Aktuelle Literatur, Beiträge und Artikel über Niccolò Machiavelli (1469–1527)

Santi di Tito (1536–1603): Portrait of Niccolò Machiavelli (1550–1600); Wikimedia commons, public Domain
Interview mit Philipp Hölzing (Autor von „Republikanismus und Radikalismus“)
Wie lässt sich das Recht des Stärkeren in eine gute, eine gerechte Regierungsform überführen? In einem Gespräch von Simone Miller mit Philipp Hölzing geht der Autor des aktuellen Buches über Machiavelli, „Republikanismus und Radikalismus“, auf das Bild des Staatsphilosophen aus dem 15./16. Jahrhunderts ein: eines Verfechters des skrupellosen Alleinherrschers (gemäß seinem Werk „Il Principe“ von 1513). Hölzer, Philosoph, Ideenhistoriker und Lektor im Wissenschaftslektorat des Suhrkamp Verlags, hält dieses Bild nicht für „vollkommen falsch“, aber für unvollständig. Es gebe in der aktuellen Forschung differenziertere Beschreibungen, die Machiavelli auch als Republikaner, als Denker der Freiheit sehen. Aufgrund der Krise des Liberalismus in unseren Tagen erscheint dem Autor Hölzer eine Beschäftigung mit diesem Denker mehr als berechtigt und zielführend.
Michael Lindner: Republik statt Fürstenmacht: Machiavelli neu gelesen
In seinem Artikel bei Telepolis sieht Michael Lindner, Seniorwissenschaftler an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) im Bereich Monumenta Germaniae Historica (MGH), mehr als einen Vordenker einer skrupellosen Machtpolitik. Lange Zeit sei in Deutschland seine Schrift „Discorsi“ – seine Erörterungen über die erste Dekade des Titus Livius, des römischen Geschichtsschreibers (um 60 v. u. Z. bis um 20 u. Z.) – zu sehr im Lichte seiner Schrift „Il Principe“ (Der Fürst, 1513) gelesen worden. Vermeidet man gerade dies, sein ein Machiavelli zu erkennen, der klares Bekenntnis zur Republik als wünschenswerter Staatsform abgegeben habe. Michael Lindner verknüpft diese Erkenntnisse mit derzeitigen Diskussionen um Aufrüstung, geostrategischen Herausforderungen und Reformbemühungen rund um die Bürokratie.
Rezension von Peter Sloterdijks Buch „Der Fürst und seine Erben“
Im Interview mit Philipp Hölzing (siehe oben) wird auch das aktuelle Buch des Philosophen, Kulturwissenschaftlers und Publizists Peter Sloterdijks erwähnt. Auf literaturkritik.de, einem deutschsprachigen Rezensionsforum und eine Literaturzeitschrift, hat Günther Doliwa Sloterdijks Werk ausführlich rezensiert. Es sei „auch für akademische Laien bekömmlich“, die jedoch auch Geduld mitbringen müssten, denn „wer als Leser den Taumel der Tagespolitik erwartet, wird zunächst enttäuscht.“ Die Geduld werde aber belohnt!
Eine weitere, wenngleich deutlich kürzere Rezension findet sich beim SRF (Schweizer Radio und Fernsehen). Autor Jan Opielka sieht in Sloterdijks Analyse einen großen Erkenntnisgewinn auch für die heutige Zeit.