Graz: Wie die Habsburger Hofkapelle Europa prägte

In einem Artikel für den österreichischen Standard beschreibt der Autor Mar­tin Ste­pa­nek, wie sich ab 1564 der Grazer Hof unter Erzherzog Karl zu einem kulturellen Zentrum entwickelte, das die Musikrevolution aus Italien nach Nordeuropa brachte. Daran beteilgt war – besonders die Hofkapelle mit italienischen Musikern wie Annibale Padovano, der den progressiven italienischen Stil einführte und die bis dahin dominierende franko-flämische Tradition ablöste. Diese Blütezeit, die Graz für ein halbes Jahrhundert zum musikalischen Vorreiter machte, geriet jedoch in Vergessenheit, da die Forschung sich später auf Wien und Salzburg konzentrierte.

Ein aktuelles Forschungsprojekt der Kunstuniversität Graz will diese Epoche (1564–1619) aufarbeiten: Es untersucht nicht nur die Notenschätze, sondern rekonstruiert auch die Aufführungspraxis – etwa durch eine Messe von Padovano am 11. Mai im Grazer Dom, bei der ein Gerüst den historischen Lettner nachahmt, um die originale Akustik und räumliche Anordnung der Musiker zu simulieren. Ergänzt wird das Projekt durch ein 3D-Modell des Doms, das per VR-Brille erlebbar macht, wie die Musik damals klang.

zum Artikel von Martin Stepanik für den Standard auf pressreader.com