Neue Rezensionen von Büchern über das Spätmittelalter und die Frühe Neuzeit (Oktober 2026)
Unter dieser Überschrift werden künftig nicht alle Rezensionen einzelner Zeitschriften und Magazine aufgeführt, sondern jeweils nur eine kleine Auswahl – diese allerdings erweitert mit kurzen Zusammenfassungen der Rezensionen.

Sehepunkte-Ausgabe Oktober 2026
Sehepunkte, das Online-Rezensionsjournal für Geschichtswissenschaften, hat in seiner aktuellen Ausgabe u. a. folgende Werke rezensiert:
Justus Nipperdey: Rezension von: Franz-Josef Arlinghaus / Antje Flüchter / Stefan Gorißen u.a. (Hgg.): ‚Vormoderne‘ – Annäherungen an einen Epochenbegriff. Bielefelder Essays zur Frage der Periodisierung, Berlin / Boston: De Gruyter Oldenbourg 2025, in: sehepunkte 26 (2026), Nr. 10 [15.10.2026], URL: https://www.sehepunkte.de/2026/10/40793.html.
- Es geht in dem Buch um den Begriff der Vormoderne, der ungefähr die Zeit des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit als eine Epoche begreift: Was sind unter diesen Vorzeichen die „Eigenheiten das Profil der Vormoderne“? Institutionell hat sich die Universität Bielefeld für den Begriff und die Epoche „Vormoderne“ entschieden, Lehrende zum Mittelalter und zur Frühen Neuzeit arbeiten künftig zusammen. Die Zeit um 1500 wird nicht mehr als relevante Epochengrenze gesehen, das Ende der Vormoderne um 1800 festgezurrt.
Adrian Lehne: Rezension von: Christina Brüning / Alexandra Krebs (Hgg.): Historisches Erzählen in Digitalien. Theoretische Reflexionen und empirische Beobachtungen, Bielefeld: transcript 2024, in: sehepunkte 26 (2026), Nr. 10 [15.10.2026], URL: https://www.sehepunkte.de/2026/10/41315.html.
- Künstliche Intelligenz, Social Media, digitale Geschichtskultur – was macht die Digitalisierung mit dem historischen Lernen und dem historischen Erzählen? Ziel der Publikation sollte nicht sein, aktuelle Projekte oder Plattformen vorzustellen. Vielmehr galt es für die Autoren und Autorinnen, Diskussionsanregungen zu liefern, „was sich ihres Erachtens ändert, wenn ›Historisches Lernen in Digitalien‹ stattfindet“ – und dies sollte „möglichst genau an ihren Beobachtungen nachzuweisen“ sein. Die Rezension nennt einzelne besonders herausragende Artikel des Buches. Übrigens: Das Buch ist auf den Seiten des transcript-Verlags online frei abrufbar: https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-7553-5/historisches-erzaehlen-in-digitalien/.
Simon Franzen: Rezension von: Herbert Karner / Martina Stercken (Hgg.): Habsburg kartieren. Schriftbildliche Entwürfe von Herrschaft im 16. und 17. Jahrhundert, Berlin: De Gruyter 2024, in: sehepunkte 26 (2026), Nr. 10 [15.10.2026], URL: https://www.sehepunkte.de/2026/10/39575.html.
- Wie wurden Herrschaftsräume der Habsburger im 16. und 17. Jahrhundert sichtbar gemacht und welche Rolle spielten dabei Karten und verwandte Medien? Dieser Frage gehen die Beiträge dieses Buches nach, basierend auf einen Ansatz des britischen Kartographiehistorikers John Brian Harley (1932-1991). Karten werden dabei „als neutrale Abbilder von Raum, sondern als kulturelle und politische Konstruktionen“ betrachtet. Fazit: „Der Sammelband leistet einen wichtigen und vielschichtigen Beitrag zur Kartografiegeschichte der Dynastie der Habsburger und der von ihnen beherrschten Räume in der Frühen Neuzeit.“
Frank Schale: Rezension von: Volker Reinhardt: Rousseau. Auf der Suche nach der verlorenen Natur. Eine Biographie, München: C.H.Beck 2026, in: sehepunkte 26 (2026), Nr. 10 [15.10.2026], URL: https://www.sehepunkte.de/2026/10/41370.html.
- Der Genfer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist sowie Vordenker der Aufklärung, Jean-Jacques Rousseau und sein Denken und Wirken werden in der Biografie des renommierten Historikers Volker Reinhardt nicht sehr positiv bewertet – die Biografie Reinhardts allerdings auch nicht.
zum Überblick aller Rezensionen vom Oktober 2026 auf sehepunkte.de
H-Soz-Kult
H-Soz-Kult ist eine Informations- und Kommunikationsplattform für Historiker*innen. U. a. werden folgende aktuelle Bücher rezensiert:
Philipp Stenzig, Rezension zu: Kornemann, Ivonne: Zwischen Norm und Praxis. Handlungsfelder geistlicher Frauen im Spiegel pragmatischer Schriftlichkeit am Beispiel der Prämonstratenserinnen der Diözese Krakau. Dresden 2026 , ISBN 978-3-95498-912-6 , in: H-Soz-Kult, 21.10.2026, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-161023.
- Ivonne Kornemanns Studie „Zwischen Norm und Praxis“ untersucht anhand von Urkunden und Prozessakten die Handlungsfähigkeit und wirtschaftliche Eigenständigkeit von vier polnischen Klöstern der Prämonstratenserinnen zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Der Rezensent findet in dem Werk eine akkurate Erschließung des schwer zugänglichen Quellencorpus mit einem soliden geschichtswissenschaftlichen Instrumentarium.
Marius Kraus, Rezension zu: Kintzinger, Martin: Dialog, Duell, Disputation. Inszenierungen der Streitkultur im europäischen Spätmittelalter. Ostfildern 2026 , ISBN 978-3-7995-2161-1 , in: H-Soz-Kult, 23.09.2026, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-161025.
- Martin Kintzinger „unternimmt den Versuch, die vielfältigen Erscheinungsformen vormoderner Konfliktkommunikation in einer übergreifenden kulturhistorischen Perspektive zusammenzuführen“, wobei „die kulturellen Ordnungen des Streits […] den Ausgangspunkt der Untersuchung“ bilden. Das Werk habe, so der Rezensent, einige Schwächen, doch die weitere Forschung zur vormodernen Streitkommunikation kaum an diesem vorbeikommen.
Rita Voltmer, Rezension zu: Cersovsky, Eva-Maria: Geschlechterverhältnisse in der Krankenfürsorge. Straßburg im 15. und 16. Jahrhundert. Ostfildern 2023 , ISBN 978-3-7995-4390-3 , in: H-Soz-Kult, 12.05.2025, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-139769.
- Das Buch ist eine um 2021 an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln eingereichte, zum Druck nur wenig überarbeitete Dissertation von Eva-Maria Cersovsky. Die Trierer Historikerin Rita Voltmer sieht in dem Werk eine „innovative Verknüpfung einer kontextualisierenden Geschlechtergeschichte mit der Geschichte ausgewählter Institutionen der Armen- bzw. Krankenfürsorge in Straßburg“ und merkt an, dass die Autorin damit eine Forschungslücke geschlossen habe.
alle Rezensionen zu Schriften über das Spätmittelalter und die Frühe Neuzeit (neueste immer oben)
Historische Zeitschrift Band 323 (2026), Heft 2
Rouven Pons: Rezension zu: Christine G. Krüger, Korrespondenzen aus der Vergangenheit. Briefe als historische Quellen. 2025 Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 978-3-525-31163-9, € 60,–
- Das Buch, eine Festschrift für die Oldenburger Geschichtsprofessorin Gunilla Budde, nähert sich dem Brief als Quellengattung und zeigt an Fallbeispielen die reflektierte Interpretation dieses Genres an. Es „besticht durch neunzehn Analysen, die in ihrer verschiedenen Herangehensweisen fast als Muster für die historische Analyse von Briefen gelten können: von textimmanenten Darlegungen über weitgreifende historische Einordnungen, von einer grundwissenschaftlichen Annäherung bis hin zur soziologischen Einbettung (…).“
Caspar Hirschi: Rezension zu: Hans Peter Herrmann, Identität und Machtanspruch. Deutscher Frühnationalismus um 1500? Geschichte, Theorie und Wirkungsmechanismen. 2023 Wallstein-Verlag GmbH Göttingen, 978-3-8353-5474-6, € 24,–
- In dem Werk von Herrman geht es um die frühen Nationsentwürfe des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. „Das viel beackerte Terrain wird von Hermann an einzelnen Stellen in erfrischender Weise neu bestellt.“
