Rezension: Amy Dempseys Blick auf den weiblichen Körper in der Kunst
Wie werden Frauen in der Kunst dargestellt – als idealisierte Schönheiten, symbolträchtige Figuren oder selbstbewusste Individuen? Diese Frage steht im Zentrum von Amy Dempseys neuem Bildband „Der weibliche Körper in der Kunst“, den Rolf Löchel auf Literaturkritik.de rezensiert. Anhand von 80 Werken – von Botticellis Geburt der Venus bis zu zeitgenössischen Fotografien – zeigt die Kunsthistorikerin, wie sich die Darstellung weiblicher Körper über die Jahrhunderte verändert hat. Dabei wird deutlich: Während Männer lange den Blick auf die Frau prägten, brachen Künstlerinnen spätestens mit der feministischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts mit diesen Klischees.
Dempsey beleuchtet nicht nur bekannte Meisterwerke, sondern lenkt den Fokus auch auf vergessene Künstlerinnen wie Leonor Fini oder Sofonisba Anguissola. Ihr Band macht deutlich, wie Kunst gesellschaftliche Normen spiegelt – und manchmal herausfordert. Ob als Madonna, Femme fatale oder selbstbestimmte Protagonistin: Die Frau bleibt eines der faszinierendsten Motive der Kunstgeschichte. Doch wer entscheidet, wie sie gezeigt wird? Und warum sind nackte Frauen in Museen bis heute allgegenwärtiger als Werke von Künstlerinnen? Eine informative und anregende Reise durch die Geschichte der Frauendarstellungen, die zum Nachdenken und Entdecken einlädt – aber auch so manche Schwachstelle hat, wie Löchel betont.