Voynich-Manuskript: Ein neuer Ansatz zur Entschlüsselung

Thomas Bergmayr berichtet in der Online-Ausgabe der österreichischen Zeitung „Der Standard“ über einen vielversprechenden Ansatz zur Lösung eines der größten historischen Rätsel: das Voynich-Manuskript. Seit dem 15. Jahrhundert gibt die Handschrift, die heute in der Beinecke-Bibliothek der Yale-Universität aufbewahrt wird, Forscher:innen Rätsel auf. Die unlesbaren Texte und surrealen Illustrationen von Pflanzen, Sternzeichen und badenden Frauen scheinen zwischen Wissenschaft, Alchemie und Fantasie zu oszillieren. Doch ist der Inhalt überhaupt entschlüsselbar – oder handelt es sich um einen aufwendigen Scherz?

Der Wissenschaftsjournalist Michael Greshko stellt im Fachjournal *Cryptologia* eine innovative These vor: Der Text könnte mithilfe einer selbst entwickelten Chiffre verschlüsselt worden sein, die auf Würfelwürfen und Spielkarten basiert. Sein Modell „Naibbe“, inspiriert von einem italienischen Kartenspiel des 14. Jahrhunderts, wandelt lateinische oder italienische Texte mithilfe von Zufallsprinzipien in Zeichenfolgen um. Diese weisen statistisch auffällige Ähnlichkeiten mit dem Voynich-Text auf – etwa in der Häufigkeit der Zeichen und der Wortlängen.

Greshkos Methode reproduziert den Originaltext zwar nicht vollständig, bietet aber eine plausible Erklärung, wie das Manuskript mit mittelalterlichen Mitteln erstellt worden sein könnte. Er betont, dass seine Chiffre keinen endgültigen Schlüssel darstellt, aber als „Referenzmaßstab“ dienen könne, um die Unterschiede zum Original zu analysieren. Damit rückt die Möglichkeit, dass das Manuskript tatsächlich eine Bedeutung trägt, wieder in den Fokus – auch wenn Experten wie der niederländische Voynich-Forscher René Zandbergen weiterhin skeptisch bleiben.

Ob das Voynich-Manuskript eine verschlüsselte Botschaft oder ein elaborierter Hoax ist, bleibt vorerst offen. Doch Greshkos Ansatz zeigt: Das berühmte Rätsel gibt seine Geheimnisse nur widerwillig preis.

zur Meldung von Thomas Bergmayr im Standard