Tag Archiv für Tilly

Chronik: 17. Jahrhundert – 1618

1618: Prager Fenstersturz
Utraquisten, Böhmische Brüder, Calvinisten, Lutheraner und Katholiken – diese 5 größeren Konfessionen existierten zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Böhmen. Ihnen hatte Kaiser Rudolf II. im Jahre 1609 die freie Religionsausübung zugesichert (Majestätsbrief), um seine Position gegenüber der Stellung seines Bruders Matthias zu stärken. Und auch Matthias, nach Rudolfs Tod im Jahre 1612 Kaiser, machte Zugeständnisse an die böhmischen Stände: So erlaubte er den Protestanten beispielsweise den Bau von Kirchen. Und genau wegen des Baus einer evangelischen Kirche auf einem katholischen Grundstück entbrannte ein Streit zwischen Protestanten und Katholiken. Die Kirche musste wieder abgerissen werden.

Dies war der Auslöser, allerdings nicht der alleinige Grund für die offene Rebellion der Protestanten gegen den Kaiser. Vorangegangen waren eine Reihe von gegenreformatorischen Aktionen Ferdinands von der Steiermark, seit 1617 König von Böhmen. Die Protestanten riefen eine Versammlung der evangelischen Stände nach Prag ein. Der Kaiser schickte daraufhin Abgesandte nach Prag, die jedoch aus dem Fenster der Prager Burg geworfen wurden. Sie überlebten und berichteten dem Kaiser von dem Vorfall. Der Fenstersturz gilt als Auslöser des Dreißigjährigen Krieges.

Der Prager Fenstersturz auf einem zeitgenössischen Flugblatt, 1618, Quelle: Wikimedia Commons / Peter Milger: Der Dreißigjährige Krieg. Gegen Land und Leute. Niedernhausen 2001, ISBN 3-572-01270-8

Der Prager Fenstersturz auf einem zeitgenössischen Flugblatt, 1618, Quelle: Wikimedia Commons /
Peter Milger: Der Dreißigjährige Krieg. Gegen Land und Leute. Niedernhausen 2001, ISBN 3-572-01270-8


1618-1648: Dreißigjähriger Krieg: Übersicht

Der Dreißigjährige Krieg durchlief, grob gesprochen, vier Phasen:

(Die Bezeichnungen der einzelnen Phasen zeigen nicht die jeweiligen Kriegsparteien an, sondern kennzeichnen die jeweiligen Kriegsgegner des Kaisers. Die Einteilung wird nicht von allen Historikern vertreten.)

Der Dreißigjährige Krieg war eher eine “Kriegszeit” als ein klar abgrenzbarer Krieg zwischen zwei oder mehr Kriegsparteien, eine “Kriegsverdichtung” (Johannes Burkhardt), deren einzelne Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen selbst Zeitgenossen nicht mehr auseinander halten konnten. Und so wurde bereits Mitte des 17. Jahrhunderts der Begriff “Dreißigjähriger Krieg” gebraucht – als ein Konstrukt für die 30 Jahre Kriegszeit.

Der Krieg begann mit der Niederschlagung des ständischen Aufstands in Böhmen und endete “offiziell” mit dem Westfälischen Frieden. Er war kein deutscher Krieg, aber ein Krieg, der sich größtenteils auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation abspielte. Er war nur zum Teil ein Religionskrieg, da er als solcher begann und sich in den ersten Kriegsjahren noch als solcher zeigte. Wie umfangreich die Folgen für die Bevölkerung und die Wirtschaft waren, ist unter Historikern umstritten.

1618-1623: Dreißigjähriger Krieg: Böhmisch-Pfälzischer Krieg / Confoederatio Bohemica / Schlacht am Weißen Berg
Nachdem die rebellierenden Stände die Macht in Böhmen übernommen hatten, stellten sie auch ein Herr auf und gaben sich sich eine Verfassung (Konföderationsakte vom 31. Juli 1619). Sie setzten Ferdinand ab und den calvinistischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz als neuen König ein. Mit den oppositionellen Ständen Nieder- und Oberösterreichs verbündeten sie sich, woraufhin der gerade gewählte Kaiser Ferdinand Bündnisse mit Bayern und Sachsen schloss.

Unterdessen schlossen die protestantische Union und die katholische Liga den sogenannten Ulmer Waffenstillstand ab, einen gegenseitigen Nichtanfgriffspakt. In Anbetracht dessen, dass dem katholischen Bayern nun kein Angriff der Unionsheere drohte, konnten sie sich der böhmischen Angelegenheiten annehmen.

Die protestantische Union stand dem bühmischen König demnach nicht zur Seite und auch sein Schwiegervater, der englische König Jakob I. zeigte keine Anzeichen, sich einzumischen.So trat Friedrich V. ohne Bundesgenossen nahezu chancenlos der Armee des bayerischen Herzogs und eines kasierlichen Kontingents entgegen. Die folgende Schlacht am Weißen Berg (1620) vor den Toren Prags wurde zu einem entscheidenden Sieg der kaiserlich-katholischen Seite.

Es folgte eine z.T. brutale und grausame Rekatholisierung Böhmens. Friedrich V., kurzzeitiger böhmischer König, verlor die Oberpfalz und die Kurwürde an Maximilian I. von Bayern. Zudem verhängte der Kaiser die Reichsacht über ihn, und Friedrich ging nach Holland ins Exil.

Zeitgenössische Darstellung der Schlacht am Weißenberg. Quelle: Wikimedia Commons / Scanned and uploaded by MatthiasKabel from the German wiki

Zeitgenössische Darstellung der Schlacht am Weißenberg. Quelle: Wikimedia Commons /
Scanned and uploaded by MatthiasKabel from the German wiki

Mittlerweile entbrannte in der Kurpfalz der nächste Krieg. Der spanische Heerführer Ambrosio Spinola drang bereits im Frühjahr 1620 in die Pfalz ein, zog sich jedoch wegen anderer Kämpfe wieder in die Niederlande zurück. Währenddessen scharten Anhänger Friedrichs Kriegstruppen um sich, teilweise Reste der alten, böhmischen Heere. Graf Ernst von Mansfeld, Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach und Herzog Christian von Braunschweig kämpften gegen die Ligaheere des Feldherrn Johann ’t Serclaes Tilly: Gegen Ernst von Mansfeld musste sich Tilly im April 1622 bei Wiesloch (südlich von Heidelberg) zwar geschlagen geben, fügte Markgraf Georg Friedrich allerdings im Mai bei Wimpfen (nördlich von Heilbronn) eine Niderlage zu. Das Heer Christians von Braunschweig wurde im Juni 1622 von Tilly geschlagen. Die Protestanten mussten sich aus der Kurpfalz zurückziehen, die schließlich, auf Befehl des Kaisers und gegen den Willen fast aller Fürsten, Maximilian von Bayern zufiel. (Schmidt: Der Dreißigjährige Krieg, 5. Aufl., München 2002, S. 35)

Chronik: 17. Jahrhundert – 1623

Nachbau der Rechenmaschine von Wilhelm Schickard, 1623; Quelle: Wikipedia Commons / Herbert Klaeren

Nachbau der Rechenmaschine von Wilhelm Schickard, 1623; Quelle: Wikipedia Commons / Herbert Klaeren

1623: Wilhelm Schickard: Rechenmaschine
Der Mathematiker und Theologe Wilhelm Schickard (oder Schickhardt) erklärt in einem Brief die Konstruktion und den Bau einer Rechenmaschine für die vier Grundrechenarten. Die Maschine selbst existiert nicht (mehr). 1645 entwickelte der französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Blaise Pascal eine Rechenmaschine, von der es heute noch einige Originale gibt. Ab 1671 arbeitete auch der bedeutende Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz an einer Rechenmaschine (s. 1672).

1623-1629: Dreißigjähriger Krieg: Dänisch-niedersächsischer Krieg / Eingreifen Wallensteins / Schlacht bei Dessau /Friede von Lübeck
Im August 1623 fügte der Heerführer der Katholischen Liga, Johann ’t Serclaes Graf von Tilly, den Truppen des Herzogs Christian von Braunschweig in der Schlacht von Stadtlohn (im heutigen westlichen Münsterland) eine neuerliche Niederlage zu. Tilly wurde vom Kaiser zum Grafen ernannt und ließ seine Truppen im eigentlich protestantischen Gebiet in Westfalen das Winterquartier beziehen.

Nach all den Erfolgen des katholischen Ligaheeres wuchs die Angst, dass auch der nördliche Teil des Reiches wieder rekatholisiert werden könnte – und die Angst der Nachbarländer vor einem Übergewicht des Hauses Habsburg.

Der dänische König Christian IV., der gleichzeitig Herzog von Schleswig und Holstein war, stellte daraufhin Truppen auf. Entgegen den Abmachungen, diese Truppen nur im niedersächsischen Reichskreis einzusetzen, zog der im April 1625 zum Kreisoberst gewählte Christian nach Westfalen.

Auch Ernst von Mansfeld griff nun wieder mit neu aufgestellten Truppen in das Geschehen ein. Er wollte nach Böhmen weiterziehen, doch ein bekannter Feldherr, der bereits seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges mitmischte und in den folgenden Jahren große Bekanntheit erlangen sollte, stellte sich ihm entgegen: Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, besser bekannt unter dem Namen Wallenstein. Er bot dem Kaiser die Aufstellung eines 24.000 Soldaten umfassendes Herr auf eigene Kosten an – über die Gründe kann nur gemutmaßt werden. Der Kaiser, bislang angewiesen auf das Heer von Tilly, war einverstanden. Wallenstein schlug Ernst von Mansfelds Truppen im April 1626 bei Dessau, die sich auf dem Weg nach Böhmen befanden. Mansfeld kann entkommen, stirbt jedoch kurz darauf.

Ein paar Monate später besiegte Tilly den dänischen König – und vieles deutete auf einen endgültigen Sieg des Kaisers und der katholischen Seite hin – doch Wallenstein wurde dringend im Süden, in Österreich benötigt, wo ein Bauernaufstand ausgebrochen war. Sein zögerliches Handeln dort ließ jedoch das Misstrauen vieler deutscher katholischer Fürsten gegen ihn weiter wachsen – schon zuvor war ihnen dieser “Emporkömmling” suspekt. Dies nahm noch zu, als Wallenstein das Heer von Tilly übernahm und, nach der Eroberung des dänischen Festlandes – Christian IV. musste sich schließlich auf die dänischen Inseln zurück ziehen – vom Kaiser das Herzogtum Mecklenburg als Lehen erhielt.

Z.T. in Geheimverhandlungen handelte Wallenstein mit dem dänischen König einen Friedensvertrag (Friede von Lübeck) aus, der Christian IV. relativ große Zugeständnisse machte: Er erhielt seine Herzogtümer Schleswig und Holstein zurück, durfte sich aber nicht mehr in die deutschen Angelegenheiten einmischen, außer wenn sie seine Besitzungen Holstein und Schleswig betrafen.

1623-1644: Papst Urban VIII. (Lebensdaten: 1568-1644)

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