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Chronik: 18. Jahrhundert – 1717

1717: Händels Wassermusik
Die Wassermusik besteht aus drei Suiten für relativ große Orchester, die für die Aufführung im Freien vorgesehen waren. Weiterlesen

Chronik: 18. Jahrhundert – 1720

1720-1722: Pestepidemie in Marseille und der Provence
Es war die letzte große Pestepidemie im westlichen Europa. Sie wurde wohl über ein Handelsschiff nach Marseille getragen. Nach und nach breitete sie sich im Juli 1720 in der Stadt aus und raffte bald 300, bald 1.000 Menschen pro Tag hinweg. Auch die Dörfer rund um Marseille wurden nun in Mitleidenschaft gezogen. Im Herbst endete die Ausbreitung der Pest, im Frühjahr 1721 flammte sie wieder auf und tötete in der Provence viele Menschen. Die Sterblichkeit in der Stadt Marseille betrug ca. 40 Prozent der Bevölkerung, in einigen Dörfern der Umgebung gar 50 Prozent. (Vasold: Die Pest, 2003, S. 147ff.) Nach dem Ende der Pest in Frankreich trat sie noch 1743 in Messina (Sizilien) und 1770 in Moskau auf.

1720/30 bis ca. 1780: Musik zwischen Barock und Klassik
In den 1720er Jahren des 18. Jahrhunderts sind in der Musik Strömungen zu beobachten, die eine deutliche Abkehr von der barocken Komposition und Musiklehre aufzeigen. Die Musik wird weniger streng, eher verspielt ungezwungen und tänzerisch, zeigt sich zunächst verstärkt in Dur und mit einfacheren Melodien und lässt langsam, aber sicher den Generalbass hinter sich. „Galant“ und „empfindsam“ werden die neuen Stilrichtungen genannt.

Insgesamt zeigt sich diese Phase als ein interessantes Neben- und Ineinander von Altem und Neuem. Hierfür stehen beispielhaft die Sinfonien und Konzerte der Mannheimer Schule (siehe: 1743-1778: Die Mannheimer Schule), die nicht mehr „nur“ einfach und verspielt, sondern zunehmend vielschichtiger daherkommen, oder große Musiker wie die Söhne Johann Sebastian Bachs (Carl Philippp Emanuel und Johann Christian), Christoph Willibald Gluck und Georg Christoph Wagenseil.

Oft wird die Frühphase dieser Zeit als Spätbarock, die folgenden Jahrzehnte als Vor- und/oder Frühklassik klassifiziert. Jeder Begriff hat seine Vor- und Nachteile. Doch ist diese Phase in den letzten Jahrzehnten verstärkt in den Blickpunkt der Musikwissenschaft geraten, da sie mehr bietet als „nur“ eine Hinführung zu den „Klassikern“ Haydn, Mozart und Beethoven. Interessant ist auch die Bewertung dieser Zeit in von Arnold Feil in der Metzler Musik Chronik: „Man muss es sich immer wieder neu klarmachen, daß das Werk J. S. Bachs und das von Mozart in ein und demselben Jahrhundert entstehen , und daß sie dennoch duch eine Welt getrennt sind, der beide Komponisten nicht angehören, die nicht einmal zwischen ihnen vermittelt.“ Der Autor sieht vielmehr Gemeinsamkeiten dieser Zeit mit der Romantik – und benennt diesen Abschnitt daher „Frühromantik“. (Metzler Musik Chronik, 2. Aufl., 2005, S. 393 ff.).

Chronik: 18. Jahrhundert – 1733

1733: Kantonreglement für Brandenburg-Preußen
Mit dem Reglement des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I. sollte das Anwerben von Soldaten besser organisiert werden. Der Historiker Gustav Schmoller sieht in dem Kantonreglement sowohl einen wichtigen Baustein hin zu einer allgemeinen Wehrpflich, als auch „einen der wichtigsten Schritte zur Anbahnung des Staatsbürgertums“, da Bauern nun nicht mehr nur dem Gutsherrn, sondern in einigen Punkten auch direkt dem Staat unterstanden. (In: Moderne Preussische Geschichte 1648-1947, hrsg. v. Otto Büsch und Wolfgang Neugebauer, 1981, S. 761)

1733: Telemanns Tafelmusik 
Die „Musique de Table“ ist eines der berühmtesten Instrumentalstücke des Barock. Die Tafelmusik besteht aus drei Teilen, „Productionen“, diese jeweils wieder aus sechs Stücken: einer französischen Ouvertüre, einem Quartett, einem italienischen Konzert, eine Triosonate oder eine Solosonate mit Begleitung des Generalbasses sowie ein Schlussstück, die Conclusio.

Telemann schrieb einige seiner Kompositionen, so auch die Tafelmusik, zur Subskription aus, d.h. an den Werken Interessierte bestellten und bezahlten dafür im Voraus. Die Vielzahl an Bestellungen zeigte, wie groß sein Ruhm in seiner Zeit war.

1733: Die Oper „Hippolyte und Aricie“ von Jean-Philippe Rameau wird uraufgeführt
Jean-Philippe Rameau war bereits 50 Jahre alt, als seine erste Oper aufgeführt wurde. 1683 in Dijon geboren, wirkte er nach einer Italienreise in verschiedenen Städten als Organist (z.B. Avignon und Clermont), bevor er 1722 nach Paris ging. Dort komponierte er verschiedene Werke für Cembalo, Motetten und Kantaten und verfasste etliche musiktheoretische Abhandlungen. Seine Oper „Hippolyte und Aricie“ lehnte sich kompositorisch zwar an Jean-Baptiste Lully an, beinhaltete jedoch auch viele neue, moderne Elemente (z.B. die Verwendung einer Vielzahl von Dissonanzen), die prägend sein sollten für nachfolgende Opern in Frankreich. Die Zeitgenossen waren hin- und hergerissen: Rameaus Werke fanden viele Anhänger, doch die Traditionalisten und/oder Lully-Anhänger waren brüskiert.

1733-1735: Polnischer Erbfolgekrieg / Wiener Präliminarfrieden

In diesem Krieg standen sich Russland/Österreich und Frankreich gegenüber. Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. (geb. 1670-1733, auch „der Starke“ genannt), der seit 1697 als August II. auch polnischer König und Großfürst von Litauen war, standen sein Sohn Friedrich August II. (1696-1763) und Stanislaus I. Leszczynski (1677-1766), der für ein paar Jahre zu Beginn des 18. Jahrhunderts polnischer König war, als Nachfolger bereit.

Österreich und Russland favorisierten Friedrich August II., Frankreich hingegen machte sich für den rechtmäßig gewählten polnischen König Stanislaus I. Leszczynsky ein. Nach dem Erscheinen russischer Truppen in Polen konnte die Wahl Friedrich Augusts durchgesetzt werden und Stanislaus floh nach Danzig. Der Krieg fand vowiegend am Rhein und in Italien statt, der eigentliche Kriegsgrund trat bald schon in den Hintergrund. Vielmehr suchte Frankreich die Verbindung der Häuser Lothringen und Habsburg zu verhindern. Diese „drohte“ durch die Heirat Maria Theresias (1717-1780), einer Fürstin aus dem Hause Habsburg, mit Franz Stephan von Lothringen, der seit einigen Jahren Herzog von Lothringen und Bar war.

Im Wiener Präliminarfrieden von 1735, 3 Jahre später im Frieden von Wien „offiziell“ bestätigt, wurde Friedrich August zum König bestimmt, Stanislaus erhielt Lothringen – allerdings mit der Maßgabe, dass Lothringen nach dessen Tod zurück an Frankreich fallen sollte. Franz Stephan erhielt die Toskana und durfte Maria Theresia heiraten.

Chronik: 17. Jahrhundert – 1641

1641: René Descartes: „Meditationes de prima philosophia“
1641 erschien in Paris die Schrift „Meditationes de prima philosophia, in qua Dei existentia et animae immortalitas demonstratur“ von René Descartes. Darin liefert der Autor sechs Meditationen über die Metaphysik und Erkenntnistheorie:

  1. Was in Zweifel gezogen werden kann;
  2. Die Natur der menschlichen Seele und dass sie uns bekannter ist als ihr Körper;
  3. Gott und dass er ist;
  4. Ueber das Wahre und Falsche;
  5. Das Wesen der körperlichen Dinge und nochmals über Gott, dass er besteht;
  6. Das Dasein der körperlichen Dinge und den wirklichen Unterschied der Seele vom Körper.

Der wohl bekannteste Spruch von Descartes „Cogito, ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) stammt (in französischer Sprache) aus seinem 1637 erschienenen Werk „Discours de la méthode“, wird in der lateinischen Form erst 1644 in der Schrift „Principia philosophiae“ formuliert, ist in den Meditationes aber auch ein Grundfeiler seiner Erkenntnistheorie.

Descartes suchte nach Gewissheiten oder Sicherheiten der menschlichen Erkenntnis und kam zu dem Schluss, das weder die Sinneswahrnehmungen, noch das Denken oder Urteilen an sich diese bieten können. Die Sinne gaukeln uns oft etwas vor, das Denken kann in die Irre geführt werden. Lediglich das Zweifeln bleibt bestehen: Aber etwas Zweifelndes kann nicht ohne etwas Seindes sein. Wer zweifelt, der ist! Und da Zweifel ein Bestandteil oder Akt des Denkens ist, kann gesagt werden: „Cogito, ergo sum“.

Die Meditationes gelten heute als Descartes‘ philosophisches Hauptwerk. (René Descartes: Meditationen, Dreisprachige Parallelausgabe Latein – Französisch – Deutsch, hrsg. v. Andreas Schmidt, Einleitung, S. VIII)

1641: Franz Tunder und seine Abendmusiken in Lübeck
Die so genannten Abendmusiken fanden außerhalb des Gottesdienstes, aber in einer Kirche, der Marienkirche in Lübeck statt. Eingeführt wurden sie von dem Organisten und Komponisten Franz Tunder, der regelmäßig Orgelkonzerte gab. Er gehörte zu den bekannten Vertretern der Norddeutschen Orgelschule, einer Stilrichtung in der Orgelmusik aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die neben Lübeck in Hamburg, Bremen, Lüneburg und Stade Verbreitung fand.

Tunder war von 1641 bis zu seinem Tode 1667 an der Marienkirche – und der Vorgänger Dietrich Buxtehudes, der posthum sein Schwiegersohn wurde. Buxtehude führte die Abendmusiken fort – sie waren etwas Einzigartiges und wurden in ihrer Bedeutung von Buxtehude noch gesteigert. (Siehe: 1668: Dietrich Buxtehude wird Orgnaist in Lübeck)

  • nachfolgendes Video: TENET / Nisi Dominus – Franz Tunder (1614-1667)

(Video von TENET auf Youtube.com: www.youtube.com/watch?v=y9GoBdu6nWY; YouTube-Kanal von TENET: www.youtube.com/channel/UCMvzObax4mNpF-gQPzSuWKA)

Chronik 17. Jahrhundert – 1602

1602: Gründung der Vereinigden Oostindischen Compagnie (VOC)
Im 17. Jahrhundert avancierte die niederländische Republik zu einer Großmacht, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Dies zeigte sich u.a. an den Gründungen zweier Handelsgesellschaften, der Vereinigden Oostindischen Compagnie (VOC), 1602, und der Westindischen Compagnie (WIC) im Jahre 1621.


1602: Canzone alla Francese – die erste Triosonate
Lodovico Grossi da Viadanas Triosonate für Violine, Cornetto (ein flötenähnliches Instrument, das wie eine Trompete geblasen wird) und dem Generalbass wird allgemein als erste Triosonate in der Musikgeschichte bezeichnet. Die Triosonate wird sich im Barock zu einer der wichtigsten Sonatenform entwickeln und in Arcangelo Corelli ihren Meister finden. (Reclam Buch der Musik, 2001, S. 126)

Chronik: 17. Jahrhundert – 1668

1668: Dietrich Buxtehude wird Organist in Lübeck
Buxtehude, der wahrscheinlich aus der dänischen Stadt Helsingbor stammte und dort bereits Organist war, hatte 1668 nach Franz Tunders Tod (1667) dessen Stelle an der Lübecker Marienkirche übernommen und anschließend Tunders Tochter geheiratet. Der neue Organist führte die Abendmusiken des Franz Tunder (siehe: 1641: Franz Tunder und seine Abendmusiken in Lübeck) fort, die fortan immer größeren Ruhm erlangten. Johann Sebastian Bach machte sich auf eine lange Reise, um Buxtehude zu hören.

Buxtehude selbst erweiterte die Abendmusiken durch Gesang und (weitere) Instrumentalisierung.

1668/1669: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus
„Der abenteuerliche Simplicissimus“ ist das Hauptwerk von Grimmelshausen (1622-1676): ein Abenteuerroman, eine Lebensgeschichte in der Tradition des spanischen Schelmenromans. Er gilt als einer der wichtigsten literarischen Werke des Barock.