Archäologen entdecken Galgenstätte des 16. Jahrhunderts in Grenoble
Was heute eine belebte Freifläche im Zentrum von Grenoble ist, war vor rund 500 Jahren ein Ort des Schreckens: Archäologen des französischen Instituts für präventive Archäologie (Inrap) haben dort die Überreste eines Galgens aus der Mitte des 16. Jahrhunderts freigelegt – samt den Skeletten dutzender Hingerichteter. Die Fundstätte, einst als Galgen von Port de la Roche bekannt, bestand aus einem massiven Fundament mit acht Steinpfeilern, die eine hölzerne Aufhängung trugen. Darunter fanden Forscher in zehn Gruben die Gebeine von 32 Männern und Frauen, achtlos übereinandergeworfen, einige von ihnen in Stücken – ein grausames archäologisches Zeugnis frühneuzeitlicher Strafpraxis.
Zunächst hielten Fachleute das Mauerwerk für ein Siechenhaus oder eine kleine Kapelle, bis historische Pläne aus den 1540er-Jahren Klarheit brachten. Die eigentlichen Hinrichtungen erfolgten demnach auf dem Place aux Herbes, während die Leichen später außerhalb der Stadt zur Schau gestellt wurden – als mahnendes Schauspiel öffentlicher Gerechtigkeit. Die Rekonstruktion dieser Stätte eröffnet einen seltenen Blick in eine Epoche, in der Macht, Religion und Gerichtsbarkeit ein tödliches Bündnis eingingen.
Die Meldung auf Spektrum.de wurde von Karin Schlott verfasst und basiert auf einer Pressemitteilung des Institut national de recherches archéologiques préventives (Inrap).