Tag Archiv für Barock

Chronik: 17. Jahrhundert – 1641

René Descartes; etwa 1649-1700, momentaner Standort: Louvre, Richelieu, 2nd floord, room 27; Herkunft/Fotograf: André Hatala [e.a.] (1997) De eeuw van Rembrandt, Bruxelles: Crédit communal de Belgique, ISBN 2-908388-32-4.

René Descartes; etwa 1649-1700, momentaner Standort: Louvre, Richelieu, 2nd floord, room 27; Herkunft/Fotograf: André Hatala [e.a.] (1997) De eeuw van Rembrandt, Bruxelles: Crédit communal de Belgique, ISBN 2-908388-32-4.

1641: René Descartes: “Meditationes de prima philosophia”
1641 erschien in Paris die Schrift “Meditationes de prima philosophia, in qua Dei existentia et animae immortalitas demonstratur” von René Descartes. Darin liefert der Autor sechs Meditationen über die Metaphysik und Erkenntnistheorie: Weiterlesen

Chronik: 17. Jahrhundert – 1600

um 1600: Vierklösterstreit
Der Vierklösterstreit war ein Rechtsstreit um die Säkularisation von 4 Klöstern: das Kloster Christgarten in der Grafschaft Öttingen, das Kloster Frauenalb in der Markgrafschaft Baden-Durlach, das Kloster Maria Magdalena in der Reichsstadt Straßburg, sowie ein Karmeliterkloster in dem Gebiet der Ritter von Hirschhorn.

Die katholische Seite meinte, dass die Aufhebungen der Klöster mitsamt der Übernahme des Klostervermögens den Ausführungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 widersprachen. Die Einziehung des Kirchenguts hätte nur für die Zeit bis 1555 gegolten.

Die evangelische Seite wiederum hielt die Bestimmungen des ius reformandi dagegen, wonach auch für die Zeit nach 1555 ein Zugriffsrecht auf das Kirchengut bestünde.

1600: Hinrichtung Giordano Brunos
Giordano Phillipo Bruno (1548-1600), der bereits mit 17 Jahren dem Domninikanerorden beitrat, wurde mehrmals der Ketzerei verdächtigt: Er zweifelte das Dogma der Dreieinigkeit an, lehrte die Unendlichkeit des Universums in Raum und Zeit (und stellte sich damit dgegen einen einmaligen Schöpfungsakt) und vertrat Gedanken des Pantheismus, wonach Gott und Natur identisch seien.

Bruno eckte mit seinen Gedanken vielerorts an und hatte ein recht ruheloses Leben hinter sich, als er 1592 in Venedig festgenommen und jahrelangem inquisitorischen Verhören unterzogen wurde. Am 17. Februar 1600 wurde er in Rom bei lebendigem Leib verbrannt – er war nicht bereit, seine Lehren zu widerrufen…

Seine Schriften blieben bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil auf dem Index Librorum Prohibitorum, dem Verzeichnis verbotener Kirche seitens der katholischen Kirche, und erst 2000 erklärte die katholische Kirche die Hinrichtung für nicht rechtmäßig.

Giordano Bruno vor der Inquisitionskommision. Historisierendes Relief von Ettore Ferrari (1848–1929),

Giordano Bruno vor der Inquisitionskommision. Historisierendes Relief von Ettore Ferrari (1848–1929), Campo de’ Fiori, Rome. Quelle: Jastrow / Wikimedia Commons

1600: Girolamo Fabrizio: De formatu foetu

Der Anatom Girolamo Fabrizio (oder Hieronymus Fabricio ab Aquapendente, 1537-1619) lehrte in Padua. U.a. sorgten seine embryologischen Forschungen für Aufsehen, die er in seinem Buch “De formato foetu” in Wort und Bild darlegte. Fabrizio war im übrigen der Lehrer von William Harvey, der als erster den großen Blutkreislauf beschrieb.

ab 1600 bis ca. 1660: Schwedisch-polnischer Krieg
Der schwelende Konflikt zwischen den protestantischen Schweden und den katholischen Polen (s. Schlacht von Stangebro, 1598) führte bis über die Mitte des 17. Jahrhunderts hinaus immer wieder zu Kriegen und Konflikten. Als der polnische König Sigismund III. (1598 als schwedischer König in Personalunion abgesetzt) Estland Polen zusprach, griffen der schwedische König Karl IX. und nach seinem Tod sein Sohn und Nachfolger Gustav II. Adolf ein. Schweden schaffte es, auch durch Kriegsgewinne gegen Russland (Krieg von 1609-1617), bis 1621 fast das gesamte Baltikum unter seine Herrschaft zu bekommen – und suchte sich weitere Ostseehäfen und Flussmündungen an der Ostsee (Kurland, Preußen, Polen) anzueignen.

Die folgenden Kämpfe Schwedens gegen Polen, aber auch gegen andere Länder, waren Teil des Dreißigjährigen Krieges, aus dem Polen geschwächt, Schweden hingegen endgültig als mächtige Großmacht hervortrat.

Johann Sebastian Bach (aged 61) on a portrait of Elias Gottlob Haussmann (1695–1774): Copy or second Version of the 1746 canvas, Date1748 Medium color on canvas, Private collection William H. Scheide, Princeton, New Jersey, Flag of the United States.

Johann Sebastian Bach (aged 61) on a portrait of Elias Gottlob Haussmann (1695–1774): Copy or second Version of the 1746 canvas, Date1748 Medium color on canvas, Private collection William H. Scheide, Princeton, New Jersey, Flag of the United States. Wikimedia Commons

1600-1720/30: Musikepoche: Barock
Auf die sogenannte Musik der Renaissance, worunter die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts verstanden wird, folgte das Barock. In der Musikwissenschaft kennzeichnet der Barockstil gewöhnlich die Zeit zwischen den Werken Claudio Monteverdis (um 1600) bis zu einem deutlich sichtbaren Wandel des Musikstils in den 1720er Jahren. Deutlich ist, dass die maßgeblichen Neuerungen von Italien Richtung Norden (d.h. nach Deutschland) strömten, vermittelt zunächst über die drei Musiker und Komponisten Heinrich Schütz, Johann Hermann Schein und Samuel Scheidt. Im späteren Verlauf des Barock übernahm auch Frankreich eine tragende Rolle.

Der Begriff “Barock” sowie seine zeitlichen Grenzen sind umstritten. Die Frage, was denn nun die Musikepoche Barock genau ausmacht, ist nur schwer zu beantworten – zu unterschiedlich sind die einzelnen Entwicklungen und unterschiedlichen Ausprägungen. Versucht wird, diese großen Unterschiede durch eine weitere Unterteilung der 150 Jahre umfassenden Epoche Herr zu werden: Früh- (bis 1600-1650), Hoch- (1650-1710) und Spätbarock (ab 1710).

Immer wieder tauchen zur Kennzeichnung der Epoche Begriffe wie der Generalbass und die Affektenlehre auf – ob berechtigt oder nicht, soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. (Siehe hierzu: Die Musik in Geschichte und Gegenwart [MGG], Allgemeine Enzyklopädie der Musik. 2. völlig neu bearbeitete Ausgabe. Bd. 1: A-BOG, Kassel 1994, Art. “Barock”, Sp. 1235 ff.) Vielmehr möchte ich hier einige Begriffe und Ereignisse kurz anführen, die in diese Zeit fallen.

Der Generalbass (auch basso continuo)
Der Generalbass setzt sich aus einer Bassstimme und dazu notierten Akkorden zusammen. Erstgenannte wird meist von einem Cello  oder anderen Bassinstrument gespielt, die Akkorde meist von einem Cembalo. Notiert wurde in Notenschrift lediglich die Bassstimme, darunter oder darüber wurden Zahlen geschrieben, die angaben, welche Töne hinzukommen sollten.

Der Generalbass bildete so das Fundament vieler Musikstücke des Barockzeitalters – daher wird das (musikalische) Barock teilweise auch Generalbasszeitalter genannt. Er begleitete die eigentliche Melodie – und steht damit in engem Zusammenhang mit einer weiteren Neuerung um 1600: der Monodie, also die begleitete Einzelstimme.

Oper und Instrumentalmusik
Die Monodie fand auch Eingang bzw. bildete eine der Grundlagen einer neuen Gattung von Musik: der Oper. Sie hatte ihren Ursprung in Italien, genauer Florenz, und verband auf neue Weise Sprache und Musik. Kleine instrumentale Stücke durchbrachen die Gesangsteile, die von einer einzelnen Stimme beherrscht und nur sparsam von Instrumenten begleitet wurde.

Im Barock entwickelten sich zahlreiche neue Formen der Instrumentalmusik: das Solokonzert, das Concerto grosso, die Solo- und die Triosonate. Sie bezogen ihre Anregungen zu einem großen Teil aus der Vokalmusik, die jedoch weiterhineine tragende Rolle in der zeitgenössischen Musik spielte.

Die Affektenlehre
In der Renaissance trat der Mensch, das Individuum, immer mehr in den Mittelpunkt. Damit in Zusammenhang wurde, unter Bezugnahme auf antike Quellen, auch die Lehre von den Affekten wieder aufgegriffen. Für die Musik bedeutete dies, dass der von Affekten (Gemnütszuständen wie Liebe, Furcht, Begierde, Neid) geleitete Mensch mit musikalischen Mitteln dargestellt werden sollte.

In der Zeit des Barock ging man noch etwas weiter: Nicht nur eine Stimmung sollte weitertransportiert werden, sondern die Zuhörer wurden mit einbezogen: Sie sollten durch die Musik “bewegt” werden, die Affekte selbst an sich spüren.

Dur und Moll
Im 17. Jahrhundert lösen die zwei Tongeschlechter Dur und Mol das Kirchentonsystem ab. Daran an schließt sich ein z.T. streng reglementiertes Grundgerüst, das zwar viele Verzierungen zulässt, aber in seinen Grundfesten stabil bleibt.

Chronik: 18. Jahrhundert – 1706

1706: Georg Friedrich Händel bricht nach Italien auf

Georg Friedrich Händel, deutscher/britischer Komponist. Porträt des britischen Malers Thomas Hudson (1701-1779) aus dem Jahre 1741. Quelle: Wikimedia Commons / unbekannt

Georg Friedrich Händel, deutscher/britischer Komponist. Porträt des britischen Malers Thomas Hudson (1701-1779) aus dem Jahre 1741. Quelle: Wikimedia Commons / unbekannt

Georg Friedrich Händel, geboren 1685 in Halle, nahm in seiner Heimatstadt zunächst Orgelunterricht bei Friedrich Wilhelm Zachow, einem Komponisten und Organist an der Marienkirche. Händel zog 1703 nach Hamburg und fand an der dortigen Oper eine Anstellung als Geiger, dann als Cembalist. Schon früh begeisterte er sich für die Oper, komponierte sogar insgesamt vier Opern in der Hansestadt. Weiterlesen

Chronik: 18. Jahrhundert – 1703

1703: Vivaldi wird Violinlehrer in Venedig
Antonio Vivaldi (1678-1741) war ein schneller Komponist, schrieb allein über 400 Konzerte, weshalb ihm schon von Zeitgenossen eine gewisse Beliebigkeit zugeschrieben wurde. Ob er allerdings eigentlich nur ein einzelnes Konzert komponierte, wie der Komponist Igor Strawinsky (1882-1971) behauptete, ist wohl recht übertrieben. Weiterlesen

Chronik: 18. Jahrhundert – 1719

1719: Gründung der “Royal Academy of Music” in London
Um das Opernleben in London in geordnetere Bahnen lenken und so ein Gegenpol zu Italien werden zu können, gründeten mehrere Aristokraten ein Opernunternehmen, das auch von König Georg I. finanziell und durch den Namenszusatz “Royal” unterstützt wurde. Weiterlesen

Chronik: 18. Jahrhundert – 1733

1733: Kantonreglement für Brandenburg-Preußen
Mit dem Reglement des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I. sollte das Anwerben von Soldaten besser organisiert werden. Der Historiker Gustav Schmoller sieht in dem Kantonreglement sowohl einen wichtigen Baustein hin zu einer allgemeinen Wehrpflich, als auch “einen der wichtigsten Schritte zur Anbahnung des Staatsbürgertums”, da Bauern nun nicht mehr nur dem Gutsherrn, sondern in einigen Punkten auch direkt dem Staat unterstanden. (In: Moderne Preussische Geschichte 1648-1947, hrsg. v. Otto Büsch und Wolfgang Neugebauer, 1981, S. 761)

1733: Telemanns Tafelmusik 
Die “Musique de Table” ist eines der berühmtesten Instrumentalstücke des Barock. Die Tafelmusik besteht aus drei Teilen, “Productionen”, diese jeweils wieder aus sechs Stücken: einer französischen Ouvertüre, einem Quartett, einem italienischen Konzert, eine Triosonate oder eine Solosonate mit Begleitung des Generalbasses sowie ein Schlussstück, die Conclusio.

Telemann schrieb einige seiner Kompositionen, so auch die Tafelmusik, zur Subskription aus, d.h. an den Werken Interessierte bestellten und bezahlten dafür im Voraus. Die Vielzahl an Bestellungen zeigte, wie groß sein Ruhm in seiner Zeit war.

1733: Die Oper “Hippolyte und Aricie” von Jean-Philippe Rameau wird uraufgeführt
Jean-Philippe Rameau war bereits 50 Jahre alt, als seine erste Oper aufgeführt wurde. 1683 in Dijon geboren, wirkte er nach einer Italienreise in verschiedenen Städten als Organist (z.B. Avignon und Clermont), bevor er 1722 nach Paris ging. Dort komponierte er verschiedene Werke für Cembalo, Motetten und Kantaten und verfasste etliche musiktheoretische Abhandlungen. Seine Oper “Hippolyte und Aricie” lehnte sich kompositorisch zwar an Jean-Baptiste Lully an, beinhaltete jedoch auch viele neue, moderne Elemente (z.B. die Verwendung einer Vielzahl von Dissonanzen), die prägend sein sollten für nachfolgende Opern in Frankreich. Die Zeitgenossen waren hin- und hergerissen: Rameaus Werke fanden viele Anhänger, doch die Traditionalisten und/oder Lully-Anhänger waren brüskiert.

1733-1735: Polnischer Erbfolgekrieg / Wiener Präliminarfrieden

In diesem Krieg standen sich Russland/Österreich und Frankreich gegenüber. Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. (geb. 1670-1733, auch “der Starke” genannt), der seit 1697 als August II. auch polnischer König und Großfürst von Litauen war, standen sein Sohn Friedrich August II. (1696-1763) und Stanislaus I. Leszczynski (1677-1766), der für ein paar Jahre zu Beginn des 18. Jahrhunderts polnischer König war, als Nachfolger bereit.

Österreich und Russland favorisierten Friedrich August II., Frankreich hingegen machte sich für den rechtmäßig gewählten polnischen König Stanislaus I. Leszczynsky ein. Nach dem Erscheinen russischer Truppen in Polen konnte die Wahl Friedrich Augusts durchgesetzt werden und Stanislaus floh nach Danzig. Der Krieg fand vowiegend am Rhein und in Italien statt, der eigentliche Kriegsgrund trat bald schon in den Hintergrund. Vielmehr suchte Frankreich die Verbindung der Häuser Lothringen und Habsburg zu verhindern. Diese “drohte” durch die Heirat Maria Theresias (1717-1780), einer Fürstin aus dem Hause Habsburg, mit Franz Stephan von Lothringen, der seit einigen Jahren Herzog von Lothringen und Bar war.

Im Wiener Präliminarfrieden von 1735, 3 Jahre später im Frieden von Wien “offiziell” bestätigt, wurde Friedrich August zum König bestimmt, Stanislaus erhielt Lothringen – allerdings mit der Maßgabe, dass Lothringen nach dessen Tod zurück an Frankreich fallen sollte. Franz Stephan erhielt die Toskana und durfte Maria Theresia heiraten.

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