Kunst und Kommerz: Wie der Markt die Kunstgeschichte prägte – Ausstellung in Wien
Der Kunstmarkt gilt oft als undurchsichtig oder gar unseriös. Doch wie Olga Kronsteiner in „Der Standard“ zeigt, war er seit jeher ein zentraler Motor der Kunstgeschichte. Die Ausstellung „Noble Begierden – Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts“ im Wiener Gartenpalais Liechtenstein (noch bis 6. April zu sehen) beweist: Ohne Handel, Strategien und Vermarktung gäbe es viele Meisterwerke heute nicht.
Von den ersten Kunstmessen im Antwerpen des 15. Jahrhunderts über die Massenproduktion im „Goldenen Zeitalter“ der Niederlande bis zu legendären Auktionen wie der Versteigerung von Lucas van Uffels Sammlung 1639 – die Schau spannt einen Bogen über 2.000 Jahre. Sie enthüllt, wie Künstler wie Rembrandt oder Händler wie die Medici nicht nur Kunst schufen, sondern auch Märkte. Und wie scheinbar trockene Aufzeichnungen – etwa die Werkstattbücher des Florentiner Malers Neri di Bicci – plötzlich die Preisgestaltung, Materialwahl und Arbeitsabläufe der Renaissance lebendig werden lassen.
Über 200 Exponate, darunter Leihgaben aus London, Madrid und Braunschweig, erzählen von einem System, das Kreativität und Kalkül vereinte: Wie ersetzte man teures Lapislazuli durch Azurit? Warum hingen in Amsterdamer Bürgerhäusern durchschnittlich 37 Gemälde? Und wie wurde Raffaels Porträt des Baldassare Castiglione zum Spekulationsobjekt – mit Folgen bis in Rembrandts Selbstbildnisse?
Die Ausstellung ist nicht nur eine Hommage an die Kunst, sondern auch an ihre unsichtbaren Akteure: die Händler, Sammler und Auktionatoren, die den Kanon mitprägten. Ein Muss für alle, die verstehen wollen, warum Kunst ohne Kommerz kaum denkbar ist.
zur Meldung von Olga Kronsteiner auf der Website von „Der Standard“