Hier finden Sie, nach und nach erweitert, Grundlegendes zur Frühen Neuzeit.

Ulm im Dreißigjährigen Krieg: Bewirtschaftung der Felder in Gefahr

Können die Felder in diesem Jahr bestellt werden? Wird die Stadt Ulm, werden ihre Einwohner und die des Umlandes genug zu essen bekommen? Diese Fragen stellen sich angesichts der Kriegsschäden und der vielen Opfer der Pest. Es wird noch lange dauern, bis genaue Zahlen über Schäden und Opfer vorliegen. Doch schon heute ist klar, dass noch viel mehr Zeit bis zur Wiederherstellung des Standes von 1630 ins Land gehen wird. Die Einwohnerzahl muss wieder anwachsen – ein Muss für jeden wirtschaftlichen Aufschwung -, die Gebäude wieder hergestellt bzw. wieder aufgebaut werden, die Felder wieder landwirtschaflich nutzbar gemacht werden.

Dass viele Tote zu beklagen sind, weiß jeder aus seiner unmittelbaren Verwandtschaft. Nach neueren Schätzungen sollen fast 15.000 Menschen ihr Leben gelassen haben, ein Drittel von ihnen waren Bauern und Landarbeiter. Damit fehlen diejenigen, die die Felder bestellen und damit auch die Lebensmittel für die Stadtbevölkerung zum Verkauf anbieten können. Und die Bauern, die überlebten und auf ihre Höfe zurückkehren, haben teilweise ihre Angehörigen verloren, die ihnen früher in der Landwirtschaft halfen.

Den Heimkehrenden bietet sich vielfach ein schreckliches Bild: Zerstörte und/oder geplünderte Gebäude und verwilderte Felder, das Vieh verendet oder von durchziehenden Truppen „beschlagnahmt“ und geschlachtet. Manche Felder haben mehrere Jahre hindurch keinen Pflug gesehen, so dass sich Unkraut und Buschwerk breit gemacht haben. Hier muss die Stadtobrigkeit helfen, auch um ihres eigenen Wohls willen: beim Aufbau der Höfe ebenso wie bei dem Ankauf von Saatgut aus weniger zerstörten Anbaugebieten.

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Ulm im Dreißigjährigen Krieg: Kirchenbesuch in Zeiten der Pest?

In den vergangenen Monaten war es wiederholt zu Diskussionen über das Abhalten von Gottesdiensten zu Pestzeiten gekommen. Fördert der Besuch der Kirche das Ausbreiten der Seuche?

Zwei Meinungen stehen sich gegenüber: Die Mediziner meinen zumeist, dass dort, wo viele Menschen zusammen kommen, die Gefahr der Übertragung der Pest sehr groß sei. Die Theologen hingegen heben die Wichtigkeit des Gottesdienstes hervor. Die Anrufung Gottes stellt in ihren Augen einen wichtigen Beitrag dazu dar, der Pest Einhalt zu gebieten. Schauen wir uns die Begründungen näher an.

Einige Ärzte unterscheiden strikt zwischen der göttlichen und der natürlichen Pest. Gegen die erstgenannte ist daher kein natürliches Kraut gewachsen, nur Reue und Gebet können helfen. Andere Mediziner gehen davon aus, dass die Pest immer von Gott stammt, dass der Schöpfer jedoch immer auch die notwendigen, natürlichen Heilmittel gibt.

Da jedoch alle Macht in Gottes Händen liegt, haben unsere Mediziner sich für die zweite Möglichkeit entschieden. Zum anderen: Wer will und kann schon entscheiden, welches eine natürliche, welches eine übernatürliche Seuche ist?

Trotzdem haben die Ärzte Ulms in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass Versammlungen in der Kirche oder zum Tanz gefährlich und zu verbieten seien. Die verdorbene Luft der Erkrankten könne von anderen Personen eingeatmet werden.

Daher kann an dieser Stelle nur geraten werden, diesen Anweisungen Folge zu leisten. Gleichzeitig sollte jeder auf die Worte unserer geistlichen Oberhäupter hören, die einen gottesfürchtigen Lebenswandel anmahnen.

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Ulm im Dreißigjähriger Krieg: Kaiserliche Truppen bereits kurz vor Geislinger Vogtei?

Handelsleute haben unlängst berichtet, dass die kaiserlichen Truppen in Richtung Obere Herrschaft unterwegs seien. In der Geislinger Vogtei aber auch um Langenau eilen bereits Gerüchte einem möglichen Einfall der kriegerischen Truppen voraus.

Das Prager Friedensabkommen vom Mai 1635 hatte die Oberen und das gemeine Volk hoffen lassen: Das Abkommen wurde am 17. Juli des letzten Jahres im Ulmer Zeughaus angenommen. Wer erinnert sich nicht an das große Friedensfest, bei dem unser Bürgermeister Besser eine große Rede hielt, unser Münsterprediger Dieterich Hoffnung verbreitend predigte und einige Geschützsalven den freudigen Anlass betonten? Auch wenn in der Folgezeit die Pest in der Stadt wütete, so schien doch zumindest eine der drei Plagen (Krieg, Hunger und Pest) ausgemerzt.

Diese Hoffnung findet jedoch offenbar keine Erfüllung. Kaiserische Reiter und viel Kriegsvolk durchziehen auch jetzt wieder einzelne Teile des umliegenden Landes und kommen der Stadt Ulm sehr nahe. Die Regierenden treffen bereits erste Vorkehrungen zum Schutz, bereiten sich aber auch auf den Anmarsch größerer Massen der Landbevölkerung vor, die vor den Truppen fliehen. Wie die Ernährung innerhalb der Stadtmauern sichergestellt werden soll, dürfte hingegen ein schwieriges Unterfangen werden: Schon lange liegen die Felder brach. Wird ausgesät, kann nicht geerntet werden, ist die Zeit der Ernte da, so wurde nichts ausgesät.

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Ulm im Dreißigjährigen Krieg: Pest in Ulm flaut ab

Nach Mitteilung des Collegium Medicum unserer Stadt zeichnet sich ein Zurückweichen der Pest ab. In den vergangenen sieben Tagen gab es nur noch zwei Todesfälle. Ob die Seuche nun vollends zum Stillstand kommt, kann beim derzeitigen Kenntnisstand nicht gesagt werden.

Um wen es sich bei den beiden Toten handelt, wollte das Collegium nicht mitteilen. Es verlautete, dass die Verstorbenen die üblichen Symptome aufzeigten und trotz rasch angewandter Therapie innerhalb von vier Tagen starben.

Die Mediziner geboten gleichzeitig große Vorsicht: Die einzelnen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pest müßten noch über Monate hinweg beibehalten werden. Hierbei erinnerten sie an den Pestausbruch im Jahre 1634. Sie wütete nicht allzu heftig und dauerte zunächst nur bis Anfang Dezember. Nur ein halbes Jahr später, im Mai 1635, brach sie erneut aus – diesmal war sie weit gefährlicher, kostete nach neueren Schätzungen fast 15.000 Menschen das Leben: Bürger, Bauern und Bettler zu gleichen Teilen.

Sie starben freilich nicht allein an der Pest. Auch andere Krankheiten trugen zum großen Sterben bei, was angesichts der zeitweisen Überfüllung unserer Stadt wegen des Krieges nicht verwunderlich ist.

In den vergangenen Wochen sind viele Bauern wieder auf das Land zurück gezogen. In der Stadt ist es ruhig geworden, der Krieg verschont uns in diesen Tagen.

Angst und Verzweiflung angesichts des Elends wird hingegen andauern: Von vielen Familien ist nur noch ein Mitglied übrig; die Vorräte an Nahrungsmitteln sind nahezu aufgebraucht. Bleibt die Hoffnung, dass die Pest uns in diesem Jahr verschont.

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Chronik: 18. Jahrhundert – 1711-1720

1713: Friede von Utrecht und Anschlussabkommen von Rastatt und Baden (Aargau)
Den ersten Abkommen zwischen England und Frankreich folgten der Frieden von Utrecht und die Anschlussverträge von Rastatt und Baden: Spanien und seine Kolonien gingen an Philipp von Anjou, allerdings wurde eine Vereinigung mit Frankreich ausgeschlossen. Österreich erhielt die spanischen Niederlande, Mailand, Sardinien und das Königreich Neapel. Savoyen bekam Sizilien. England erhielt das strategisch wichtige Gibraltar an der Südspitze Spaniens, Port Mahon auf Menorca und „mit dem Erwerb von Neufundland, Neuschottland und der Hudson-Bay ein koloniales Fauspfand, das den Grundstein für die planmäßige Expansion der folgenden Jahrzehnte legte.“ (Kunisch, 1986, S. 144) Der Friede von Utrecht war „die erste klassische Demonstration des europäischen Gleichgewichts“, der „balance of Europe“ (Mieck, 1989, S. 279).

Kaiser Karl VI. im Ornat als Großmeister des Ordens vom Goldenen Vlies, Gemälde von Johann Gottfried Auerbach; Quelle: Wikimedia Commons / www.kunst-fuer-alle.de

Kaiser Karl VI. im Ornat als Großmeister des Ordens vom Goldenen Vlies, Gemälde von Johann Gottfried Auerbach; Quelle: Wikimedia Commons / www.kunst-fuer-alle.de

1713: Pragmatische Sanktion Kaiser Karls VI.
Die Pragmatische Sanktion war eine Urkunde des Kaisers, die die Erbfolge für die Königreiche und Länder regeln sollte: Sie sollten nicht getrennt werden! Zudem durfte fortan auch eine Frau das Erbe antreten.

1713/14-1740: Zeit der Konvenienzpolitik oder Kongress-Zeit
Unter der Zeit der Konvenienzpolitik oder Kongress-Zeit ist die Zeit gemeint, in der durch Geheimdiplomatie und Kabinettsübereinkünfte ein politisches Gleichgewicht in Europa hergestellt werden sollte. Zahlreiche Kongresse und Konferenzen widmeten sich, auch der Kriegsmüdigkeit der Länder geschuldet, möglicher Konflikte und suchten diese bereits im Keim zu ersticken.

Zum Tragen kam diese Politik z.B. beim Versuch Spaniens, italienische Besitztümer zurückzuerobern, der einen Tausch der Inseln Sardinien und Sizilien zur Folge hatte: Sizilien ging an den Kaiser, Sardinien an das Haus Savoyen, Parma, Piacenza und die Toskana an Spanien. Bei Letzterem wurde Elisabeth Farnese, der Frau Philipps V. und mit Kardinal Alberoni die eigentliche spanische Machtinhaberin, das Erbrecht für ihren ältesten Sohn zugestanden.

1714: Einschränkung der Hexenprozesse in Preußen
Der preußische König Friedrich Wilhelm I. (auch der Soldatenkönig genannt) erließ im Jahre 1714 ein Gesetz, das die Hexenverfolgungen zwar nicht ausdrücklich verbot, aber deutlich einschränken sollte. Der König selbst wollte die Kontrolle über die einzelnen Verfahren und Urteile erhalten, um Fehler auszuschließen.

1714: Fahrenheit: Entwicklung des Quecksilberthermometers

1714: Der Hannoveraner Kurfürst Georg I. wird englischer König
1714 fand in Großbrittaniens Königshaus ein Dynastiewechsel statt. Georg I. Ludwig (1660-1727) aus dem Hause Hannover (Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg oder Kurhannover) wurde neuer König.

1716-1718: Türkenkrieg und Friede von Passarowitz
Zwischen 1716 und 1718 kam es erneut zu einem Krieg zwischen dem Reich und den Osmanen. Bei Peterwardeinen und Belgrad konnte der österreichische Feldherr Prinz Eugen von Savoyen, der bereits im Spanischen Erbfolgekrieg eine entscheidende Rolle gespielt hatte, die Osmanen besiegen. Der Friede von Passarowitz beendete den Krieg. Neben der Festung Belgrad gingen auch Banat, Teile Serbiens und Bosnines sowie die kleine Walachei an Österreich.

1717: Sturmflut an der Nordseeküste („Weihnachtsflut“)
Am 24. Dezember 1717 ereignete sich die bis dahin bekannte größte Sturmflut an der Nordseeküste. Sie richtete große Schäden an den Deichen und das Hinterland der niederländischen, deutschen und dänischen Küste an. Es gab mehrere Inseldurchbrüche und über 18.000 Menschen und knapp 35.000 Nutztiere starben. (Zahlen nach: Münch, Lebensformen, 1992, S. 147)

Bild: Weihnachtsflut; Quelle: Abbildung der fast übernatürlich-hohen Wasserflut am H(eiligen) Christ-Tag 1717 und am 25. Hornung (= Februar) 1718. includet and foldet in the book by Philomon Adelsheim: Neuer und Verbesserter Kriegs-(,) Mord- und Tod-(,) Jammer- und Noth-Calender/ Auf das Jahr nach der gnadenreichen heiligen Geburt unsers HErrn und Heilands JEsu Christi M DCC XIX. (…) Verlag Johann Andrea Endters sel. Sohn und Erben, Nürnberg 1719.

1717: Gründung der ersten Großloge der Freimaurer (Beginn der „modernen“ Freimaurerei)

1720-1722: Pestepidemie in Marseille und der Provence
Es war die letzte große Pestepidemie im westlichen Europa. Sie wurde wohl über ein Handelsschiff nach Marseille getragen. Nach und nach breitete sie sich im Juli 1720 in der Stadt aus und raffte bald 300, bald 1.000 Menschen pro Tag hinweg. Auch die Dörfer rund um Marseille wurden nun in Mitleidenschaft gezogen. Im Herbst endete die Ausbreitung der Pest, im Frühjahr 1721 flammte sie wieder auf und tötete in der Provence viele Menschen. Die Sterblichkeit in der Stadt Marseille betrug ca. 40 Prozent der Bevölkerung, in einigen Dörfern der Umgebung gar 50 Prozent. (Vasold: Die Pest, 2003, S. 147ff.) Nach dem Ende der Pest in Frankreich trat sie noch 1743 in Messina (Sizilien) und 1770 in Moskau auf.

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Chronik: 16. Jahrhundert

Die Zeitleiste oder Chronik liefert einen Überblick der Ereignisse des 16. Jahrhunderts. Beigefügt sind zudem etliche Verweise auf online lesbare Quellen.

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