475. Todestag des Reformators Martin Bucer

Unbekannt, deutsche Schule: Portrait Bucers. The University of Edinburgh Art Collection, etwa 1650–1689. Wikimedia Commons, public domain
Meldungen, Artikel und Biografien zu Martin Bucer (1491-1551)
In der Nacht vom 28. Februar zum 1. März 1551 verstarb der Reformator Martin Bucer – also vor genau 475 Jahren. WebHistoriker.de hat ein paar Informationen zum Todestag zusammengestellt.
Aktuelle Artikel
epd: Der vergessene Reformator – Vor 475 Jahren starb Martin Bucer
Laut einer Meldung von Alexander Lang (epd) auf katholisch.de und evangelisch.de (beide 28. Februar 2026) war der Reformator Martin Bucer (1491–1551) eine Schlüsselfigur der Reformation im Elsass, wo er in Straßburg die evangelische Kirchenordnung prägte und als Erfinder der Konfirmation gilt. Obwohl er als Brückenbauer zwischen lutherischer und reformierter Theologie wirkte, ist Bucer in Deutschland heute fast vergessen, während er im Elsass als wichtiger Reformator gefeiert wird. Sein rastloses Leben führte ihn von der Flucht aus dem Bistum Speyer über Straßburg bis ins englische Exil, wo er 1551 starb. Kirchenhistoriker wie Johannes Ehmann und Marc Lienhard betonen seine Bedeutung für die protestantische Einheit, kritisieren aber, dass seine komplexen Schriften und die späte Forschung dazu beitrugen, dass er im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent ist.
Linktipps: Biografisches
Internetportal Rheinische Geschichte
Der Artikel von Siegfried Hermle über Martin Bucer auf rheinische-geschichte.lvr.de (veröffentlicht am 11. Januar 2010, zuletzt geändert am 20. Mai 2025) beschreibt Bucer als „großen Theologen des Dialogs“, der nach seiner Begegnung mit Luther 1518 in Heidelberg die Reformation maßgeblich prägte – besonders in Straßburg, wo er als Pfarrer, Kirchenordinator und Vermittler zwischen konfessionellen Lagern wirkte. Sein Leben war von Flucht, Exil und unermüdlichem Einsatz für die protestantische Einheit geprägt, etwa durch die Einführung der Konfirmation in Hessen (1538) oder seine gescheiterten Reformbemühungen in Köln (1542/43). Trotz seiner europäischen Vernetzung und dialogorientierten Theologie geriet Bucer nach seinem Tod 1551 in England zunehmend in Vergessenheit, da seine ausgleichsorientierte Haltung im Zeitalter der Konfessionalisierung an Bedeutung verlor. Der Beitrag von Siegfried Hermle hebt Bucers Rolle als Brückenbauer hervor, dessen Schriften und Wirken erst seit den 1950er Jahren systematisch aufgearbeitet werden. Hinweise zu Bucers Werke und Literatur (Druck und online) ergänzen den biografischen Artikel.
- Siegfried Hermle Martin Bucer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/martin-bucer-/DE-2086/lido/57c58a8e083458.53591656 (abgerufen am 08.03.2026)
Luther 2017: Vermittler zwischen Wittenberg und Zürich
Der Artikel von Marc Patzwald (epd) auf luther2017.de stellt Martin Bucer als unermüdlichen Vermittler zwischen den Reformatoren dar, der von Straßburg aus die protestantische Einheit förderte – besonders im Abendmahlstreit zwischen Luther und Zwingli. Statt auf konfessionelle Gräben setzte Bucer auf Dialog und betonte die gemeinsamen Grundlagen des Glaubens, auch wenn ihn dies oft zwischen die Fronten brachte. Als pragmatischer Theologe führte er 1539 in Ziegenhain die Konfirmation ein, um den Streit um die Säuglingstaufe zu entschärfen, und vertrat seine Positionen in dialogischen Schriften. Trotz seines Einsatzes für Ausgleich und Reform scheiterte er letztlich an der politischen Realität und endete verbittert im englischen Exil, wo er bis zu seinem Tod 1551 für kirchliche Erneuerung warb.
Siehe auch:
Schriften von Martin Bucers online
Die Bayerische Staatsbibliothek verzeichnet bei der Suche nach Werken von Martin Bucer insgesamt 344 Ergebnisse. Davon können 188 Schriften online eingesehen und gelesen werden.
Rezensionen
Rezension zu Martin Greschat: Martin Bucer. Ein Reformator und seine Zeit (1491-1551)
In seiner Rezension zu Martin Greschats Biographie „Martin Bucer. Ein Reformator und seine Zeit (1491–1551)“ auf H-Soz-Kult vom 10. August 2009 hebt Peer Frieß hervor, wie Greschat Bucers herausragende Rolle als elsässischer Reformator und prägende Gestalt der Straßburger Reformation eindrucksvoll darlegt. Die Biographie habe maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die historische Forschung intensiv mit Bucers Leben und Werk auseinandersetzt – etwa durch die Edition seiner Schriften und Briefe. Frieß betont, dass Greschats Arbeit Bucers Bedeutung als „Theologe des Dialogs“ und Vermittler zwischen konfessionellen Lagern in der Reformationsforschung verankert hat. Dank Greschats Impulsen sei Bucer in Fachkreisen mittlerweile zu einer festen Größe der Reformationsgeschichte geworden, was auch internationale Kongresse und zahlreiche Publikationen belegen.
- Peer Frieß, Rezension zu: Greschat, Martin: Martin Bucer. Ein Reformator und seine Zeit (1491-1551). Münster 2009 , ISBN 978-3-402-12780-3, in: H-Soz-Kult, 10.08.2009, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-12747
Zitate über Martin Bucer
- „Bucer wurde bald die Seele der Straßburger Reformation (…).“
(Helga Schnabel-Schüle: Die Reformation, 2006, S. 239 über Bucer, nachdem dieser am 31. März 1524 in Straßburg zum evangelischen Pfarrer gewählt worden war.) - „Dem unermüdlich um Vermittlung bemühten Straßburger Reformator Martin Bucer (….).“
(Heinz Schilling: Martin Luther, 2012, S. 406 über Bucer bei der Erstellung der Wittenberger Konkordie.) - „Dank des z.B. in der Abendmahlsfrage modifizierenden Einflusses Bucers hatte sich eine oberdeutsche Form der Reformation entwickelt, in der zwinglianische Elemente noch lange spürbar blieben.“
(Peer Frieß: Der Einfluss des Zwinglianismus auf die Reformation der oberschwäbischen Reichsstädte. In: Zwingliana: Beiträge zur Geschichte des Protestantismus in der Schweiz und seiner Ausstrahlung 34, 2007, S. 5–27, hier S. 11.) - „Martin Bucer hat immer wieder versucht, Gegensätze im reformatorischen Lager zu überbrücken, um der reformatorischen Bewegung mehr Durchschlagskraft zu verleihen.“
(Ebd., S. 19) - „Stattdessen rückte Martin Bucer in den Mittelpunkt, der in unermüdlichem diplomatischem Bemühen ein Netzwerk unter den Reformatoren im Südwesten schuf und dieses zugleich – um vieles kompromissbereiter als Zwingli – mit den Wittenbergern verknüpfte.“
(Volker Leppin: Die Reformation. 2., aktualisierte Auflage. Darmstadt 2017, S. 95) - „Hier wurde nun die Kompromissfähigkeit Martin Bucers ausschlaggebend, die freilich von manchen seiner Weggefährten auch als zu große Nachgiebigkeit empfunden wurde (…)“
(Ebd. S. 95 f.) - „Dem Straßburger Reformator Martin Bucer gebührt der Rang als dritter deutscher Reformator nach Luther und Melanchthon.“
(Martin H. Jung: Reformation und Konfessionelles Zeitalter (1517–1648). Göttingen 2012, S. 104) - „Gleichwohl kommt ihm eine eminente theologiegeschichtliche Bedeutung zu, weil Calvin von ihm wesentliche theologische Lehren übernommen hat, und zwar in einem Maße, dass man Bucer eigentlich als den originelleren der beiden Reformatoren bezeichnen müsste.“
(Ebd., S. 106)
