Tag Archiv für Karl V.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1568

1568: Breviarum Romanum
Neben einem Katechismus (s. 1566: Catechismus Romanum) und einem Messbuch (s. 1570: Missale Romanum) wurde auf dem Trienter Konzil (s. 1545: Trienter Konzil) auch die Erstellung eines Stundenbuchs beschlossen. Die Arbeiten daran konnten jedoch auf dem Konzil nicht abgeschlossen werden, so dass diese Aufgabe an den Papst zurück verwiesen wurde.

1568: Religionskonzession in Österreich
Maximilian II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Erzherzog von Österreich (das umfasste Nieder- und Oberösterreich mit Wien) von 1564 bis 1576, war zeitlebens katholischen Glaubens, sympathisierte aber deutlich mit dem Protestantismus. So erlaubte er auch dem österreichischen Adel die freie Ausübung ihres evangelischen Glaubens. Dazu sollte eine einheitliche evangelische Gottesdienstordnung erstellt werden, wofür der Kaiser selbst den evangelischen Theologen David Chytraeus aus Rostock nach Österreich bestellte. 1571 erschien die “Christliche Kirchen Agenda: Wie die bey den zweyen Ständen der Herrn vnd Ritterschafft, im Ertzhertzogthumb Oesterreich vnter der Enns, gebraucht wirdt”. Sie wurde allerdings nicht von allen evangelischen Geistlichen anerkannt.

1568/1571: Weseler Konvent und Emder Synode
Am Niederrhein, wo sich schon 1545 die ersten calvinistischen Gemeinden gebildet hatten, wuchs die Zahl der Anhänger stetig an. 1568 wollten sie sich schließlich eine “Ordnung” geben, die das Gemeindeleben organisieren sollte. Bestätigt wurden die Richtlinien 1571 auf der Emder Synode: Das Laienamt wurde gestärkt, ein Konsistorium, das aus Predigern, Ältesten und Diakonen bestand, sollte wöchentlich zusammenkommen. Es gab Gemeinden, mehrere Gemeinden bildeten eine Klasse und diese Klassen sollten viertel- oder halbjährlich ein Konvent abhalten. (Iserloh, Geschichte und Theologie, 1980, S. 157)

1568-1648: Achtzigjähriger Krieg
Er begann mit der Schlacht bei Heiligerlee (Provinz Groningen) und endete mit dem Westfälischen Frieden: der Achtzigjährige Krieg. Unterbrochen von einem 12-jährigen Waffenstillstand (1609-21) drehte sich der Konflikt um die Unabhängigkeit der Niederlande von Spanien. Nachdem 1556 Kaiser Karl V. auf den spanischen Thron verzichtet hatte, wurde sein Sohn Philipp spanischer König. Von Beginn an ging er massiv gegen die Reformation, speziell gegen den Calvinismnus, in den Niederlanden vor. Unter anderem bestimmte er Herzog Alba zum niederländischen Generalbevollmächtigten, dessen “Rat der Unruhen” mit großer Gewalt die Aufständischen. Viele Calvinisten (auch Reformierte genannt) flohen. Am Ende der vielen kleinen Kämpfe und Aufstände stand die Unabhängigkeit der Niederlande auch vom Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1559

1559: Friede von Cateau-Cambrésis
Nach mehreren Kriegen (siehe 1521-1559: Kriege und Konflikte zwischen den Habsburgern und Frankreich um Italien) zwischen den Habsburgern unter Karl V. und Philipp II. und Frankreich unter Franz I. und Heinrich II., aus denen letztendlich die Habsburger (bzw. die spanische Linie der Habsburger) siegreich hervorgingen, wurde 1559 der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen: Italien blieb unter spanischer Vorherrschaft, Frankreich musste sich aus der italienischen Politik zurückziehen.

1559: Veröffentlichung des Index der verbotenen Bücher (Index Librorum Prohibitorum)
Schon früh erkannten die Gelehrten, dass die Ausbreitung der Reformation eng mit dem Buchwesen (Druck und Vertrieb) zusammenhing. Ein Hauptaugenmerk der 1542 gegründeten römischen Inquisitionebehörde (siehe 1542: Die Bulle “Licet ab initio” von Papst Paul III. zur Inquisition) lag daher auch auf den “häretischen” Büchern der Reformatoren. 1559 wurde schließlich ein Verzeichnis mit Büchern erstellt, die ein Katholik nicht lesen sollte – oder besser “durfte”: Die Lektüre stand unter Strafe! Auf der Liste standen die Schriften der bekannten Reformatoren, einzelne Bibelausgaben, Schriften bekannter Humanisten (z.B. Erasmus’ von Rotterdam).

1559: Gründung der Académie de Genève
Die Akademie (heute die Universität Genf) wurde 1559 auf Anraten Johannes Calvins gegründet und sollte die theologische und humanistische Bildung deutlich vorantreiben. Erster Leiter der Akademie wurde Théodore de Bèze (auch Theodor von Beza). Die Akademie erlang recht schnell eine große Anziehungskraft.

1559: Erste Nationalsynode der Calvinisten in Paris / Confession du Foy (später Confessio Gallicana genannt)
Bei der geheimen Nationalsynode verabschiedeten französische Protestanten eine Kirchenordnung (“Discipline ecclésiastique”) und ein Glaubensbekenntnis, das auf eine Schrift Calvins basierte und ergänzt wurde. Das Bekenntnis, Confession du Foy genannt, bestand aus 40 Artikeln. 12 Jahre später, auf der Synode von La Rochelle, wurde es mit kleinen Textänderungen offiziell angenommen und trug seither den Namen “Confessio Gallicana”. 1562 wurde die Confession du Foy in die niederländische Sprache übersetzt und sorgte für eine weitere Verbreitung calvinistischer Lehren in Richtung Norden.

1559: Verschärfung der Verfolgung französischer Protestanten
König Heinrich II. weitet die Verfolgung der Protestanten auch auf bekannte Persönlichkeiten aus der Politik aus. So ging er u.a. gegen protestantische Mitglieder des Pariser Parlaments vor. Lediglich der Hochadel blieb verschont. Auch hier gab es namhafte Vertreter der neuen Lehre, z.B. Antoine de Bourbon, seit 1555 König von Navarra.

1559–1565: Papst Pius IV. (Lebensdaten: 1499-1565)

1559-1573: Magdeburger Centurien
13 Bände umfasst dieses erste kirchengeschichtliche Werk auf protestantischer Seite. Angeregt durch den lutherischen Theologen Matthias Flacius Illyricus arbeiteten mehrere Autoren an den Centurien, die den lutherischen Weg betont positiv darstellen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1552

1552: Fürstenkrieg oder Fürstenrebellion und Passauer Vertrag
Die Rebellion war eine Erhebung evangelischer Fürsten unter der Leitung Moritz’ von Sachsen gegen den Kaiser. Moritz von Sachsen stand, obwohl protestantisch, im Schmalkaldischen Krieg noch auf Seiten des Kaisers, u.a. um die ersehnte Kurfürstenwürde zu erlangen. Diese erhielt er 1548 auf dem Augsburger Reichstag. Vier Jahre später mobilisierte er die kaiserfeindlichen Fürsten des Reiches gegen Karl V. Auch hier ging es, wie in vielen Zwistigkeiten und Auseinandersetzungen des Jahrhunderts, um die Mächtekonstellation zwischen den Ständen und dem Kaiser – neben der Religionsfrage der wichtigste Zankapfel.

Karl V. musste aus Deutschland fliehen, die Rebellen verständigten sich mit König Ferdinand auf den Passauer Vertrag. Der Vertrag sah vor, dass der frühere sächsische Kurfürst, Johann Friedrich I., der an der Spitze des Schmalkaldischen Bundes stand und nach der Niederlage des Bundes vom Kaiser gefangengesetzt wurde, seine Freiheit wiedererlangte. Gleiches galt für den Onkel des “neuen” sächsischen Kurfürsten Moritz, Landgraf Philipp I. von Hessen, einem der Mitbegründer des Schmalkaldischen Bundes.

Weit wichtiger werden von der Geschichtswissenschaft die Verhandlungen im Umfeld des Vertrags eingestuft: Das Bestehen mehrerer Konfessionen wurde anerkannt, der politische Frieden für wichtiger erachtet als die theologische Einheit.

1552: Gründung des Collegium Germanicum
Papst Julius III. sprach mit der Bulle “Dum sollicita” die Gründung des Collegium Germanicum in Rom aus, in dem zur Abwehr reformatorischer Gedanken und Tendenzen “papsttreue” Kleriker ausgebildet werden sollten. Ihre Aufgabe bestand darin, im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation die katholische Reform oder Konfessionalisierung voranzutreiben.

1552-1554: Markgrafenkrieg
Albrecht Alkibiades, der Markgraf von Kulmbach, zog plündernd und brandschatzend durch das benachbarte Umland, erpresste Reichsstädte und katholische Hochstifte, um seine Position in Franken zu stärken. Doch die Gegner schlossen sich schließlich zusammen und erhielten zudem Rückendeckung und militärische Unterstützung weiterer Fürsten. Moritz von Sachsen zog Truppen zusammen, um gegen Albrecht vorzugehen – und kam bei der großen Schlacht von Sievershausen ums Leben. Das Vorgehen des Markgrafen zeigt auf, wie brüchig der Ewige Landfrieden von 1495 noch war.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1530

1530–1556: Kaiser Karl V. (selbsternannter Kaiser seit 1520; Lebensdaten: 1500-1558)

1530: Augsburger Reichstag und die Confessio Augustana
Das Ziel dieses Reichstags sollte eigentlich die Wiederherstellung der Einheit der Religion sein. Für die Beratungen legten die reformatorischen Gruppen ihre Lehrbekenntnisse vor: die Lutheraner eine von Philipp Melanchthon verfasste Schrift, die “Confessio Augustana”, die Zwinglianer die “Ratio fidei” und die vier Städte Straßburg, Konstanz, Lindau und Memmingen die “Tetrapolitana”. Die Einigung misslang. Der Kaiser und die Mehrheit im Reichstag sprachen sich gegen die Confessio Augustana aus. Die Kluft zwischen den Anhängern der alten Kirche und den Reformatoren wurde größer.

1530: Reichspolizeiordnung
Die im Jahre 1530 vom Reichstag verabschiedete Reichspolizeiordnung sollte die alltägliche Ordnung des Gemeinwesens sichern. Der Begriff Polizei oder Policey wurde im 16. Jahrhundert anders als heute gebraucht: Er stand für die Herstekllung und Wahrung der allgemeinen Ordnung – und umfasste demnach etliche Reglementierungen, die direkt in den Alltag eingriffen, von der Kleiderordnung über die Bestimmungen zu einzelnen Feierlichkeiten bis hin zu den notwendig einzuleitenden Maßnahmen bei einem Begräbnis. 1548 und 1577 wurde die Reichspolizeiordnung aus dem Jahre 1530 überarbeitet und erweitert.

1530: Ulm wird protestantisch
In namentlicher Abstimmung sprechen sich die Bürger von Ulm für die Annahme des protestantischen Bekenntnisses.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1521

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557. Bildaufschrift: Intitulentur libri (Die Bücher sollen bei ihren Titeln genannt werden). Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen. Wikimedia Commons / Quelle: ?, Urheber: ?

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557. Bildaufschrift: Intitulentur libri (Die Bücher sollen bei ihren Titeln genannt werden). Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen. Wikimedia Commons / Quelle: ?, Urheber: ?

1521: Reichstag zu Worms / Wormser Edikt: Politische Entscheidungen und Ächtung Luthers
Der Reichstag dauerte vom 27. Januar bis zum 26. Mai 1521. Einige wegweisende Entscheidungen wurden hier getroffen, wie z.B. die Reichsmatrikel und die Errichtung eines Reichsregiment. Die Reichsmatrikel legte fest, wieviel Truppen und finanzielle Leistungen die einzelnen Reichsstände zu stellen bzw. zu leisten hatten. Das Reichsregiment gab es bereits von 1495 bis 1502, nun noch einmal von 1521 bis 1531. Es war ein politisches Gegengewicht zum Kaiser, das aus Vertretern der Reichsstände bestand und in der sich abzeichnenden Abwesenheit des Kaisers vom Reich die politischen Geschicke lenken sollte.

Ein weiterer Teil des Reichstags waren aber auch die Geschehnisse rund um die Rolle der Kirche und deren Vertreter. Die Beschwerden gegen den Papst und die römische Kurie (auch Gravamina der deutschen Nation genannt) weiteten sich auf dem Wormser Reichstag auf die Zustände im Reich aus, wobei es um das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht ging.

Inmitten dieses Klima des Misstrauens und teilweise auch der Missgunst gegenüber der Kirche erschien nun auch noch Martin Luther auf dem Reichstag. Er war kurz vor dem Reichstag endgültig zum Ketzer erklärt worden – und der Kaiser wusste davon. Luther hoffte auf ein Entgegenkommen des mit 21 Jahren sehr jungen Kaisers Karl V., schrieb ihm gar einen persönlichen Brief, doch Karl hatte für sein Anliegen kein Ohr. Es war schwer genug, die Einheit des Reiches zu wahren, da kam eine Zerrissenheit der Kirche ungelegen. Karl neigte stark zur Verhängung der Reichsacht.

Doch nach einigem Hin und Her berief der Kaiser Martin Luther zur Anhörung. Dazu war er einerseits aufgrund seiner Wahlkapitulation von 1519 genötigt, die allen Beschuldigten vor der Verhängung der Reichsacht ein Anhörungsrecht zusicherte. (Schnabel-Schüle, 2006, S. 102) Andererseits hatte Karl V. natürlich die antirömische Stimmung im Reich mitbekommen und wusste von den positiven Reaktionen auf das Wirken Luthers. So galt es, Rücksicht und Vorsicht auf die Befindlichkeiten der Reichsstände zu nehmen, ihre Unterstützung, die Karl dringend benötigte (v.a. Finanzen für seine Kriege), nicht aufs Spiel zu setzen.

Am ersten Tag der Vorladung sollte Luther schlicht die Thesen seiner Bücher widerrufen. Er wirkte kleinlaut und war sicherlich enttäuscht, dass der Kaiser nichts Weiteres hören wollte. Am zweiten Tag holte Luther jedoch aus und beeindruckte mit seiner souveränen Rechtfertigung seiner Lehren viele Anwesenden – und wohl auch etwas den Kaiser. Denn der schrieb noch am selben Tag ein eigenes Bekenntnis zum katholischen Glauben. (Schilling, 2012, S. 224 f.)

Auf Drängen der Stände räumte Karl V. Luther noch eine Frist ein, während der man Luther zum Kompromiss überreden wollte. Vergebens. Während das Edikt zur Reichsacht (Wormser Edikt) gegen Luther ausgefertigt wurde, wurde ihm freies Geleit für seine Rückkehr nach Wittenberg zugesichert. Da befürchtet wurde, dass er trotzdem gefangen genommen werden könnte, inszenierten Beauftragte seines sächsischen Landesherrn, Friedrich III., eine Entführung – die berühmte Entführung auf die Wartburg.

Im Übrigen wusste Karl V. von der “Entführung”, als er am 26 Mai 1521 das Edikt unterschrieb. “Karl wusste also, (…) dass er faktisch nur die Verbrennung von Luthers Büchern verfügte, nicht aber dessen Leben in Gefahr brachte.” Vielleicht bestand auch ein Vereinbarung zwischen dem Habsburger und Kursachsen. (Schiller, 2012, S. 232)

Das Wormser Edikt galt im Übrigen auch für die Anhänger Luthers: Seine Schriften durften weder gekauft und gelesen noch gedruckt, abgeschrieben und verkauft werden. Wer das tue, zog ebenfalls die Ächtung auf sich. Über die Gültigkeit des Edikts gab es durchaus Diskussionen, da es nicht in den Reichstagsabschied mitaufgenommen wurde. (Iserloh 1980, S. 42) Die Umsetzung des Edikts wurde 1526 den Ständen überlassen, d.h. in einigen Ländern des Reichs faktisch aufgehoben. Die Reformation konnte in diesen Ländern weiter voran getrieben werden (siehe “1526 und 1529: Reichstage zu Speyer: ‘Fürstenreformation’”).

1521 und 1522: Wormser Vertrag und Vertrag von Brüssel
Die beiden Verträge regelten die territorialen Machtansprüche Kaiser Karls V. und seines Bruders Ferdinand I. Ferdinand erhielt von Karl die österreichischen Lande sowie Württemberg. Fortan gibt es die spanisch-niederländische und die deutsch-österreichische Linie des Hauses Habsburg. Endgültig wird diese Teilung 1556, als Karl V. abdankte und seinem Sohn Philipp II. die spanischen Lande, Ferdinand I. das Kaisertum übergibt.

1521: Luthers Wartburgpostille
Im Sommer 1521 veröffentlichte Martin Luther seine Sammlung deutschsprachiger Musterpredigten, die später als Wartburgpostille bezeichnet wurde. Die Texte fanden großen Anklang und “sollten zusammen mit der Lutherbibel über die Generationen hinweg die Kultur des deutschen Protestantismus prägen” (Schilling, 2012, S. 267). (Zur Lutherbibel siehe: 1534: Die vollständige Lutherbibel erscheint!)

1521: Thomas Müntzer flieht aus Zwickau
Thomas Müntzer, Pfarrer in Zwickau, wurde seines Amtes enthoben und musste aus der Stadt fliehen. Die Gründe lagen in den Streitigkeiten mit dem Franziskanerorden und dem Rat der Stadt Zwickau, der ihn des Aufruhrs beschuldigte. Die Stelle in Zwickau erhielt Müntzer wohl noch auf Empfehlung Luthers. Müntzers Weg führte nach Prag.

1521: Prager Manifest von Thomas Müntzer
In dem Manifest formulierte der Reformator und frühere Anhänger Luthers seine theologischen Grundgedanken. Diese ließen sich in Prag jedoch nicht durchsetzen, woraufhin er 1523 nach Allstedt ging. Hier fanden seine Ideen große Anerkennung.

1521: Luthers Schriften zum Gelübde von Mönchen
Im September bzw. im November verfasste Martin Luther zwei Schriften, in denen er seine Positionen zum Gelübde von Mönchen darlegte: “Themata de votis” und „De votis monasticis iudicium”. Zu dieser Zeit stand Luther selbst noch zu seinem Mönchsdasein. Und es ging ihm in den Schriften auch nicht darum, Gelübde generell abzuschaffen und Mönche und Nonnen zum Austritt zu bewegen – wenngleich es nach Luther in der erneuerten Kirche kein Mönchtum mehr geben sollte.

Während andere Reformatoren, wie z.B. Karlstadt oder Melanchthon, von den Schwierigkeiten oder der Unmöglichkeit aus argumentierten, solche Gelübde überhaupt einzuhalten, ging Luther von der Unterscheidung gottgefälliger und gottloser Gelübde aus. Gottlos sei ein Gelübde dann, wenn man es deswegen leiste oder geleistet habe, um “Gerechtigkeit vor Gott zu erlangen” (Lohse, 1995, S. 157). Geschehe es allerdings in Einklang mit der Freiheit eines Christenmenschen, dann sei es in Ordnung. Insgesamt aber sind in Luthers Augen Gelübde mit Vorsicht zu betrachten, da sie in der Heiligen Schrift keine Erwähnung finden.

1521: Wittenberger Unruhen
Während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg kam es in Wittenberg zu einem Streit, wie weit die theologischen Veränderungen oder Neuerungen gehen sollten. Einigen gingen die bisherigen Reformen nicht weit genug, v.a. was das Zölibat und die Messe betraf. Luther kehrte schließlich nach Wittenberg zurück und forderte in seinen berühmten Invokavitpredigten, dass die Bevölkerung nicht durch zu radikale Änderungen verunsichert werden sollte. Aufgrund des Streits kam es zum Bruch zwischen Luther und dem Reformator Karlstadt (eigtl. Andreas Rudolf Bodenstein, 1480-1541).

1521: Heinrich VIII.: Assertio septem sacramentorum
Mit dieser Schrift wandte sich der englische König Heinrich VIII. kämpferisch gegen Luthers Schrift “Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche”. Daraufhin wurde er von Papst Leo X. mit dem Titel “Verteidiger  des Glaubens” (“Defensor Fidei”) ausgezeichnet. Später wurde gegen ihn der Kirchenbann ausgesprochen (s. 1534: Suprematsakte).

1521-1559: Kriege und Konflikte zwischen den Habsburgern und Frankreich um Italien
Die Kämpfe, jeweils mit unterschiedlichen Bundesgenossen, drehten sich hauptsächlich um die Vorherrschaft in Italien. Der Norden stand nach verschiedenen Auseinandersetzungen unter französischer, der Süden unter habsburgisch-spanischer Herrschaft. Kaiser Karl V. suchte danach, sein Herrschaftsgebiet Richtung Norden auszuweiten. Es kam zu folgenden Konflikten:

  • 1521-26: Sieg Karls V., Friede von Mailand mit dem Verzicht des französischen Königs Franz I. auf Italien;
  • 1526-29: Franz I. verwarf den Vertrag von Mailand, es kam zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen. Karl V. und seine Heere gewannen abermals und im Damenfrieden von Cambrai verzichtete der französische König erneut auf Italien;
  • 1536-38: Der am Ende des Krieges ausgefertigte Friede von Nizza bestätigte die Herrschaft Karls V. über ganz Italien;
  • 1542-44: Zusammen mit den Osmanen startete Franz I. einen erneuten Versuch, Italien zu erobern. Die Auseinandersetzungen zwischen diesen Truppen und denen Karls V. fanden fast ausschließlich außerhalb Italiens statt. Der Freide von Crépy bestätigte die Vorherrschaft Karls V. in Italien.
  • Nach weiteren Kriegen zwischen Karl V. und Heinrich II. (dem französischen Nachfolger Franz I.) bzw. Philipp II. (Nachfolger Karls V. auf der spanischen Linie der Habsburger), aus denen die Spanier letztendlich siegreich hervorgingen, wurde 1559 der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen: Italien blieb unter spanischer Vorherrschaft, Frankreich musste sich aus der italienischen Politik zurückziehen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1519

1519: Wahl Karl V. (1500-1558) zum König des Heiligen Römischen Reiches
Geboren in Gent am 24.02.1500, gestorben am 21.09.1558 in San Gerónimo de Yuste; König von Spanien (1516-56), Römischer König (1519-56), Kaiser (1530-56)

1519: Herzog Ulrich von Württemberg marschiert in Reutlingen ein
Nach der Ermordung des Burgvogts in Reutlingen, marschierte der württembergische Herzog Ulrich in die Stadt ein, musste jedoch nach dem Eingreifen des Schwäbischen Bundes wieder fortziehen.

1519: Leipziger Disputation
1519 fand in Leipzig ein theologisches Streitgespräch zwischen Martin Luther und dem katholischen Theologen Johannes Eck statt. Hierbei ging es allerdings kaum noch um die Ablasspraxis. Vielmehr rückte verstärkt die Kirchenlehre in den Mittelpunkt: die Frage, inwieweit die Stellung des Papstes gerechtfertigt sei. Johannes Eck brachte Luther dazu, einzelnen Aussagen des als Ketzer verbrannten Jan Hus zuzustimmen sowie die Unfehlbarkeit der Konzilien in Frage zu stellen.

1519: Zwingli in Zürich
Anfang 1519 trat Zwingli seine Stelle als Leutpriester in Zürich ein. In seinen Predigten ging er nicht nach der althergebrachten Leseordnung vor, bei der jeweils ein kleiner, bestimmter Abschnitt aus der Bibel vorgelesen wurde. Zwingli stellte die Auslegung eines ganzen Bibelbuchs in den Vordergrund.

1519: Judenpogrom in Regensburg
Im 15. und angehenden 16. Jahrhundert wurden Juden aus nahezu allen größeren Städten des Reiches vertrieben, so auch 1519 aus Regensburg. Hier hatten sich die Juden aufgrund kaiserlicher Anordnungen lange Zeit halten können, doch mit dem Wirken des Dompredigers Balthasar Hubmaier im Jahre 1516 begann auch hier eine Zeit des Hasses. 1519 war der Höhepunkt erreicht: Innerhalb einer Woche sollten sie die Stadt verlassen. Die Synagoge wurde zerstört.

1519-1521: Reiterkrieg zwischen dem Deutschen Orden und Polen
Der Deutsche Orden war ein Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge – mit einem eigenen Staat, dem Deutschordensstaat im Baltikum. Er versuchte sich unter der Führung von Albrecht von Brandenburg-Preußen, dem Hochmeisters des Ordens, militärisch aus der Abhängigkeit von Polen, die seit dem “Zweiten Thorner Frieden” (1466) bestand, zu lösen. Die Feldzüge waren jedoch wenig erfolgreich, das Unternehemen scheiterte. Nach einem vierjährigen Waffenstillstand und dem Übertritt Albrechts auf die Seite Luthers wurde der Deutschordensstaat säkularisiert. Viele Ordensleute und auch der Papst erkannten dies nicht an.

1519-1522: Fernão de Magalhães (1480-1521) umsegelte als Erster die Welt, stirbt aber während der Reise

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