Tag Archiv für Reformation

Literatur über die Reformation und die Glaubenskämpfe / Biografien

Die Liste bietet einen kleinen Überblick empfehlenswerter Literatur zu Reformation und Gegenreformation, zu einzelnen wichtigen Protagonisten und Ereignissen – völlig subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Liste wird nach und nach erweitert.

Mein Literaturtipp

Klueting, Harm: Das Konfessionelle Zeitalter. Europa zwischen Mittelalter und Moderne. Darmstadt 2007
Das Buch hat einen weiteren Untertitel: “Kirchengeschichte und allgemeine Geschichte”. Und gerade dies zeichnet das Werk von Klueting aus: Der Leser erhält zunächst einen guten Einstieg in die Gesamtlage der großen Umbruchzeit. Der Autor geht ausführlich auf die Situation der zwei Jahrhunderte vor der Reformation ein: die wirtschaftlichen und politischen, die kirchlichen und theologischen Entwicklungen, die Expansionen und Entdeckungen. Anschließend geht es dann um die Anfänge der Reformen und zwar sowohl der katholischen als auch der protestantischen, bevor dann die eigentliche Konfessionsbildung thematisiert wird. Auch ein Ausblick auf die Zeit zwischen dem Konfessionellen Zeitalter und der Aufklärung wird geboten und nach Zusammenhängen gefragt. Ein umfangreiches Werk, nicht immer einfach, aber immer lohnend zu lesen.

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Reformation und Glaubenskämpfe allgemein

Goertz, Hans-Jürgen: Religiöse Bewegungen in der Frühen Neuzeit. München 1992

Iserloh, Erwin: Geschichte und Theologie der Reformation im Grundriß. 4. Aufl. Paderborn 1998
Eine große Hilfe zum Verständnis der theologischen Debatten z. Zt. der Reformation.

Jung, Martin H.: Die Reformation. Theologen, Politiker, Künstler. Göttingen 2008.

Klueting, Harm: Das Konfessionelle Zeitalter. 1525 bis 1648. 2., veränd. Auflage. Stuttgart 2008
Kein Buch zum einmaligen Durchlesen, aber ein sehr gutes Nachschlagewerk zu den Geschehnissen zwischen 1525 bis 1648

MacCulloch, Diarmaid: Die Reformation: 1490-1700. München 2010
Hoch gelobte Darstellung der Reformation!

Rublack, Ulinka: Die Reformation in Europa (Europäische Geschichte). 2. Aufl. Frankfurt am Main 2005
Rezension im Onlineportal “sehepunkte”

Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. München 2012
Sehr gut lesbare Biografie des Reformators. Schilling räumt mit manchen Mythen auf und formuliert interessante Thesen, wenn er etwa Ignatius von Loyola neben Luther und Calvin als den dritten Reformator bezeichnet. Streng historisch werden die Taten Luthers aus der Zeit des beginnenden 16. Jahrhunderts gesehen. Gleichzeitig erhält der Leser einen guten Überblick darüber, was die Reformation ausmachte und bewirkte.

Schnabel-Schüle, Helga: Die Reformation 1495-1555: Politik mit Theologie und Religion. Ditzingen 2008
Informativ und gut geschrieben!

Schnyder, Caroline: Reformation. Stuttgart 2008

Zeeden, Ernst Walter: Hegemonialkriege und Glaubenskämpfe, 1556-1648. Propyläen Geschichte Europas, Bd. 2, Nachdruck der 2. Aufl. von 1980. Berlin 1999

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Literatur von und über Luther

Ebeling, Gerhard: Luther: Eine Einführung in sein Denken. 5. Aufl. Tübingen 2006

Kaufmann, Thomas: Martin Luther. 2. durchges. Aufl. München 2010

Bernhard Lohse: Martin Luther: Eine Einführung in sein Leben und sein Werk. 3., vollst. überarb. Aufl. München 1997

Bernhard Lohse: Luthers Theologie in ihrer historischen Entwicklung und in ihrem systematischem Zusammenhang. Göttingen 1995

Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. München 2012
Sehr gut lesbare Biografie des Reformators (s.o.)

Schwarz, Reinhard: Luther (Uni-Taschenbücher S). 3., durchges. u. korr. Aufl. Studienausgabe. Stuttgart 2004

Luther: An den christlichen Adel deutscher Nation und andere Schriften. Ditzingen 1986

Luther: Von der Freiheit eines Christenmenschen: Studienausgabe. Ditzingen 2011

Luther: Der Große und der Kleine Katechismus. Göttingen 2003

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Literatur von und über Zwingli

Locher, Gottfried W.: Zwingli und die schweizerische Reformation (Die Kirche in Ihrer Geschichte), Göttingen 1997

Gäbler, Ulrich und Martin Sallmann: Huldrych Zwingli: Leben und Werk. 3. Aufl., Zürich 2004

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Literatur von und über Calvin

Dingel, Irene und Herman J. Selderhuis (Hgg.): Calvin und Calvinismus. Europäische Perspektiven (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Abt. für Abendländische Religionsgeschichte; Bd. 84), Göttingen 2011
Das Buch liefert keine umfassende Darstellung von Leben und Werk Calvins oder vom Calvinismus, sondern ist eine Sammlung von Aufsätzen renommierter Calvin-Forscher aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Und gerade das ist laut dem Rezensionsportal “sehepunkte” (12/2012) die Stärke des Buchs.

Huizing, Klaas: Calvin …und was vom Reformator übrig bleibt. Frankfurt am Main 2009
Wie wurden Calvin und seine Lehren von seinen Zeitgenossen wahrgenommen?

Neuser, Wilhelm H.: Johann Calvin – Leben und Werk in seiner Frühzeit 1509-1541. Göttingen 2009
Laut H-Soz-u-Kult ein wichtiges Buch über Calvins junge Jahre, das viele neue Erkenntnisse ans Tageslicht bringt. Inhaltlich klasse, aber von der Umsetzung her mit kleineren Mängeln

Opitz, Peter: Leben und Werk Johannes Calvins. Göttingen 2009

Reinhardt, Volker: Die Tyrannei der Tugend: Calvin und die Reformation in Genf. München 2009

Rohloff, Reiner: Johannes Calvin: Leben, Werk, Wirkung. Göttingen 2011
Als Einstieg gut geeignet, aber mit kleineren inhaltlichen Mängeln (s. sehepunkte 11. 2011).

Calvin: Unterricht in der christlichen Religion – Institutio Christianae Religionis. 2. Aufl. Neukirchen-Vluyn 2008

Calvin-Studienausgabe: Gesamtausgabe in 10 Teilbänden. Neukirchen-Vluyn 2012 (erscheint in Kürze)

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Literatur über das Täuferreich zu Münster

Lutterbach, Hubertus: Geschichte des Bistums Münster, Bd.3 : Der Weg in das Täuferreich von Münster. Münster 2005

Lutterbach, Hubertus: Das Täuferreich von Münster: Wurzeln und Eigenarten eines religiösen Aufbruchs (1530-1535). Münster 2007

siehe auch: Goertz: Religiöse Bewegungen (oben)

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Literatur über den Augsburger Religionsfrieden

Schilling, Heinz: Der Augsburger Religionsfrieden 1555. Münster 2007

Chronik 17. Jahrhundert: 1601

1601: Regensburger Religionsgespräch
Bereits 1541 und 1546 fanden in Regensburg sogenannte Religionsgespräche statt, die Annäherungen zwischen der lutherischen und der katholischen Seite schaffen sollten. Initiiert wurden die Gespräche im Jahre 1601 von Herzog Maximilian von Bayern und Herzog Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg. Wie schon die Treffen zuvor scheiterte das Vorhaben – dieses Mal an der Polemik beider Seiten.

Chronik: 17. Jahrhundert – 1645

1645: Thorner Religionsgespräch
1645 lud der polnische König Wladislaw IV. Katholiken, Lutheraner und Reformierte zu einem Religionsgespräch nach Thorn ein. Hier sollten in Ruhe die unterschiedlichen Standpunkte vorgetragen werden, um möglicherweise einen Kompromiss zu finden. Die Gespräche wurden nach drei Monaten ergebnislos abgebrochen.

Chronik: 17. Jahrhundert – 1608

1608: Bildung der protestantischen Union
Nach den Streitigkeiten über Donauwörth und auf dem Reichstag in Regensburg bildeten die Protestanten die Union. Ihr gehörten zunächst die Kurpfalz, Württemberg, Baden-Durlach, Ansbach und Bayreuth an, später kamen noch Hessen-Kassel, Brandenburg, Pfalz-Zweibrücken und 17 oberdeutsche Städte hinzu. Unter der Leitung des Reformierten Friedrich V. von der Pfalz wollte das Bündnis der katholischen Auslegung der Reichsverfassung entgegentreten. Die Union löste sich 1621 wieder auf.

1608: Hans Lipperhey: Erstes Fernrohr
Der in Wesel geborene Brillenmacher Hans Lipperhey (ca. 1570-1619) erfand 1608 das erste Fernrohr – so zumindest lautet die Meinung neuerer Forscher, denn in dieser Zeit gab es mehrere Personen, die Ähnliches von sich behaupteten.

1608: Girolamo Frescobaldi wird Organist am Petersdom
Frescobaldi, 1583 in Ferrara geboren, war im 17. Jahrhundert einer der bedeutendsten Organisten und Komponisten für Tasteninstrumente. 1607 kam er nach Rom, wurde dort Organist an der Kirche Santa Maria in Trastevere, ging aber bald nach Brüssel und kehrte 1608 nach Rom zurück – und trat die Stelle am Petersdom an. Zu seinen ersten Konzerten erschienen ca. 30.000 Zuhörer. Er schrieb viele Werke (Toccaten, Ricercari), die eine recht freie musikalische Ausformung zuließen – und überraschte die Zuhörer mit unerwarteten Kompositionen.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1593

1593: Nationalsynode von Uppsala
Die Synode erklärte das Augsburger Bekenntnis von 1530 (s. 1530: Augsburger Reichstag und die Confessio Augustana) und die Kirchenordnung von Laurentius Petri von 1571 (s. 1571: Die schwedische Kirchenordnung von Laurentius Petri) als verbindlich für die schwedische Kirche an. Zuvor gab es in Schweden Phasen, in denen verschiedene Einflüsse vorherrschend waren, zunächst philippistische (nach Philipp Melanchthon), dann reformierte (ab ca. 1555) und zwischenzeitlich auch katholische (unter Johann III.).

1593-1606: Türkenkrieg
Der große oder lange Türkenkrieg war ein Krieg zwischen den Habsburgern und dem Osmanischen Reich. Er entzündete sich aus kleineren Kämpfen im kroatischen Grenzgebiet. In den ersten Jahren (bis 1600) gab es mehrere Offensiven beider Seiten, in den Folgejahren waren eher kleinere Gefechte und Festungsbelagerungen für den Krieg chrakteristisch. Der Krieg endete schließlich mit dem Frieden von Zsitvatorok im Jahre 1606, der keiner Seite großartige territoriale Gewinne zugestand, allerdings als Wendepunkt in den Beziehungen der Beziehungen zu den Osmanen angesehen wird: Der König wurde vom Sultan “als gleichberechtigter Herrscher” anerkannt. (Kohler: Das Reich im Kampf um die Hegemonie in Europa 1521-1648, 1990, S. 28f.) Unter den Habsburgern allerdings war der Friedensschluss umstritten.

Chronik: 16. Jahrhundert – 1580

1580: Michel de Montaigne: Essais
1580 veröffentlichte der französische Schriftsteller und Philosoph Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592) seine Hauptschrift, die “Essais”. Mit seinen subjektiven und locker geschriebenen Reflexionen über Philosophie, Pädagogik, Psychologie, Literatur, Politik u.a. schuf er ein neues literarisches Genre: den Essay. In den folgenden Jahren erweiterte er sein Werk noch.

Quelle
Montaigne: Essais (französische Ausgabe von 1828), Google Books

1580: Konkordienbuch
Um die zahlreichen innerlutherischen Streitigkeiten (s. 1548: Streitigkeiten im Luthertum) zu überwinden, wurde ein Paket unterschiedlicher Schriften geschnürt, die in ihrer Gesamtheit als Grundlage lutherischer Theologie dienen sollte: das Konkordienbuch. Das Buch umfasste die Formual Concordiae von 1577, altchristliche Glaubensbekenntnisse, Luthers Katechismen, die Schmalkaldischen Artikel, die Confessio Augustana von 1530 und einzelne Schriften Melanchthons. (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 196)

1580: Ächtung Wilhelms von Oranien
Der spanische König Philipp II. spricht über Wilhelm von Oranien die Acht und setzt gar ein Kopfgeld aus, da er annahm, dass Wilhelm die Provinzen, die sich in der Utrechter Union (siehe 1579: Union von Arras / Utrechter Union / Teilung der Niederlande) zusammengeschlossen hatte, von Spanien lösen wollten.

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