Ausstellung in der Londoner National Gallery: Francisco de Zurbarán

Francisco de Zurbarán: Meditierender Hl. Franziskus mit Totenschädel, ca. 1658 (Wikemedia commons, public domain)

Francisco de Zurbarán: Meditierender Hl. Franziskus mit Totenschädel, ca. 1658 (Wikemedia commons, public domain)

Alexandra Matzner, Gründerin und Chefredakteurin von ARTinWORDS, hat sich die Ausstellung „Zurbarán“ in der Londoner National Gallery angeschaut. Die Ausstellung ist, so die Autorin, die erste ihrer Art in Großbritannien und wurde in Kooperation mit dem Louvre und dem Art Institute of Chicago realisiert.

Matzner liefert aber auch eine Menge Informationen über den Maler und seine vielfältigen und unterschiedlichen Werke – vom monumentalen Altarbild über Andachtsbilder für Klöster bis hin zu seltenen Stillleben, die in Spanien damals kaum verbreitet waren. Besonders gewürdigt werden seine technische Brillanz, der Naturalismus und der Einfluss des Tenebrismus (Hell-Dunkel-Malerei im Stil Caravaggios), die ihm den Beinamen „Spanischer Caravaggio“ einbrachten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Zurbaráns Darstellung weiblicher Heiliger, die durch ihre realistischen Stoffe und Texturen (wie Wolle, Stickereien oder Leder) bestachen. Sein Interesse für Textilien könnte auf die Tätigkeit seines Vaters als Kurzwarenhändler zurückgehen.

Die theologische Debatte um die Immaculata wird detailliert erläutert: Zurbarán hielt sich zwar an den von Francisco Pacheco festgelegten Kanon (weißes Kleid, blauer Mantel, Mondsichel, Sternenkranz), verleiht seinen Darstellungen aber eine skulpturale, greifbare Präsenz, die die Reinheit Marias als reale Tatsache erscheinen lässt.

Zudem verweist die Autorin auch auf Zurbaráns Spätwerk, das durch ein weicheres Kolorit und den Einfluss von Murillo und Raffael geprägt ist, und auf seine Arbeit für den Madrider Hof.

Die Ausstellung ist bis zum 23. August 2026 in der National Gallery zu sehen und bietet eine einmalige Gelegenheit, Zurbaráns Werk in seiner ganzen Bandbreite zu erleben – von den monumentalen Altarbildern bis zu den zarten Stillleben und Andachtsbildern.

weitere Informationen auf den Seiten der Londoner National Gallery

Linktipps zur Ausstellung und zu Francisco de Zurbarán

Andreas Hartmann hat in der Frankfurter Rundschau ebenfalls eine Kritik zur Londoner Ausstellung verfasst. Seine Meinung: Eine „atemberaubende Londoner Schau“, bei der es dem Kuratorenteam hoch anzurechnen sei, dass lediglich rund 50 Werke ausgewählt wurden. Dies werde Zurbaráns intensiver Kunst weitaus gerechter, seinen leuchtenden Farben, den von ihm neu erfundenen Motiven und seinem subtilen Pinselstrich.“ Die Inszenierung sei durch die effektvolle Ausleuchtung sehr gelungen.

Die Online-Enzyklopädie für visuelle Kunst, WikiArt.org, bietet eine Vielfalt der Bilder Zurbaráns, jeweils mit kurzen Angaben zu Erstellungsdatum, Stilrichtung, Genre.

2015/16 war in Düsseldorf eine Ausstellung zu Zurbarán zu sehen. Ein ausführlicher Bericht von Caroline Mang und Julia Strobl liefert auch viel Wissenswertes zum Künstler. Zur Ausstellung erschien auch der Katalog „Zurbarán. Herausgegeben von Mar Borobia, Odile Delenda und Beat Wismer. Verlag Hirmer, 2015“.