, in der Luther-Forschung.&#8220;</li>
<li><strong>Volker Leppin</strong> („Die Reformation“, 2017, S. 25) sieht Zwinglis Entwicklung unabhängig von den Wittenberger Ereignissen, räumt aber ein, dass die Lutherstadt zeitlich früher agierte. Beide Reformatoren seien „wohl unabhängig voneinander auf Kritik- und Reformüberlegungen“ gelangt (S. 36).</li>
<li>In <strong>Leppins Luther-Biografie</strong> (3. Aufl., 2017, S. 259) hört sich dies zunächst etwas anders an: Zwinglis Reformmaßnahmen seien ohne Luther kaum zu erklären gewesen, doch sei er auch nicht einfach nur als Schüler Luthers zu sehen. Zu Leppins Aussagen im zuvor genannten Buch über die Reformation passt dies trotzdem: Ja, er habe „eine eigenständige Theologie entwickelt (…), die von Luther zwar nicht abhängig war, aber doch in vielem Ähnlichkeiten aufwies.“ (S. 213) Luthers Auftreten bei der Leipziger Disputation (Ende Juni bis Mitte Juli 1519) habe Zwingli ermutigt, seine Ansichten deutlicher zu vertreten.</li>
</ul>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12267 size-full aligncenter" src="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-eigen02.png" alt="Zitat: „(...) bleibt die Frage des eigenständigen theologischen Ansatzes des Zürcher Reformators weiterhin ein Gegenstand der Diskussion (...)“ (Harm Klueting)" width="800" height="100" srcset="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-eigen02.png 800w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-eigen02-300x38.png 300w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-eigen02-768x96.png 768w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-eigen02-705x88.png 705w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<p>Huldrych Zwingli selbst datierte den Beginn seiner reformatorischen Tätigkeit auf das Jahr 1516 – ein Jahr vor Luthers „Thesenanschlag“. Doch ab wann gelten einzelne Handlungen als „reformatorisch“? Kann dies bereits eine bestimmte Predigttätigkeit sein oder „gilt dies erst für bestimmte praktische Konsequenzen, die sich aus ihr ergaben?“ (Thomas Kaufmann, „Erlöste und Verdammte“, 2016, S. 146)</p>
<p>Festgehalten werden kann: Zwingli ist bei der Einführung der Reformation in Zürich eigene Wege gegangen, da er einen anderen Bildungshintergrund hatte und die theologischen Fragen aus einer anderen Perspektive zu beantworten suchte. Doch er war seit 1518 über die Vorkommnisse in Wittenberg gut unterrichtet und hat dies sicherlich auch in sein Denken und Handeln mit einfließen lassen – oder, wie es die Enzyklopädie der Neuzeit (D. Wendebourg u.a.: Reformation, s.u.) ausdrückt: In Zürich &#8222;führte Huldrych Zwingli (vgl. Abb. 2), von Luther beeinflusst, aber diese Einflüsse aufgrund eigener, insbes. humanistischer Prägungen selbständig verarbeitend, im Zusammenwirken mit dem Rat 1523 die R.[Reformation]  auf dem Wege der Disputation ein (&#8230;)&#8220;.</p>
<p>Trotz einiger Gemeinsamkeiten (s.u.) kam es in der Folgezeit allerdings nicht zu einem Zusammenschluss beider Bewegungen. Grund dafür waren unterschiedliche Auffassungen in einigen zentralen Fragen – insbesondere beim Abendmahlsstreit.</p>
<h2>Der Abendmahlsstreit: Theologische Differenzen</h2>
<p>Bereits bei den Hussiten, also den böhmischen Bewegungen in der Nachfolge des Theologen Jan Hus, wurde das „Abendmahl unter beiderlei Gestalt“ für die Laien gefordert. Sie sollten sowohl das Brot und damit den Leib als auch den Wein und damit das Blut Christi zu sich nehmen dürfen. Die römisch-katholische Kirche erlaubte Laien hingegen nur das Brot. Die Forderung der Hussiten war somit ein Protest gegen die alte Kirche und für eine stärkere Teilhabe der Gläubigen (vgl. Leppin: Die Reformation, 2017, S. 52).</p>
<p>Im Streit zwischen Luther und Zwingli ging es um die Deutung der bekannten Einsetzungsworte Jesu: „Dies ist mein Leib.“ Ist Jesus leiblich in Brot und Wein, wie Luther meinte, oder wollte Jesus damit nur ausdrücken: „Dies bedeutet mein Leib!“ (Zwingli)? Beide Positionen hatten weitreichende theologische Konsequenzen. So kritisierte beispielsweise Karlstadt Luthers Interpretation mit einem Verweis auf die Kreuzestheologie, wie Kaufmann (Erlöste und Verdammte, 2016, S. 169) erklärt: „Karlstadt selbst deutete die Einsetzungsworte als Selbstverweis Christi. Als Christus gesagt habe: ‚Das ist mein Leib (…), der für euch gegeben wird‘, habe er auf seinen eigenen Körper gezeigt und die bevorstehende Kreuzigung angekündigt. Im Kern warf Karlstadt Luther also vor, die Kreuzestheologie (…) des reformatorischen Aufbruchs (…) verraten zu haben.“</p>
<p>Der Streit um das Abendmahl eskalierte, viele reformatorische Theologen waren daran beteiligt, auch Zwingli. Die reformatorischen Landesherren hingegen fürchteten sich um den Machtverlust, sollten die reformatorischen Kräfte nicht mit einer Stimme sprechen. Landgraf Philipp von Hessen lud daher 1529 zum Marburger Religionsgespräch (1. bis 3. Oktober 1529) ein – vergeblich.</p>
<p>Trotzdem gab es zwischen dem Zwinglianismus und dem Luthertum auch etliche Übereinstimmungen, zum Beispiel</p>
<ul>
<li>der alleinige Bezug auf die biblischen Schriften als Grundlage des Glaubens (sola scriptura),</li>
<li>das allgemeine Priestertum,</li>
<li>die Ablehnung der hierarchischen Ordnung der römischen Kirche.</li>
</ul>
<p>Da man dem Wirken Zwinglis nicht gerecht wird, wenn es nur vor dem Hintergrund Martin Luthers betrachtet wird, geht der folgende Abschnitt auf die Entstehung der zwinglianischen Bewegung ein.</p>
<h2>Die Anfänge und die Entwicklung des Zwinglianismus</h2>
<p>Huldrych Zwingli (1484–1531) studierte in Wien und Basel, schloss sein Theologiestudium jedoch nicht ab. Trotzdem und in damaliger Zeit nicht unüblich wurde er 1506 zum Priester geweiht und wirkte in Glarus. In den Folgejahren beschäftigte er sich eingehend mit den Schriften des Humanisten Erasmus von Rotterdam (um 1467–1536), hatte viele Kontakte zu anderen Gelehrten und einen recht großen Bücherbestand. In politischen und kirchlichen Fragen stellte er sich stets auf die Seite des Papstes – doch das sollte sich ändern …</p>
<div id="attachment_12276" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-12276" class="size-full wp-image-12276" src="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/Zwingli-Von-erkiesen-vnd-freyheit-der-speisen-cover.jpg" alt="Cover vder Schrift " width="300" height="389" srcset="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/Zwingli-Von-erkiesen-vnd-freyheit-der-speisen-cover.jpg 300w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/Zwingli-Von-erkiesen-vnd-freyheit-der-speisen-cover-231x300.jpg 231w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-12276" class="wp-caption-text">Cover vder Schrift &#8222;Von erkiesen vnd freyheit der speisen&#8220; von Zwingli (Basel 1522; online auf den Seiten des Münchener DigitalisierungsZentrum)</p></div>
<p>Nach seiner Zeit als Leutpriester in Einsiedeln (1516–1518) ging er nach Zürich und wirkte dort als Pfarrer in der bedeutendsten Kirche der Stadt, dem Großmünster. Zu einem wegweisenden Ereignis Richtung Reformation kam es 1522: dem Wurstessen. Dieses fand kurz vor Ostern, in der Fastenzeit statt und war eine Provokation von Freunden Huldrychs gegen das Fastengebot. Zwingli selbst stellte sich auf ihre Seite, verwarf das Gebot und begründete dies in seiner ersten Reformationsschrift <a href="https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10990008?page=5">„Von erkiesen vnd freyheit der speisen. Von ergernüß vnd verböserung. Ob man gewalt hab die speyßen zu etlichen zeiten verbieten“</a>. Die kirchlichen Fastengebote seien Menschenwerk, jeder dürfe essen, was er wolle.</p>
<p>Wie sollte, wie würde sich der Zürcher Stadtrat dazu verhalten? Zürich gehörte eigentlich zur Diözese des Konstanzer Bischofs Hugo von Hohenlandenberg (1457–1532). Zwingli erklärte diesen kurzerhand für nicht zuständig – und der Stadtrat folgte letztendlich dem eigenen Pfarrer. Damit stellte sich der Stadtrat gleichzeitig als Instanz in religiösen Fragen auf.</p>
<p>Ein paar Monate später forderten Zwingli und seine Anhänger vom Bischof die Abschaffung des Zölibats und Möglichkeit der Priesterehe. Der Historiker Michael Maurer schreibt dazu (Konfessionskulturen, 2019, S. 26), dass der Bischof nicht die Macht besessen habe, solche Vorschriften „eigenmächtig“ zu ändern – und das war natürlich auch den Reformwilligen klar: Sie wandten sich „zwar in aller Form in einem lateinischen Schreiben an den Bischof“, gaben dieses Schreiben allerdings „binnen kurzem“ in deutscher Sprache heraus: „Es ging ihnen also um Öffentlichkeit“, folgert Maurer.</p>
<p>Ab 1522 suchte der Stadtrat die Religionsfragen mit Disputationen zu beantworten. Anhänger der alten Kirche und Vertreter der neuen Richtung wurden eingeladen, ihre Ansichten öffentlich vorzutragen – und der Rat entschied anschließend über das weitere Vorgehen.</p>
<p>Zwei Disputationen brachten entscheidende Weichenstellungen: Am Ende der ersten (Januar 1523) stand die Zustimmung des Rates zu einer Predigt Zwinglis, in der dieser die Inhalte seiner „vorangegangenen Predigten in 67 Schlussreden“ (Maurer: Konfessionskulturen, 2019, S. 27) zusammengefasst hatte. „Sie enthalten eine Absage an das kirchliche Lehramt und die Berufung auf das Evangelium als einzige und entscheidende Quelle.“ (Ebd.)</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12270" src="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-lehre.png" alt="Zitat „Sie enthalten eine Absage an das kirchliche Lehramt und die Berufung auf das Evangelium als einzige und entscheidende Quelle.“ (Michael Maurer)" width="800" height="100" srcset="https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-lehre.png 800w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-lehre-300x38.png 300w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-lehre-768x96.png 768w, https://webhistoriker.de/wp-content/uploads/2026/01/highlight-schriftzug-zwingli-lehre-705x88.png 705w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<p>Die zweite Disputation im Oktober 1523 führte zur „Abschaffung der Heiligenverehrung und zu radikalen Veränderungen der Gottesdienste“ (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 163) Zwingli musste fortan an zwei Fronten diskutieren: Neben den Altgläubigen wurden nun auch diejenigen lauter, denen Zwinglis Reformen nicht weit genug gingen. Dies betraf beispielsweise die Themen „Musik und die Bilder in den Kirchen“. Es hatte 1523 bereits einige Bilderstürme gegeben – nun bestimmte der Rat etwas behutsam, dass einzelne Bilder in den Kirchen hängen bleiben und wenn, dann nur von den Stiftern entfernt werden durften. (Maurer: Konfessionskulturen, 2019, S. 27) Bei Kaufmann (Erlöste und Verdammte, 2016, S. 155) heißt es allerdings, dass in den folgenden zwei Jahren „Bilder, Kruzifixe und Orgeln aus den Kirchen entfernt wurden“. Hinzu sei die Abschaffung von Prozessionen und Fastenbräuche sowie die Auflösung von Klöstern und Chorherrenstifte gekommen.</p>
<p>1525 führte der Rat das Gedächtnismahl ein, also das Abendmahl nach den Grundsätzen Zwinglis. Auch ein Ehegericht wurde eingeführt, das schon bald eine Art Sittengericht wurde: mit Erlassen zu einer guten Lebensführung und einer strengen Kontrolle der Zürcher Einwohner.</p>
<p>Diese Maßnahmen sowie Zwinglis Glaubensbekenntnis „Von der wahren und falschen Religion“ kennzeichneten den Abschluss, die endgültige Einführung der Reformation in Zürich. Es kam noch zu zwei weiteren Disputationen: An der Badener Disputation (1526) nahm Zwingli nicht teil und es wurde daher der Bann über ihn ausgesprochen. Der Berner Disputation 1528 blieben die katholischen Vertreter fern – und Bern nahm die Reformation Zwinglis an. „Damit begann die Ausbreitung der Zürcher Reformation auf andere Teile der Eidgenossenschaft.“ (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 164)</p>
<p>Die Schweiz war fortan konfessionell gespalten – und es kam sogar zum Krieg, bei dem die Zürcher geschlagen wurden. Huldrych Zwingli musste darin sein Leben lassen. Der „Kappeler Landfrieden“ legte den Konfessionsstand fest und seither gibt es „katholische und zwinglianisch-protestantische Kantone“ (Schnabel-Schüle: Die Reformation, 2006, S. 167).</p>
<p>Heinrich Bullinger (1504-1575) wurde der Nachfolger Zwinglis in Zürich. 44 Jahre leitete er die reformierte Kirche in Zürich. Er stand über Briefwechsel in regem Austausch mit Kirchenleuten und Politikern in ganz Europa und schrieb über 120 Werke. Zudem einigte er sich mit Johannes Calvin (1509–1564) auf eine gemeinsame Linie bezüglich des Abendmahls, niedergeschrieben in dem „Consensus Tigurinus“ von 1549.</p>
</div></section></div>
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<p><strong>Martin H. Jung:</strong> Reformation und Konfessionelles Zeitalter (1517–1648). (Basiswissen Theologie und Religionswissenschaft Herausgegeben von Lukas Bormann) Göttingen 2021.</p>
<p><strong>Thomas Kaufmann:</strong> Erlöste und Verdammte. Eine Geschichte der Reformation. München 2016.</p>
<p><strong>Harm Klueting:</strong> Das Konfessionelle Zeitalter. Europa zwischen Mittelalter und Moderne. 480 S. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2015.</p>
<p><strong>Volker Leppin:</strong> Die Reformation. 2., aktualisierte Auflage 2017.</p>
<p><strong>Volker Leppin:</strong> Martin Luther. 3., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Darmstadt 2017.</p>
<p><strong>Michael Maurer:</strong> Konfessionskulturen. <span id="productTitle" class="a-size-large celwidget" data-csa-c-id="iymvix-u707gh-smgs68-hjr2qg" data-cel-widget="productTitle">Die Europäer als Protestanten und Katholiken. Paderborn 2019.</span></p>
<p><strong>Helga Schnabel-Schüle:</strong> Die Reformation 1495-1555. Politik mit Theologie und Religion. Stuttgart 2006.</p>
<p><strong>Dorothea Wendebourg, Johannes Schilling, Christoph Strohm, John Ashley Null, Martin Friedrich, Kai Bremer, Katharina Talkner und Christian Hecht</strong> (2019): Reformation. In F. Jaeger (ed.), Enzyklopädie der Neuzeit Online. Brill. <a href="https://doi.org/10.1163/2352-0248_edn_COM_33499">https://doi.org/10.1163/2352-0248_edn_COM_33499</a>7</p>
</div></section></div>
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