Antijüdische Darstellungen in der Passionsgeschichte: Wie Kunst und Liturgie Vorurteile prägten

Am Beispiel der Vertreibung der Händler aus dem Tempel und der Geißelung Jesu zeigt das Institut für kirchliche Ämter und Dienste der Katholischen Kirche Kärnten auf, wie bildliche Darstellungen der Passion Christi über Jahrhunderte antijüdische Vorurteile verstärkten. Klaus Einspieler und Michael Kapeller analysieren, wie mittelalterliche Wandmalereien – etwa im Dom zu Gurk oder in der Pfarrkirche Maria Gail – biblische Szenen gezielt umdeuteten: Händler und Peiniger Jesu werden hier durch „Judenhüte“ als jüdisch markiert, obwohl die Evangelien diese Rolle Römern oder unspezifischen Gruppen zuweisen. Besonders die Gurker Darstellung der Tempelreinigung, entstanden um 1340, verschärft die Gewalt gegen jüdische Figuren – eine bedenkliche Parallele zu realen Pogromen wie in Wolfsberg 1338.

Die Wurzeln dieser Verzerrung reichen bis in die frühe Kirche zurück. Während die Evangelien innerjüdische Konflikte spiegeln, wurden ihre Texte ab dem 2. Jahrhundert zunehmend antijüdisch gelesen. Bischof Melito von Sardes prägte die Kollektivschuldthese, die Juden pauschal als „Gottesmörder“ brandmarkte. Liturgische Praktiken wie die Improperien – Klagelieder am Karfreitag – festigten dieses Narrativ, indem sie alttestamentliche Heilstaten mit der angeblichen Schuld der Juden am Tod Jesu kontrastierten. Erst seit den 1970er-Jahren wurden diese Texte reformiert, um ihre antijüdische Spitze zu entschärfen.

Die Analyse macht deutlich: Kunst und Liturgie waren nicht nur Spiegel, sondern auch Verstärker von Vorurteilen. Sie zeigt, wie theologische Deutungen und künstlerische Freiheit gemeinsam ein Bild prägten, das bis in die NS-Propaganda nachwirkte – und warum die Aufarbeitung dieser Tradition heute unverzichtbar ist.

zur Meldung des Instituts für kirchliche Ämter und Dienste (Katholische Kirche Kärnten)

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