H-Soz-Kult: Rezension zu „Die Marokkaner in Wien“ von Mark Häberlein
Tobias Graf, Historiker an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, schreibt in seiner Rezension für H-Soz-Kult, dass Mark Häberleins Studie „Die Marokkaner in Wien“ vor den Augen der Leser:innen nicht nur die politischen Verhandlungsstränge zwischen Sultan Mulai Mohammed III. und Kaiser Joseph II. entfaltet, sondern auch das lebhafte Echo, das der Aufenthalt der „fremdartig gekleideten Emissäre aus dem Maghreb“ in der Wiener Öffentlichkeit auslöste.
Im Zentrum steht die dreimonatige Mission des Paschas von Tanger, Sidi Mohammed ben Abdul Malek, die Wien erstmals in direkten Kontakt mit Marokko brachte. Häberlein nutzt diesen historischen Moment als Prisma, um ein breites Panorama aufzuzeigen: von der nervösen Vorbereitung des kaiserlichen Hofes, der sich an osmanischen und barbaresken Vorbildern orientierte, bis hin zur neugierigen Wiener Stadtbevölkerung, die den Besuch mit Spannung erwartete. Zeitgenössische Kupferstiche, Zeitungsberichte und sogar kommerzielle Accessoires wie Fächer mit Motiven der Gesandten belegen das enorme öffentliche Interesse – und zeigen, wie Diplomatie zum Spektakel wurde.
Doch die Studie geht über die bloße Schilderung von Audienzen und Protokollfragen hinaus …