Die Fourcault’schen Wundergläser: Wie ein Mönch des 18. Jahrhunderts die Wissenschaft vor ein Rätsel stellte

Seit dem 18. Jahrhundert gab die Taxidermie-Sammlung von Pater Jean Baptiste Fourcault im Naturkundemuseum der Universität Parma Rätsel auf: Wie gelangten ausgestopfte Vögel und szenische Elemente in Glasampullen, deren sichtbare Öffnung dafür viel zu klein erschien? Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift „Museologia scientifica“, liefert nun die Antwort.

Mithilfe moderner Techniken wie Röntgen und axialer Tomographie entdeckte das Forschungsteam um Davide Persico, dass die scheinbar enge Öffnung der Ampullen in Wahrheit durch einen aufgesetzten Glaskragen getarnt war. Dieser Kragen erweiterte die tatsächliche Öffnung um das Dreifache – groß genug, um Tierkörper, Knochen und Holzobjekte einzuführen. Fourcault präparierte die Tiere speziell, um sie zu komprimieren, während er Holzgegenstände zerlegt und im Inneren wieder zusammensetzte. Die Übergänge zwischen Kragen und Ampulle verbarg er mit Schnüren, die Nähte der Holzteile mit Papier.

Die Studie zeigt, dass Fourcaults „Glocken“ nicht nur eine konservatorische Meisterleistung darstellen, sondern auch einen kreativen Ansatz verfolgten, der den Betrachter in Staunen versetzte. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Sammlung als frühes Beispiel für die Verbindung von Wissenschaft und künstlerischer Inszenierung im Museumskontext.

zur Meldung von Finestre sull’Arte

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