Tag Archiv für Calvin

Chronik: 16. Jahrhundert – 1559

1559: Friede von Cateau-Cambrésis
Nach mehreren Kriegen (siehe 1521-1559: Kriege und Konflikte zwischen den Habsburgern und Frankreich um Italien) zwischen den Habsburgern unter Karl V. und Philipp II. und Frankreich unter Franz I. und Heinrich II., aus denen letztendlich die Habsburger (bzw. die spanische Linie der Habsburger) siegreich hervorgingen, wurde 1559 der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen: Italien blieb unter spanischer Vorherrschaft, Frankreich musste sich aus der italienischen Politik zurückziehen.

1559: Veröffentlichung des Index der verbotenen Bücher (Index Librorum Prohibitorum)
Schon früh erkannten die Gelehrten, dass die Ausbreitung der Reformation eng mit dem Buchwesen (Druck und Vertrieb) zusammenhing. Ein Hauptaugenmerk der 1542 gegründeten römischen Inquisitionebehörde (siehe 1542: Die Bulle “Licet ab initio” von Papst Paul III. zur Inquisition) lag daher auch auf den “häretischen” Büchern der Reformatoren. 1559 wurde schließlich ein Verzeichnis mit Büchern erstellt, die ein Katholik nicht lesen sollte – oder besser “durfte”: Die Lektüre stand unter Strafe! Auf der Liste standen die Schriften der bekannten Reformatoren, einzelne Bibelausgaben, Schriften bekannter Humanisten (z.B. Erasmus’ von Rotterdam).

1559: Gründung der Académie de Genève
Die Akademie (heute die Universität Genf) wurde 1559 auf Anraten Johannes Calvins gegründet und sollte die theologische und humanistische Bildung deutlich vorantreiben. Erster Leiter der Akademie wurde Théodore de Bèze (auch Theodor von Beza). Die Akademie erlang recht schnell eine große Anziehungskraft.

1559: Erste Nationalsynode der Calvinisten in Paris / Confession du Foy (später Confessio Gallicana genannt)
Bei der geheimen Nationalsynode verabschiedeten französische Protestanten eine Kirchenordnung (“Discipline ecclésiastique”) und ein Glaubensbekenntnis, das auf eine Schrift Calvins basierte und ergänzt wurde. Das Bekenntnis, Confession du Foy genannt, bestand aus 40 Artikeln. 12 Jahre später, auf der Synode von La Rochelle, wurde es mit kleinen Textänderungen offiziell angenommen und trug seither den Namen “Confessio Gallicana”. 1562 wurde die Confession du Foy in die niederländische Sprache übersetzt und sorgte für eine weitere Verbreitung calvinistischer Lehren in Richtung Norden.

1559: Verschärfung der Verfolgung französischer Protestanten
König Heinrich II. weitet die Verfolgung der Protestanten auch auf bekannte Persönlichkeiten aus der Politik aus. So ging er u.a. gegen protestantische Mitglieder des Pariser Parlaments vor. Lediglich der Hochadel blieb verschont. Auch hier gab es namhafte Vertreter der neuen Lehre, z.B. Antoine de Bourbon, seit 1555 König von Navarra.

1559–1565: Papst Pius IV. (Lebensdaten: 1499-1565)

1559-1573: Magdeburger Centurien
13 Bände umfasst dieses erste kirchengeschichtliche Werk auf protestantischer Seite. Angeregt durch den lutherischen Theologen Matthias Flacius Illyricus arbeiteten mehrere Autoren an den Centurien, die den lutherischen Weg betont positiv darstellen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1545

1545: Erste calvinistische Gemeinden am Niederrhein
Aus den Niederlanden zogen Wallonen und Flamen an den Niederrhein – aus religiösen, aber auch aus wirtschaftlichen Motiven. Letztgenannte Gründe führten zu einer Aufnahme v.a. in Wesel. Weitere Gruppen stießen 1553 nach Wesel, nachdem in England die katholische Königin Maria den Thron bestiegen hatte.

1545: Luthers letzte große Schrift “Wider das Papsttum zu Rom” erscheint
Kurz vor seinem Tod im Februar 1546 veröffentlichte Martin Luther sein letztes großes Werk, in dem er (noch einmal) mit der katholischen Seite abrechnet.

1545-1563: Trienter Konzil (auch Tridentinum genannt)
Vor allem aufgrund der reformatorischen Begebenheiten wurde der Ruf nach einem Konzil in den vorangegangenen Jahren immer lauter, teilweise mit der Hoffnung, eine Einigung mit der protestantischen Seite zu erzielen, teilweise mit der Forderung, sich klar und ggf. mit eigenen Reformen von diesen abzugrenzen.

Trotz der langen Vorlaufzeit war das Konzil nur schlecht vorbereitet: Es gab keine Geschäftsordnung und es herrschte zunächst Unklarheit darüber, wer überhaupt stimmberechtigt sein sollte. Und es war schließlich recht schlecht besucht – anfangs waren lediglich 31 Personen sowie die päpstliche Legaten anwesend. Letztlich waren es dann doch ca. 100 Prälaten und etwa noch einmal soviele Berater. Aus dem deutschen Raum nahm lediglich ein Bischof an der ersten Tagungsperiode teil, der Mainzer Weihbischof Michael Helding. (Theologische Realenzyklopädie, Band 34, Berlin 2002, S. 64) Auch Protestanten sollten an dem Konzil teilnehmen. Sie sollten von Kaiser Karl V. dazu gezwungen werden (s. 1546: Schmalkaldischer Krieg).

Das Trienter Konzil bestand aus drei Tagungsperioden: 1545-1547, 1551-1552 und 1562-1563. Die erste Tagung wurde 1547 nach Bologna verlegt, doch ließ sich dort keine Fortsetzung erreichen, da einige Teilnehmer in Trient zurück blieben. 1549 beendete Papst Paul III. die Tagung in Bologna.

Inhalte

Inhaltlich befasste sich das Konzil mit nahezu allen drängenden theologischen Fragen des Jahrhunderts. Die erste Tagung diente dazu, grundsätzliche Probleme zu klären, Definitionen zu liefern, also Themen wie Bibelübersetzungen, Rechtfertigung und Sakramente zu bearbeiten. Die zweite Tagung dauerte nicht lang und brachte nur wenig nennenswert Neues hervor. Die dritte Tagung hingegen “stellte die Richtlinien für eine durchgreifende, praktikable Reform der katholischen Kirche auf (…)” (Zeeden: Hegemonialkriege und Glaubenskämpfe, 1999, S. 71).

Über die Bedeutung des Konzils, seiner Nachhaltigkeit gibt es unterschiedliche Ansichten. Einerseits wird darauf verwiesen, dass viele Entschlüsse lediglich eine Reaktion auf die reformatorischen Gedanken und Aktivitäten waren, dass sie lediglich zur Abgrenzung dienten. Andererseits trugen auch diese Abgrenzungen zu einer Festigung und Festschreibung der eigenen Grundsätze bei. Und zudem gab es durchaus Beschlüsse, die, eine Durchsetzung vorausgesetzt, “die drückendsten Mißstände auf der Ebene des Bistums, der Pfarrei und in den Orden” beseitigen konnte. (Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. IV, 1975, S. 519) Die Macht der Bischöfe wurde gestärkt, und auch der Papst ging gestärkt aus dem Konzil hervor, wenngleich gerade die Fragen zu seiner Stellung auf dem Konzil ausgeklammert wurden. Allerdings: Die “Krise [der alten Kirche] war auch jetzt noch keineswegs überwunden.” (Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. IV, 1975, S. 520) Die Umsetzung der Bestimmungen zog sich in einzelnen Diözesen jahrzehntelang hin, teilweise bis in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. (S. Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 308 f.)

Die Dekrete im Überblick

Die Dekrete (von lat. decretum, also „Beschluss“ oder „Verordnung“) zeigen auf, was beim Trienter Konzil im Einzelnen besprochen und beschlossen wurde. Sie können online und in verschiedenen deutschen Übersetzungen nachgelesen werden (s.u., nachfolgende Zitate stammen aus der Ausgabe von J. Egli aus dem Jahre 1825).

1. Tagung, 1545-1547

  • 4. Februar 1546: Decretum de symbole fidei (Dekret über das Glaubensbekenntnis)
    Das Dekret nennt zwei Hauptgründe für das Konzil: die “Austilgung der Irrlehren” und die “Verbesserung der Sitten”. Betont wird zudem das Festhalten am “Symbolum Nicaenum-Constantinopolitanum”, dem gut 1000 Jahre alten Glaubensbekenntnis, das auch in die lutherische Kirche Eingang fand.
  • 8. April 1546: Decretum de libris sacris et de traditionibus recipiendis (Dekret über die Annahme der heiligen Bücher und Überlieferungen)
    Aufgezählt werden in diesem Dekret die einzelnen Bücher des Alten und Neuen Testaments (inklusive der deuterokanonischen, von den Protestanten als apokryph bezeichneten Schriften). Doch nicht nur “in den geschriebenen Büchern” sei die “Wahrheit und Lehre” enthalten, sondern auch “in den ungeschriebenen Überlieferungen, welche von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen, oder von diesen Aposteln, unter Eingebung des Heiligen Geistes, gleichsam von Hand zu Hand überliefert worden, und bis zu uns gekommen sind.” Damit distanzierte sich die katholische Seite noch einmal klar gegen das “sola scriptura”-Prinzip der Reformatoren.
  • 8. April 1546: Decretum de vulgata editione Bibliorum et de modo interpretandi Sanctam Scripturam (Dekret über die Vulgata-Ausgabe der Bibel und die Auslegung der Heiligen Schrift)
    Das Dekret benennt die lateinische Vulgata, eine seit über 1000 Jahre existierende lateinische Bibelübersetzung (des Hl. Hieronymus), als zuverlässige und verbindliche Bibelausgabe. Gewarnt wird zudem vor der Herstellung und dem Verkauf von Bibelausgaben, die nicht zuvor von den (katholischen) Oberen geprüft worden seien. Die Protestanten lehnten die Vulgata im Übrigen mehrheitlich ab.
  • 17. Juni 1546: Decretum de peccato originali (Dekret über die Erbsünde)
    Das Dekret betont zunächst die Realität der Erbsünde. Adam habe durch die erste Sünde nicht nur sich selbst, sondern alle seinen Nachkommen geschadet. Durch die Taufe werde diese Erbsünde allerdings vollständlich getilgt oder überwunden. Es bleibe jedoch eine Neigung zu schlechten Taten. Die Tilgung der Erbsünde durch das von Christus eingesetzte Sakrament der Taufe stand im Gegensatz zur Ansicht der Lutheraner.
  • 13. Januar 1547: Decretum de iustificatione (Dekret über die Rechtfertigung)
    Das Dekret hebt hervor, dass der Mensch (im Widerspruch zu den Aussagen der Reformatoren) durchaus einen freien Willen besitze. Um mit Gott wieder “ins Reine” zu kommen, sprich: Rechtfertigung zu erlangen, muss der Mensch sich auch dafür entscheiden. Allerdings reichen Werke allein nicht aus, um vor Gott als gerecht zu erscheinen.
  • 3. März 1547: Decretum de sacramentis (Dekret über die Sakramente)
    Sieben Sakramente gebe es, erklärt dieses Dekret: Taufe, Firmung, Buße, Krankensalbung, Eucharistie, die Weihe und die Ehe.
  • 3. März 1547: Decretum de reformatione (Dekret über die Verbesserung, auch Dekret über die Residenzpflicht genannt)
    Die Kirchenoberen (Bischöfe, Pfarrer) sollten innerhalb ihres Bistums, ihrer Pfarrei leben, um sich direkt um die Belange der Gläubigen kümmern zu können.

2. Tagung, 1551-1552

  • 11. Oktober 1551: Decretum de sanctissima Eucharistia (Dekret über die allerheiligste Eucharistie)
    Das Dekret bekräftigt die Realexistenz Christi in der Eucharistie. D.h. dass Christus als “wahrer Gott und Mensch, wahrhaft, wirklich und wesentlich, unter der Gestalt jener sinnlichen Dinge enthalten ist” (nach der Übersetzung von Egli, 1825, S. 105). Wenn also Brot und Wein geweiht worden sind, waren sie von diesem Augenblick an nicht mehr Brot und Wein, sondern tatsächlich Leib und Blut Christi. Und das auch auf Dauer: Einmal geweiht, konnten sie später noch den Kranken gebracht werden, die der Heiligen Messe nicht beiwohnen konnten. Auch zog das Trienter Konzil eine klare Trennung zu den Ansichten Zwinglis, der die Realexistenz ablehnte und zu Luther, der die Anwesenheit Christi nur für den Moment der Messe anerkannte.
  • 25. November 1551: Doctrina de sacramento poenitentiae (Lehrschrift über das Sakrament der Buße)
  • 25. November 1551: Doctrina de sacramento extremae unctionis (Lehrschrift über das Sakrament der heiligen Ölung)

3.Tagung, 1562-1563

  • 26. Februar 1562: Dekret über die Auswahl der Bücher
    Das Dekret wandte sich gegen die verderblichen Bücher und kündigte eine Prüfung des “Index Librorum Prohibitorum” an, also des „Verzeichnis der verbotenen Bücher“, auch „Römischer Index“ genannt, an. Dieser Index war erstmals 1559 erschienen.
  • 16. Juli 1562: Doctrina de communione sub utraque specie et parvulorum (Lehrschrift über die Kommunion unter beiderlei Gestalt und die Kommunion der Kinder)
    Das Dekret legte fest, dass die Kirche Vorschriften über die Austeilung von Brot und Wein machen dürfe. Das könne auch bedeuten, dass die Laien den Kelch nicht empfangen könnten. Dies bedeute aber keine Nachteile für sie, da Christus unter jeder Gestalt vollständig anwesend sei: (…) man könne auf keine Weise mit unverletztem Glauben daran zweifeln, dass ihnen die Kommunion unter einer Gestalt zum Heile nicht zureichend sei.” (Nach der Übersetzung von Egli, 1825, S. 193) Zudem erklärte das Dekret, dass Kinder an der Kommunion nicht teilnehmen müssen.
  • 17. September 1562: Decretum super petitione calicis (Dekret über die Bitte um den Kelch)
    In diesem Dekret wird u.a. festgehalten, dass das Messopfer nicht nur “ein Lob- und Danksagungsopfer oder eine bloße Erinnerung des am Kreuz vollbrachten Opfers”, sondern wahrhaft ein Sühnopfer – sowohl für die Lebenden als auch für die Gestorbenen.
  • 15. Juli 1563: Doctrina de sacramento ordinis (Lehrschrift über das Sakrament der Weihe)
    Das Dekret bekräftigt die Notwendigkeit einer Hierarchie, bestehend aus “aus den Bischöfen, Priestern und Dienern” (nach der Übersetzung von Egli, 1825, S. 236).
  • 11. November 1563: Decretum de sacramento matrimonii (Dekret über das Sakrament der Ehe)
  • 3./4. Dezember 1563: Decretum de purgartorio (Dekret über das Fegefeuer)
    In diesem Entschluss wird an der Lehre vom Fegefeuer festgehalten. Den Seelen im Fegefeuer könne zudem durch “Hülfeleistungen der Gläubigen” Erleichterung verschafft werden. (Nach der Übersetzung von Egli, 1825, S. 310 f.)
  • 3./4. Dezember 1563: Decretum de invocatione, veneratione et reliquiis Sanctorum et sacris imaginibus (Dekret über die Anrufung, die Verehrung und die Reliquien der Heiligen und über die heiligen Bilder)
    Es sei “gut und nützlich”, die Heiligen anzurufen und “zu ihrer Fürbitte, Hülfe und Beystand Zuflucht zu nehmen”, heißt es in diesem Dekret (nach der Übersetzung von Egli, 1825, S. 312). Abergläubische Tendenzen in der Verwendung von Bildnissen sollten abgeschafft werden.
  • 3./4. Dezember 1563: Decretum de indulgentiis (Dekret über die Ablässe)
    Der Ablass soll nach den Bestimmungen dieses Dekrets beibehalten werden, jedoch sei in der Durchführung Mäßigung anzuwenden.

Quelle:

Das heilige, allgültige und allgemeine concilium von Trient, das ist: dessen Beschlüsse und Hl. Canones, nebst den betreffenden päbstlichen Bullen, treu übersetzt und mit einem vollständigen Sachregister versehen von Jodoc. Egli (Google eBook). 1825

Weitere Quellen:

Chronik: 16. Jahrhundert – 1541

1541: Wormser Buch
Beim Wormser Religionsgespräch, das wie das Gespräch in Hagenau 1540 zur Verständigung zwischen der katholischen Seite und den Protestanten dienen sollte, gab es inoffizielle Gespräche zwischen dem Reformator Martin Bucer, dem katholischen Theologen Johannes Gropper und dem ersten Staatsrat des Kaisers, Nicolas Perrenot de Granvelle. Sie einigten sich auf eine Reihe von Artikeln zu etlichen Streitthemen, die im “Wormser Buch” festgehalten wurden. Dieses Buch sollte die Grundlage des folgenden Religionsgesprächs in Regensburg bilden.

1541: Die Gustav Vasas Bibel erscheint
1541 wird eine unter Mitarbeit des Reformators Olaus Petri entstandene schwedische Übersetzung der gesamten Bibel herausgegeben: die Gustav Vasas Bibel. Olaus Petri geriet allerdings bereits ein Jahr zuvor in Konflikt mit dem schwedischen König Gustav I., der soweit ging, dass der Reformator zum Tode verurteilt wurde. Das Urteil wurde allerdings wieder aufgehoben. Die Bibel hatte “eine ähnliche Bedeutung für Sprache und Literatur Schwedens” wie Luthers Übersetzung in Deutschland (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 252).

1541/42: Genfer Kirchenordnung und Genfer Katechismus
Nachdem Calvin 1538 Genf verlassen hatte (s. 1537: Jean Calvin veröffentlicht seine ‘Articles concernant l´organisation de l´Eglise’”), ging er nach Straßburg, wo er bis 1541 einige seiner Vorstellungen verwirklichen konnte. Dann wurde er vom Rat der Stadt Genf zurück gebeten. Hier übernahm er viele Ideen, die er in Straßburg umsetzen durfte und formulierte sie in der Genfer Kirchenordnung. Ein Jahr später erschien seine zweite Ausgabe des Katechismus’.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1537

1537: Konzil von Mantua
Bereits 1536 rief Papst Paul III. in Absprache mit dem Kaiser Karl V. weltliche und geistliche Führer zu einem Konzil in Mantua zusammen, das im Mai 1537 stattfinden sollte. Die protestantischen Fürsten, aber auch Frankreich zeigten jedoch kein Interesse, am Konzil teilzunehmen, so dass dieses erst einmal verlegt, dann (1539) ganz abgesagt wurde.

1537: Die Bibelübersetzung von Johannes Eck erscheint
Nach der Übersetzung Johannes Dietenbergers aus dem Jahre 1534 (s. 1534: Johannes Dietenbergers Bibelübersetzung) erschien 1537 eine weitere katholische Übersetzung der Schriften des Alten und des Neuen Testaments von Johannes Eck, einem Theologen und Widerstreiter Luthers. Beide richteten sich gegen die Übersetzungen der protestantischen Seite, v.a. Luthers und werden daher auch “Korrekturbibeln” genannt.

1537: Die Schmalkaldischen Artikel Luthers
Luther lieferte mit diesen Artikeln eine Zusammenfassung seiner Theologie. Sie sollten eigentlich auf dem Konzil von Mantua verlesen werden.

1537: Jean Calvin veröffentlicht seine “Articles concernant l´organisation de l´Eglise”
Calvin lieferte mit dieser Schrift eine Gemeindeordnung. Ordnung und Kirchenzucht seien für eine würdige Abendmahlsfeier unabdingbar. Ausgewählte “charakterfeste und unbestechliche Männer” sollten das Verhalten ihrer Mitbürger im Auge behalten. Der Rat der Stadt Genf wollte viele dieser strengen Richtlinien Calvins nicht in die Praxis umsetzen. Der Streit eskalierte, Calvin und sein Mitstreiter Guillaume Farel mussten Genf 1538 verlassen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1536

1536: Wittenberger Konkordie
Vom 21. bis 28. Mai 1536 fanden in Wittenberg Verhandlungen statt, die zu einem Kompromiss in der Abendmahlsfrage führen sollte. Tatsächlich gelang dem Straßburger Reformator Martin Bucer eine Formulierung, die Luther akzeptieren konnte. Für die oberdeutschen Reformatoren bedeutete dies den ersehnten Anschluss an das Luthertum. Die Schweizer Reformatoren hingegen lehnten diese Formulierung ab.

1536: Calvin verfasste seine Hauptschrift “Institutio Christianae Religionis”
Die “Institutio Christianae Religionis” ist eine Zusammenfassung seiner evangelischen Lehre. Mit einem Widmungsschreiben wurde sie an den französischen König Franz I. gesandt, um die französischen Protestanten zu unterstützen. Calvin hat das Werk mehrmals überarbeitet – und v.a. erweitert: Aus sechs Kapiteln wurden 80 in der letzten Ausgabe von 1559! Ein Jahr später erschien das Buch in französischer, 1572 als Gesamtausgabe in deutscher Sprache.

1536/37: Reformation in Dänemark und Norwegen
Der dänische König Christian III. setzte 1536 die katholischen Bischöfe ab und führte mit Unterstützung des früheren Wittenberger Pfarrers und Reformators Johannes Bugenhagen, der 1537 eine Kirchenordnung verfasste, die Reformation in Dänemark ein – und damit auch in Norwegen, das seit 1536 zu Dänemark gehörte.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1534

1534: Gründung des Jesuitenordens
Ignatius von Loyola gründet 1534 die Gesellschaft Jesu in Paris. Der Orden wird 1540 von Rom zugelassen und sollte später eines der wichtigsten Instrumente der Gegenreformation werden.

1534: Die vollständige Lutherbibel erscheint
Bereits bei seinem Aufenthalt auf der Wartburg 1521/22 hatte Martin Luther mit der Übersetzung der Bibel begonnen. Zwar gab es bereits mehrere deutsche Übersetzungen (vollständig oder einzelner Bücher), doch strebten Luther und die Wittenberger Reformatoren eine Übersetzung “in einem Guss und mit einem peotestantischen Profil” (Schilling, 2012, S. 271) an. In einigen Wochen übersetzte Luther das Neue Testament, das auch schon 1522 in Druck ging: das so genannte “Septembertestament”. Anschließend übersetzte er zusammen mit einer Bibelkommission Bücher des Alten Testaments. Hinzu kamen die Holzschnitte von Lukas Cranach.

Als 1534 die vollständige Bibel erschien, war die Arbeit daran allerdings längst nicht abgeschlossen. Es folgten weitere Ausgaben. Obwohl viele Personen daran mitwirkten, wurde auch damals schon von der “Lutherbibel” gesprochen.

1534: Johannes Dietenbergers Bibelübersetzung
Auf Grundlage der Vulgata, einer über 1000 Jahre alten Bibelausgabe in lateinischer Sprache, gab der Dominikaner Johannes Dietenberger 1534 die erste vollständige Übersetzung des Alten und Neuen Testaments heraus. Drei Jahre später gab auch der katholische Theologe und Gegner Luthers Johannes Eck eine Übersetzung heraus (s. 1537: Die Bibelübersetzung von Johannes Eck erscheint).

1534: Beginn der Verfolgung der Protestanten in Frankreich
Das Edikt von Coucy 1535, das aus Rücksicht auf die protestantischen Verbündeten im Reich erstellt wurde, beendete die Verfolgung der Protestanten nicht. 1544, nach dem Frieden von Crépy zwischen dem Kaiser und Frankreich, wurde die Verfolgung wieder aufgenommen.

1534: Calvin flieht aus Frankreich
Schon 1533 stand Calvin in Verdacht, ein Lutheraner zu sein. Die Verfolgung der Protestanten nahm zu und so floh er aus Paris/Frankreich zunächst nach Straßburg, anschließend nach Basel.

1534: Suprematsakte (England)
Mit der Suprematsakte vollzog England und der regierende König Heinrich VIII. den Bruch mit dem Papst und seiner Kirche. Es war die Geburtsstunde der anglikanischen Kirche, wenngleich zu Beginn die englische Kirche dogmatisch als katholisch einzustufen ist.

Nach langen Streitigkeiten um die Annulierung seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragon, die keinen männlichen Thronfolger gebar, und die Rechtmäßigkeit seiner zweiten Eheschließung mit Anna Boleyn durch den Erzbischof von Canterbury 1532 sprach das englische Parlament dem König alle Gewalt auch in religiösen Fragen zu. Gleichzeitig drohte allen, die das Recht auf die Thronfolge der Nachkommen aus der zweiten Ehe anzweifelten und den Eid auf das Supremat verweigerten, die Todesstrafe. Diese wurde schließlich 1535 an etlichen Personen, u.a. an Thomas Morus und John Fisher, dem Bischof von Rochester vollzogen. Papst Paul III. sprach 1537 den Kirchenbann über Heinrich VIII. aus.

Die Täuferkörbe an der Kirche St. Lamberti in Münster.

Die Täuferkörbe an der Kirche St. Lamberti in Münster. Rechte: Michael Schnell

1534-1535: Täuferreich in Münster
Sie wollten, ausgehend von Münster, ein buchstäbliches Reich Gottes errichten und die Menschen mit Gewalt der Herrschaft Gottes unterwerfen: die Täufer von Münster. Ausgehend vom Gedankengut Melchior Hofmanns strömten zahlreiche “Melchioriten” nach Westfalen. In Münster trafen sie auf weitere radikale Kreise um den Reformator Bernhard Rothmann. Sie übernahmen die Herrschaft in der Stadt, angeführt von Jan Matthijs, einem Bäcker aus Haarlem, und nach seinem Tod der Schneider Jan Beuckelsz aus Leiden (auch Jan van Leiden genannt), der sich zum König der Welt ausrufen ließ. Alle Gegner des Täufertums sollten umgebracht werden, jegliches Eigentumsrecht wurde aufgehoben.

Franz von Waldeck, seit 1532 Bischof von Münster und Osnabrück ließ die Stadt militärisch umzingeln – es folgte eine 16-monatige Belagerung. Am 25. Juni 1535 war die grausame und blutreiche Schreckensherrschaft beendet. Jan van Leiden wurde zur Abschreckung mehrere Monate durch das Land geführt und schließlich Anfang 1536 zusammen mit seinen engsten Vertrauten mit glühenden Zangen zu Tode gefoltert. Ihre Leichname wurden in Käfigen ausgestellt, die noch heute am Turm der Lambertikirche (siehe Bild).

Aufgrund der Gewaltbereitschaft kann das Täuferreich in Münster eigentlich nicht den Täufern zugerechnet werden, die Gewalt ausdrücklich ablehnten (s. Schleitheimer Artikel von 1527). Tatsächlich hat diese Gleichsetzung der gewaltfreien Täuferbewegung sehr geschadet.

1534-1549: Papst Paul III. (Lebensdaten: 1468-1549)

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