Das historische Drama „Rose“ auf der Berlinale 2026: Eine Frau im Dreißigjährigen Krieg
Informationen und Rezensionen zum Film, Link und Literaturtipps zum Thema „Frauen und Kriege in der Frühen Neuzeit“

Szene aus dem Film „Rose“ (2026); © Schubert, ROW Pictures, Walker+Worm Film, Gerald Kerkletz
Inhalt des Films „Rose“
Der Film „Rose“ spielt im 17. Jahrhundert. Ein Soldat kehrt aus dem (Dreißigjährigen) Krieg in ein abgelegenes protestantisches Dorf zurück und gibt sich als Mann aus. Rose trägt Papiere, die sie als Erben eines verfallenen Gutshofs ausweisen. Ihr Gesicht ist durch eine Schussverletzung entstellt, eine Narbe zieht sich von der Wange bis zum Mundwinkel. Die Dorfgemeinschaft nimmt den Fremden widerwillig auf, nachdem die Berechtigung der Erbpapiere geprüft wurde.
Rose beginnt, den Hof zu bewirtschaften und ihn wieder aufzubauen. Nach einiger Zeit plant sie, das Land zu erweitern. Der benachbarte Großbauer bietet ihr zusätzliches Land an – unter der Bedingung, dass Rose seine Tochter Suzanna heiratet. Rose willigt ein, obwohl sie ihre wahre Identität verbergen muss. Um die Ehe zu vollziehen, greift Rose zu einer Täuschung, um den Anschein von Geschlechtsverkehr zu erwecken. Suzanna glaubt daraufhin, schwanger zu sein. Später stellt sich heraus, dass Suzanna tatsächlich ein Kind erwartet, das jedoch nicht von Rose stammt.
Im Laufe der Zeit entwickelt sich zwischen Rose und Suzanna eine besondere Beziehung. Beide Frauen teilen Geheimnisse und unterstützen sich gegenseitig. Als Rose jedoch ohnmächtig wird, entdeckt Suzannas Familie, dass Rose biologisch eine Frau ist.
Die Geschichte basiert auf historischen Dokumenten über Frauen, die sich als Männer verkleideten. Für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle erhielt Sandra Hüller auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären.
WebHistoriker bietet Inhaltsangaben von mehreren Filmrezensionen sowie Link- und Literaturtipps über Frauen in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges.
Kritiken zum Film „Rose“
SWR: „In der Hose war mehr Freiheit“ – Sandra Hüller in „Rose“. Historisches Drama in schwarz-weiß auf der Berlinale
Autorin / Quelle: Julia Haungs (Redakteurin, Moderatorin und Autorin bei SWR Kultur) / SWR.de
Veröffentlichungsdatum: 16.02.2026
Julia Haungs bespricht auf SWR.de Markus Schleinzers Historienfilm „Rose“, der auf der Berlinale im Wettbewerb lief. Im Zentrum steht Sandra Hüllers Darstellung einer Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann ausgibt, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Der Film überzeuge durch seine „nüchtern[e], aber immer wieder mit lakonischem Witz“ erzählte Geschichte einer Selbstermächtigung, die Haungs als „Highlight im Wettbewerb“ bezeichnet. Vor allem die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin imponiere: Sandra Hüller verleihe der Figur „Tiefe und große Menschlichkeit“, obwohl sie als Mann „nur das Nötigste“ spricht. Ihre körperliche Präsenz macht die innere Zerrissenheit spürbar: „(…) nach außen das herrische Gebaren, um als Mann zu überzeugen, darunter stets die Angst, in einer frauenfeindlichen Welt als Frau enttarnt zu werden.“ Zudem knüpfe der Film trotz historischem Setting an heutige Debatten um Gender und Selbstbestimmung an.
Kino-Zeit: Rose (2026). Rollenwechsel und Rollenspiele – Gefangen in einer Männerwelt
Autorin / Quelle: Joachim Kurz (Redaktionsleiter des Arthouse-Filmportals kino-zeit.de) / Kino-Zeit.de
Veröffentlichungsdatum: o. Datum
Joachim Kurz sieht in Markus Schleinzers „Rose“ einen starken Film, „geprägt von großem Stilwillen und fantastischen Bildern“. Eine „wundervoll modulierende“ Stimme von Marisa Growaldt führt durch die Geschichte mit der Hauptdarstellerin Sandra Hüller, die die Person Rose „grandios“ spiele. Auch die Schauspielerin Caro Braun sei, als Suzanna, eine „echte Entdeckung“. Beide tragen die „zwingende“ Erzählung, die zwischen „Tragik und Komik“ balanciere. Fazit: „Rose“ sie der „Höhepunkt von Schleinzers bisherigem Schaffen“ und ein „Highlight der Berlinale“.
rbb.24: Karg, finster – und eine darstellerische Leistung, die in die Magengrube fährt
Autorin / Quelle: Fabian Wallmeier (Filmkritiker) / rbb24.de
Veröffentlichungsdatum: 15.02.2026
Auf der Website des Rundfunks Berlin-Brandenburg hält es der Filmkritiker Fabian Wallmeier für „schwer vorstellbar, dass diese Leistung keine Erwähnung finden wird“, wenn die Jury über den „Silbernen Bären“ entscheidet: Wallmeier meint die schauspielerische Leistung Sandra Hüllers, die „die Konsequenz, mit der sich Rose durch ihre grundlegende Täuschung ein von ständigem Selbstverzicht geprägtes Leben auferlegt, plastisch greifbar“ mache. Die Erzählstimme wirke „seltsam aufgeblasen“ und irritierend, sie erzeuge neben dem Schwarz-Weiß eine zusätzliche Distanz. Wie in Schleinzers früheren Werken gehe es „um universelle Fragen nach Geschlechtsidentität, Geschlechtergerechtigkeit und den Preis, den man zahlen muss, um unter widrigen Umständen ein selbstbestimmtes Leben zu führen.“
tipBerlin: „Rose“ mit Sandra Hüller: Queeres Drama im Nachhall des Dreißigjährigen Krieges
Autorin / Quelle: Stefanie Dörre (Autorin bei tipBerlin) / tipBerlin.de
Veröffentlichungsdatum: 15.02.2026
Ein „gewagter Film mit einer sensationellen Sandra Hüller“ sei Markus Schleinzers „Rose“, meint Stefanie Dörre auf tipBerlin.de. Der Film erzähle eher künstlich als realistisch und historisch, mit elaborierter Sprache und in Schwarzweiß – und thematisiert hochaktuell „Queerness, Genderfluidität, Transgeschlechtlichkeit und Emanzipation“, ohne die Begriffe zu nennen. Die schauspielerische Leistung Hüllers – „hässlich, unsympathisch, enigmatisch“ – sei „ein erneutes Wagnis“: „sperrig, überraschend und singulär“.
Link- und Literaturtipps zum Thema „Frauen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges / der Frühen Neuzeit“
Identifying Maritime Women in the Age of Sail
„Identifying Maritime Women in the Age of Sail“ ist ein Blog über seefahrende und seereisende Frauen in der Frühen Neuzeit – mit einer aufbereiteten Auswahl historischer Beispiele, „die auf Briefe, Tagebücher, Reiseberichte, Logbücher, Verwaltungsschriftgut aber auch zeitgenössische Darstellungen maritimer Heldinnen in Wort und Bild zurückgehen“ (s. „Über den Blog“).
Darin finden sich u.a. Beiträge der Reihe “In Männerkleidern – Frauen in Kriegen und auf See in der Frühen Neuzeit” aus dem gleichnamigen Seminar an der Universität Trier:
- Nils Rath: Trossfrauen in der Frühen Neuzeit – Der Fall Christian Davies
Nils Rath erklärt zunächst, was Trossfrauen sind (Sie begleiteten die Heere im Tross, „plünderten, handelten und pflegten die Verwundeten“) und fragt anschließend, wer diese Trossfrauenwaren, welche Herausforderungen sie sie bewältigen mussten und geht dann dem Fall einer Trossfrau nach: „Christian Davies, besser bekannt als Mother Ross, die als Trossfrau in der Wende zum achtzehnten Jahrhundert einen Lebensbericht voller detaillierter und eindrucksvoller Anekdoten hinterlassen hat.“
zu Teil 1 (oben rechts auf der Seite geht es zu Teilen 2 bis 4) - Rebecca Ruf: Verlorene Identität. Frauen in Männerkleidern am Beispiel von Robert S. Kirbys Mary Ann Talbot
Rebecca Ruf liefert zunächst (Teil 1) einen kleinen Überblick über Frauen in Männerkleidung im frühneuzeitlichen Europa: „Dies geschah häufiger, als man denken würde, die Motive für dieses Verhalten waren vielfältig und nicht immer freiwilliger Natur.“ In einem zweiten Teil analysiert und interpretiert sie eine Textquelle mit der Leitfrage, „inwieweit Geschlechterrollen im historischen Kontext disponibel erscheinen.“
zu Teil 1 (oben rechts auf der Seite geht es zu Teil 2) - Oksana Petruk: „Throw off the Restraint our Sex lies under“: Wie eine Frau in Männerkleidung namens Christian Davies die Geschlechterordnung zugleich herausforderte und bestätigte
Auch Oksana Petruk thematisiert die Trossfrau Christian Davies, die „dreizehn Jahre ihres Lebens als Mann verkleidet agierte“, und das Phänomen „Frauen in Männerkleidung“ allgemein. Anschließend wird die Quelle „The Life and Adventures of Mrs. Christian Davies“ kritisch analysiert: Untersucht wird die „Vorstellung von den Geschlechterrollen“ und die „Normen von Männlichkeit und Weiblichkeit sowie Modelle von romantischen Beziehungen in der damaligen Zeit“. - zu Teil 1 (oben rechts auf der Seite geht es zu Teil 2 und 3)
Von Frauen in Kriegen und bewaffneten Auseinandersetzungen
Anja Schöggls Magisterarbeit aus dem Jahr 2014 beinhaltet einen theoretischen Teil über Söldnerinnen und Soldatinnen und erläutert anschließend die Entstehung und Entwicklung von Söldnerheeren, „die unter Kaiser Maximilian I. entstanden“. Sind Frauen als Söldnerinnen oder Kämpferinnen im Krieg ein Phänomen der Gegenwart oder gab es sie nicht schon immer?
Stefanie Fabian: Zwischen Schutzbedürftigkeit, Ermannung und Pragmatismus
Weibliche Handlungsspielräume und Überlebensstrategien im Dreißigjährigen Krieg.
Der Aufsatz von Stefanie Fabian aus dem Jahr 2024, der auf ihrer Dissertation basiert, findet sich in dem Buch „Mitten in Deutschland, mitten im Krieg. Bewältigungspraktiken und Handlungsoptionen im Dreißigjährigen Krieg“, herausgegeben von Astrid Ackermann, Markus Meumann, Julia A. Schmidt-Funke und Siegrid Westphal (Berlin/Boston 2024, S. 169-198). Fabian untersucht aus historisch-anthropologischer und genderhistorischer Perspektive die Handlungsspielräume von Frauen während des Dreißigjährigen Krieges. Wie sahen ihre alltäglichen Aufgaben unter den extremen Bedingungen des Krieges aus, wie ihr aktives Handeln in Krisen- und Bedrohungssituationen? Analysiert hat die Autorin Personalien in Leichenpredigten, Verwaltungsschriftgut und Selbstzeugnissen und strebt damit – mit konkreten Beispielen – ein vielschichtiges Spektrum weiblicher Handlungsfelder und Strategien an – über die gängigen Zuschreibungen von Frauen als bloße Opfer oder Schutzbedürftige hinaus. Ein Beitrag für die Erforschung der Geschlechtergeschichte des Krieges in der Frühen Neuzeit.
Waltraud Maierhofer: Hexen – Huren – Heldenweiber. Bilder des Weiblichen in Erzähltexten über den Dreißigjährigen Krieg
Wie der Titel des Werks von der Literaturwissenschaftlerin Waltraud Maierhofer bereits andeutet, geht es um Texte und die damit erzeugten Bilder, wie Frauen, die zur zeit des Dreißigjährigen Krieges gelebt haben, in einer bestimmten Zeit und in bestimmten Literaturgattungen gesehen wurden: Es geht um das Bild des Weiblichen in der deutschsprachigen Literatur seit dem 18. Jahrhundert: Nach Maierhofer setzte sich seit dieser Zeit die „Vorstellung einer friedfertigen Weiblichkeit“ durch: „begehrenswerte Jungfrauen, sanftmütige Ehefrauen und hingebungsvolle Mütter“. Laut Rezension der Informations- und Kommunikationsplattform für Historiker:innen H-Soz-Kult weckt die Studie „Lust sowohl auf mehr Hexen, Huren und Heldenweiber“.
Ab März 2026: Karen Hagemann: Vergessene Soldatinnen. Frauen im Militär und in den Kriegen Europas seit 1600.
Das Buch erscheint im März 2026. Das erste von vier Kapiteln beschäftigt sich mit dem Zeitbereich der Frühen Neuzeit: Trosserinnen, Marketenderinnen und Amazonen: Frauen in den frühneuzeitlichen Heeren des 17. und 18. Jahrhunderts. Vorwort und ein großer Teil der Einleitung können auf der Seite des Suhrkamp Verlags gelesen werden.
