Wie St. Gallen und Appenzell im 16. Jahrhundert mit „Fake News“ kämpften

Falschmeldungen und gezielte Provokationen sind kein Phänomen der Moderne – das beweist ein Blick in die Archive der Stadt St. Gallen. Wie das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde in seiner Serie „Missive des Monats“ auf missiven.stadtarchiv.ch zeigt, nutzten schon die Eidgenossen des 16. Jahrhunderts gezielte Desinformation als Waffe. Ein dreiteiliger Beitrag beleuchtet, wie aus wirtschaftlicher Rivalität ein Krieg der Worte wurde.

St. Gallen und Appenzell, einst enge Verbündete im Kampf gegen die klösterliche Vorherrschaft, gerieten über die Handelsfreiheit aneinander. Während die Stadt St. Gallen als Textilmetropole am Bodensee den Markt dominierte, suchten die Appenzeller nach Unabhängigkeit – und griffen zu ungewöhnlichen Mitteln. So verbreitete sich das Gerücht, ein ehemaliger Landammann habe ein erbeutetes St. Galler Banner heimlich zurückverkauft, eine Schmach für die unterlegene Stadt. Doch Beweise? Fehlanzeige. Die Anklage blieb hängen, der Schaden für das Ansehen St. Gallens war da.

Als ein St. Galler Drucker 1579 einen Kalender mit dem Appenzeller Wappen veröffentlichte, sahen die Landleute darin eine Beleidigung – der Bär sei als „Bärin“ dargestellt, ein Symbol für Unterwerfung. Heraldiker widersprachen, doch die Stimmung war vergiftet. Hinter den Vorwürfen steckten stets dieselben Konflikte: Zölle, Handelsmonopole und der Kampf um wirtschaftliche Vorherrschaft.

Die «Missive des Monats» enthüllt, wie selbst in der alten Eidgenossenschaft mit Ehrverletzungen und symbolischen Schlachten um Macht gekämpft wurde. Ein faszinierender Einblick in die Psychologie der frühen Neuzeit.

zur Meldung von Stefan Sonderegger auf stgallen24.ch