Tag Archiv für Täufer

Chronik: 16. Jahrhundert – 1535

1535: Täuferreich in Münster
(s. 1534: Täuferreich in Münster)

1535: Gesellschaft der Heiligen Ursula (Ursulinen) gegründet
Angela Merici gründete 1535 diese Gemeinschaft, die auch Ursulinen genannt wird. 1582 bestätigte Papst Gregor XIII. die Statuten der Gesellschaft.

1535: Die Bibel, übersetzt von Louis Olivier, erscheint in französischer Sprache
Die Schrift erschien mit einem Vorwort von Johannes Calvin und sollte einige Jahrhunderte das grundlegende Werk der Reformierten in Frankreich bleiben.

1535: Gründung des Vizekönigtums Neuspanien (Mexiko)

Chronik: 16. Jahrhundert – 1534

1534: Gründung des Jesuitenordens
Ignatius von Loyola gründet 1534 die Gesellschaft Jesu in Paris. Der Orden wird 1540 von Rom zugelassen und sollte später eines der wichtigsten Instrumente der Gegenreformation werden.

1534: Die vollständige Lutherbibel erscheint
Bereits bei seinem Aufenthalt auf der Wartburg 1521/22 hatte Martin Luther mit der Übersetzung der Bibel begonnen. Zwar gab es bereits mehrere deutsche Übersetzungen (vollständig oder einzelner Bücher), doch strebten Luther und die Wittenberger Reformatoren eine Übersetzung “in einem Guss und mit einem peotestantischen Profil” (Schilling, 2012, S. 271) an. In einigen Wochen übersetzte Luther das Neue Testament, das auch schon 1522 in Druck ging: das so genannte “Septembertestament”. Anschließend übersetzte er zusammen mit einer Bibelkommission Bücher des Alten Testaments. Hinzu kamen die Holzschnitte von Lukas Cranach.

Als 1534 die vollständige Bibel erschien, war die Arbeit daran allerdings längst nicht abgeschlossen. Es folgten weitere Ausgaben. Obwohl viele Personen daran mitwirkten, wurde auch damals schon von der “Lutherbibel” gesprochen.

1534: Johannes Dietenbergers Bibelübersetzung
Auf Grundlage der Vulgata, einer über 1000 Jahre alten Bibelausgabe in lateinischer Sprache, gab der Dominikaner Johannes Dietenberger 1534 die erste vollständige Übersetzung des Alten und Neuen Testaments heraus. Drei Jahre später gab auch der katholische Theologe und Gegner Luthers Johannes Eck eine Übersetzung heraus (s. 1537: Die Bibelübersetzung von Johannes Eck erscheint).

1534: Beginn der Verfolgung der Protestanten in Frankreich
Das Edikt von Coucy 1535, das aus Rücksicht auf die protestantischen Verbündeten im Reich erstellt wurde, beendete die Verfolgung der Protestanten nicht. 1544, nach dem Frieden von Crépy zwischen dem Kaiser und Frankreich, wurde die Verfolgung wieder aufgenommen.

1534: Calvin flieht aus Frankreich
Schon 1533 stand Calvin in Verdacht, ein Lutheraner zu sein. Die Verfolgung der Protestanten nahm zu und so floh er aus Paris/Frankreich zunächst nach Straßburg, anschließend nach Basel.

1534: Suprematsakte (England)
Mit der Suprematsakte vollzog England und der regierende König Heinrich VIII. den Bruch mit dem Papst und seiner Kirche. Es war die Geburtsstunde der anglikanischen Kirche, wenngleich zu Beginn die englische Kirche dogmatisch als katholisch einzustufen ist.

Nach langen Streitigkeiten um die Annulierung seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragon, die keinen männlichen Thronfolger gebar, und die Rechtmäßigkeit seiner zweiten Eheschließung mit Anna Boleyn durch den Erzbischof von Canterbury 1532 sprach das englische Parlament dem König alle Gewalt auch in religiösen Fragen zu. Gleichzeitig drohte allen, die das Recht auf die Thronfolge der Nachkommen aus der zweiten Ehe anzweifelten und den Eid auf das Supremat verweigerten, die Todesstrafe. Diese wurde schließlich 1535 an etlichen Personen, u.a. an Thomas Morus und John Fisher, dem Bischof von Rochester vollzogen. Papst Paul III. sprach 1537 den Kirchenbann über Heinrich VIII. aus.

Die Täuferkörbe an der Kirche St. Lamberti in Münster.

Die Täuferkörbe an der Kirche St. Lamberti in Münster. Rechte: Michael Schnell

1534-1535: Täuferreich in Münster
Sie wollten, ausgehend von Münster, ein buchstäbliches Reich Gottes errichten und die Menschen mit Gewalt der Herrschaft Gottes unterwerfen: die Täufer von Münster. Ausgehend vom Gedankengut Melchior Hofmanns strömten zahlreiche “Melchioriten” nach Westfalen. In Münster trafen sie auf weitere radikale Kreise um den Reformator Bernhard Rothmann. Sie übernahmen die Herrschaft in der Stadt, angeführt von Jan Matthijs, einem Bäcker aus Haarlem, und nach seinem Tod der Schneider Jan Beuckelsz aus Leiden (auch Jan van Leiden genannt), der sich zum König der Welt ausrufen ließ. Alle Gegner des Täufertums sollten umgebracht werden, jegliches Eigentumsrecht wurde aufgehoben.

Franz von Waldeck, seit 1532 Bischof von Münster und Osnabrück ließ die Stadt militärisch umzingeln – es folgte eine 16-monatige Belagerung. Am 25. Juni 1535 war die grausame und blutreiche Schreckensherrschaft beendet. Jan van Leiden wurde zur Abschreckung mehrere Monate durch das Land geführt und schließlich Anfang 1536 zusammen mit seinen engsten Vertrauten mit glühenden Zangen zu Tode gefoltert. Ihre Leichname wurden in Käfigen ausgestellt, die noch heute am Turm der Lambertikirche (siehe Bild).

Aufgrund der Gewaltbereitschaft kann das Täuferreich in Münster eigentlich nicht den Täufern zugerechnet werden, die Gewalt ausdrücklich ablehnten (s. Schleitheimer Artikel von 1527). Tatsächlich hat diese Gleichsetzung der gewaltfreien Täuferbewegung sehr geschadet.

1534-1549: Papst Paul III. (Lebensdaten: 1468-1549)

Chronik: 16. Jahrhundert – 1531

1531: Zweiter Kappeler Krieg / Tod Zwinglis / Heinrich Bullinger wird Nachfolger
Schon länger deutete sich eine kriegerische Auseinandersetzung in der Schweiz an: Altgläubige und der Reformation anhängige Orte standen sich schon seit einigen Jahren recht unversöhnlich gegenüber. 1529, im so genannten Ersten Kappeler Krieg, konnte ein Krieg noch abgewendet werden. 1531 kam es dann doch zur Schlacht, bei der Zürich und seine Verbündeten eine Niederlage hinnehmen mussten. Zwingli, der seine frühere pazifistische Haltung schon längst aufgegeben hatte und auch Gewalt zur Durchsetzung der Reformation befürwortete (Jung, Reformation, 2008, S. 71), starb in dieser Auseinandersetzung. Sein Nachfolger wurde Heinrich Bullinger.

1531: Gründung des Schmalkaldischen Bundes / Nürnberger Anstand (1532)
Der Bund war ein Verteidigungsbündnis der evangelischen Reichsstände gegen die Religionspolitik Karls V. Der Kaiser reagierte, da er auf die Hilfe dieser Reichstsände gegen die weiter vordringenden Türken angewiesen war, mit dem “Nürnberger Anstand”. Bis zu einem Konzil wurde den Reichsständen die freie Religionsausübung zugestanden.

1531: Hinrichtungen von Täufern in Amsterdam
In Amsterdam predigte ein Täufer, der zuvor in Emden mit Melchior Hofmann gewirkt hatte, die Lehre der Täufer: Jan Volkerts Trypmaker. Zunächst zeigte sich die Obrigkeit recht tolerant, schritt dann aber doch ein und nahmen ihn fest. Kaiser Karl V. ordnete durch Boten an, dass die Täufer hingerichtet werden sollten. Dieses Urteil wurde Volkerts und acht weiteren Personen vollstreckt. Melchior Hofmann, der sich zeitweise auch in Amsterdam aufhielt, ordnet an, dass das Taufen dort vorerst eingestellt werden solle, um weitere Verfolgungen zu vermeiden.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1527

1527: Johann von Sachsen: Instruktion zur Kirchenvisitation / Melanchthon: Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn
Auf Anraten von Martin Luther erließ der sächsische Kurfürst Johann eine Instruktion zur Durchführung der sogenannten Visitation: Die Visitation war eine regelmäßige Begutachtung der einzelnen Pfarreien durch Aufsichtspersonen. Diese hatten vornehmlich zu untersuchen, ob die protestantische Lehre richtig umgesetzt wurde. Allerdings sollten auch “das Kirchengut, die Besoldung der Pfarrer und die öffentliche Sittlichkeit” (Iserloh 1980, S. 78) begutachtet werden. Die Visitation 1527/28 war die erste protestantische Visitation im Reich. 1528 erstellte Philipp Melanchthon eine Anleitung zur Visitation – “Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn” -, die auch nachfolgende Visitationen mitprägte.

1527: Gründung der Universität Marburg
Landgraf Philipp von Hessen (“der Großmütige”), der ein Jahr zuvor die Reformation einführte, gründete 1527 die Universität Marburg, die auch zur Ausbildung der Pfarrer und Beamte Hessens dienen sollte. Sie war die erste protestantische Universität. Ihr folgen sollten 1544 die Universität in Königsberg (Preußen), 1558 Jena, 1576 Helmstedt, 1607 Gießen und 1621 Rinteln an der Weser. (Klueting 2007, S. 206)

1527: Der Zürcher Täufer Felix Manz wird ertränkt
Vielen Anhängern ging die Reformation in Zürich nicht schnell genug bzw. war nicht konsequent genug. Sie verlangten u.a. die sofortige Abschaffung der Kindstaufe und die Einführung der Erwachsenen- oder Gläubigentaufe. Erste Täufergemeinden entstanden und der Streit eskalierte bereist 1524/25. Anfang 1527 wurde einer der Wortführer, der Täufer Felix Manz, vom Zürcher Stadtrat zum Tod durch Ertränken verurteilt.

1527: Michael Sattler und die Anfänge des Täufertums / Schleitheimer Artikel

1527: Adrian Willaert wird Kapellmeister in Venedig
Der niederländische Komponist wurde 1527 als Kapellmeister an die Markuskirche in Venedig berufen. Diese Anstellung besaß in dieser Zeit ein sehr hohes Ansehen – es war “das höchste Amt, das Europas Musikleben in damaliger Zeit wohl zu vergeben hatte”, schreibt Kurt Pahlen in seiner “Großen Geschichte der Musik” (überarb. Neuauflage, München 2002).

Willaert nutzte die große Kirche, um mit den zwei Orgeln und jeweils eine Gruppe Sänger und Instrumentalisten an jeder Orgel ein derartiges Zusammen- und Wechselspiel der Mehrstimmigkeit zu schaffen, wie sie zuvor wohl kaum zu hören war. (Die Entwicklung der Polyphonie gilt als eines der konstituierenden Merkmale der Renaissance.) Seine “fortschrittlichen” und wegweisenden Werke (viele Motetten, Messen und Madrigale, aber auch Instrumentalstücke) erlangten einen für damalige Verhältnisse große Berühmtheit.

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