Bruegel und die verkehrte Welt der Menschheit
Zum 500. Geburtstag Pieter Bruegels des Älteren zeichnet Holger Teschke in der „jungen welt“ das facettenreiche Porträt eines Malers, dessen Bilder zugleich Schönheit und Schrecken offenbaren. Teschke nimmt Brechts berühmte Bruegel-Deutung von 1937 zum Ausgangspunkt – jene Vorstellung vom Maler, der törichte, unwissende Menschen in einer unberührten Natur zeigt – und stellt ihr eine Lesart gegenüber, die Bruegels Welt als durchdrungen von Klugheit, Widerständigkeit und bitterem Humor begreift.
Bruegel, geboren um 1525, malte in einer Zeit von Inquisition, Aufständen und blutiger Herrschaft. Doch statt sich religiöser Pathosbilder zu bedienen, hielt er die Ordnung der Welt in Szenen wie Die großen Fische fressen die kleinen oder Der Triumph des Todes der Gesellschaft wie ein Spiegel vor. Seine grotesken Allegorien und ländlichen „Wimmelbilder“ entlarven Machtgier und Torheit, ohne Hoffnung oder Menschlichkeit preiszugeben.
Teschke zeigt Bruegel als Chronisten einer Epoche, die Gewalt und Glauben, Tragik und Komik nicht trennte – und deren Spuren bis zu Brecht, Shakespeare und Grimmelshausen reichen. Wie in jeder großen Kunst schimmert durch Bruegels Szenen die Sehnsucht nach einer anderen, friedlicheren Welt.
