Deutschlandfunk Kultur: Rezension zu Eckart Conzes Buch „Friedlos“
Rezension sowie weitere Informationen zu Werk und Autor

Cover des Buchs von Eckart Conze: Friedlos
Die Deutschen zwischen Kriegsgewalt und Friedenssuche. Von 1648 bis heute; Bild: dtv
Eckart Conze, Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Seminar für Neuere Geschichte der Philipps-Universität Marburg, analysiert in seiner groß angelegten Studie „Friedlos. Die Deutschen zwischen Kriegsgewalt und Friedenssuche. Von 1648 bis heute“ die anhaltende Gewaltgeschichte Europas – vom Westfälischen Frieden bis in die Gegenwart.
Otto Langels hat Conzes Werk auf deutschlandfunkkultur.de rezensiert. Herausgekommen sei bei der Lektüre Betrübliches: Es gab immer wieder große Bemühungen, Kriege zu verstehen, aus ihnen zu lernen, Mittel dagegen zu schaffen – doch vergeblich. Die Suche nach dauerhaftem Frieden blieb bisher vergeblich – und wird es wohl auch bleiben. Kriege sind zwar kein Normalzustand, aber ein wiederkehrendes Phänomen der Geschichte sind. Jede Epoche treibe neue Versuche an, Frieden zu schaffen – meist ohne nachhaltigen Erfolg.
Conzes Werk lege, so der Rezensent, seinen Fokus auf Deutschland und Europa: Auf über 500 Seiten schildere „Friedlos“ die Abfolge von Kriegen und Friedensbemühungen, wobei Kolonialkriege nur am Rande behandelt werden. Konkrete Schlachtschilderungen gebe es nicht zu lesen, dafür aber analysiere Conze die Ursachen von Konflikten, Machtverhältnisse, Allianzen und Profiteure des Krieges – und zeige, wie alle historischen Versuche, Kriege einzudämmen, scheiterten: Westfälischer Friede, Wiener Kongress, Genfer Konvention, Haager Konferenzen, UN-Gründung, Atomwaffensperrvertrag oder Internationaler Strafgerichtshof …
Otto Langels würdigt Conzes Werk als eindrucksvolle, detaillierte Darstellung des Spannungsfelds zwischen Kriegsgewalt und Friedenssuche – eine illusionslose Abrechnung mit fünf Jahrhunderten europäischer Geschichte, die zeigt: Frieden bleibt ein fragiles, oft unerreichtes Ziel. Doch Conze appelliere trotzdem, den Kampf gegen die „Friedlosigkeit“ weiterzuführen – politisch, diplomatisch oder notfalls militärisch.
- zur Rezension von Otto Langels auf den Seiten von Deutschlandfunk Kultur
- Wikipedia-Artikel zu Eckart Conze
- Seite der Universität Marburg über Eckart Conze mit einer Liste der veröffentlichten Bücher und Aufsätze
- Seite des Verlags dtv zum Werk Conzes
Linktipps
Interview von rbb24 Inforadio mit dem Autor
Harald Asel stellt auf rbb24 Inforadio das Buch von Conze kurz vor und spricht anschließend mit dem Autor: über die Verbindungen zwischen Kriegsgewalt und Friedenssuche, über die großen, ambitionierten Friedensschlüsse zum Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Ersten Weltkriegs und die kleineren, ggf. erfolgreicheren, über die Rolle der politischen Akteure.
Interview von Eva-Maria Schnurr mit Eckart Conze auf Spiegel online
In dem Spiegel-Interview, als PDF auf den Seiten der Universität Marburg zu lesen, thematisiert Eva-Maria Schnurr zunächst den aktuellen Ukraine-Krieg und geht dann auf die Geburt des Völkerrechts im Westfälischen Frieden ein. Insgesamt zielt das Interview allerdings stark auf die Erkenntnisse Conzes für die heutige konfliktreiche Zeit.
Interview von Marc von Lüpke auf den Seiten von t-online
Ausgangspunkt des Interviews ist der Ukraine-Krieg, geht anschließend allerdings auch ausführlich auf die Geschichte seit dem Dreißigjährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden ein sowie weiteren Konflikten ein. Schließlich landet der Lesende wieder beim aktuellen Krieg und der Frage: „Wie kann es nun weitergehen?“