Der Leiermann: Wie die Hanse 1370 einen König in die Knie zwang

Im Sommer 1370 könnte ein Bund von Kaufleuten Geschichte geschrieben haben: In Stralsund hätten Gesandte der Hanse dem dänischen König Waldemar IV. gegenübergestanden – nicht als Bittsteller, sondern als Sieger. Fast ein Jahrzehnt soll der Krieg um Handelsrechte und Zölle gedauert haben, doch am Ende wäre es nicht das Schwert gewesen, das den Ausschlag gab, sondern die geschlossene Macht der Städte. Laut „Der Leiermann“, einer Kultur-Plattform mit Blog, würde der Frieden von Stralsund zum Symbol einer einzigartigen Epoche, in der Händler über Krieg und Frieden entschieden und ein König sich dem Willen von Bürgern beugen musste.

Doch wie wäre es Kaufleuten gelungen, die sonst über Heringe, Salz und Tuche verhandelten, einen der mächtigsten Herrscher Skandinaviens zu besiegen? „Der Leiermann“ deutet darauf hin, dass die Antwort in der doppelten Natur der Hanse liege: Sie sei Handelsgemeinschaft und politische Macht zugleich gewesen. Ihr Reichtum hätte sich aus dem „weißen Gold“ Lüneburgs, den Heringsmärkten Schonens und dem Getreide Danzigs gespeist – und aus der Fähigkeit, gemeinsam zu handeln, wenn diese Ressourcen bedroht waren. Salz, das im Mittelalter unersetzbar gewesen sei, wäre zur strategischen Waffe geworden; Hering, das „tägliche Brot des Nordens“, hätte die Ernährung ganzer Regionen gesichert; und Getreide aus dem Osten hätte die wachsenden Städte Westeuropas ernährt. Die Hanse hätte nicht nur die Handelswege beherrscht, sondern sie auch als Instrument der Macht genutzt.

„Der Leiermann“ beschreibt, wie der Aufstieg der Hanse auch eine Geschichte der Widersprüche gewesen sei: Sie hätte sich mit Piraten verbündet, die später zu ihren Feinden wurden, und Kriege ohne stehendes Heer geführt. Ihr Einfluss hätte sich von den Salinen Lüneburgs bis zu den Pelzmärkten Nowgorods, von den Heringsfängern Schonens bis zu den Kornspeichern Danzigs erstreckt.

zum Artikel des Blogs „Der Leiermann“

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