Leonardo da Vincis genetischer Fingerabdruck? Forscher finden männliche DNA auf berühmter Zeichnung
Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Harinder Singh, Seesandra V. Rajagopala, Rebecca Hart, Pille Hallast und Mark Loftus könnte einen Schlüssel zur Entschlüsselung von Leonardo da Vincis Erbgut gefunden haben. Wie der Wissenschaftsjournalist Daniel AJ Sokolov berichtet, entdeckten die Wissenschaftler auf der Rückseite einer da Vinci zugeschriebenen Kreidezeichnung – dem „Heiligen Kind“ – männliche DNA-Spuren. Die um 1474 entstandene Zeichnung wurde mit forensischen Methoden untersucht, die zuvor an weniger wertvollen Kunstwerken erprobt wurden.
Die Analyse ergab nicht nur menschliches, sondern auch pflanzliches, bakterielles und virales Erbgut, das ein Umweltprofil der Entstehungszeit liefert. Besonders spannend: Die männlichen Chromosomen auf der Zeichnung und ein Daumenabdruck auf einem Brief eines da Vinci-Verwandten stammen aus derselben Haplogruppe, die in der Toskana verbreitet ist. Dies stützt die Theorie, dass die Spuren mit dem Künstler oder seinem Umfeld in Verbindung stehen könnten.
Obwohl die Zuordnung zu da Vinci selbst unsicher bleibt, eröffnet die Studie neue Wege, biologische Spuren in historischen Artefakten zu analysieren. Die Forscher planen nun, die DNS-Daten durch Telomer-Sequenzierung weiter zu präzisieren und Proben von möglichen Verwandten zu untersuchen.
zur Meldung von Daniel AJ Sokolov auf heise.de