Barocke Pracht und lebendige Geschichte: Das Schlosstheater Drottningholm
Sylvia Schreiber stellt in einer neuen Sendereihe auf BR-KLASSIK eines der letzten original erhaltenen Barocktheater Europas vor: das Schlosstheater Drottningholm bei Stockholm. Eröffnet 1766 als Statussymbol des schwedischen Königshauses, ist es heute ein lebendiges Zeugnis der Theaterkultur des 18. Jahrhunderts – mit einer Besonderheit: Es wurde nie modernisiert. Besucher betreten durch schmale Gänge und gemütliche Stuben, die wie aus der Zeit gefallen wirken, einen Zuschauerraum, der mit verschnörkelten Balkonen für die Königsfamilie und schlichten Holzbänken für das Volk die gesellschaftlichen Hierarchien der Epoche widerspiegelt.
Theaterführer Carl Ivinger betont, dass das Haus nicht nur ein Spielort, sondern auch ein Wohnraum war – und bis heute im Originalzustand erhalten blieb. Unter der Bühne offenbart sich das „Herz des Theaters“: eine historische Bühnenmaschinerie aus Holz, Seilen und Kurbeln, die von Schiffbauern entworfen wurde und noch immer funktioniert. Bühnenmeister Christer Nilsson erklärt, wie die Technik Szenenwechsel in Sekunden ermöglicht – schneller als manche moderne Opernbühne. Die knarrenden Kulissen und handgefertigten Wellen, die an die Ostsee erinnern, sind Markenzeichen des Hauses.
Nach der Ermordung König Gustavs III. Ende des 18. Jahrhunderts verfiel das Theater für über hundert Jahre in einen „Dornröschenschlaf“. Erst im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und ist seitdem ein gefragter Spielort. Wer keine Karte ergattern kann, kennt es vielleicht aus Ingmar Bergmans Verfilmung von Mozarts Zauberflöte. Hier erlebt man Barocktheater nicht nur als Museum, sondern als lebendige Tradition – inklusive schwedischer Sauna-Atmosphäre an heißen Tagen.