Der Neid in der Kunst der Renaissance und des Barock
Wie lässt sich ein Gefühl darstellen, das im Verborgenen wütet, die Seele zerfrisst und doch so tief im Menschlichen verwurzelt ist? Ilaria Baratta untersucht auf Finestre sull’Arte, wie Künstler von der Renaissance bis zum Barock den Neid in verstörende, fast greifbare Bilder übersetzten – als monströse Frauen mit Schlangen im Haar, von Flammen umzüngelte Gestalten oder Wesen, die sich selbst verschlingen.
Schon Dante Alighieri (1265–1321) verdammte die Neider in seinem Fegefeuer zu einer grausamen Strafe: Augen mit Draht vernäht, um ihnen das Sehen zu nehmen, das sie zu Lebzeiten missbrauchten. Doch nicht nur die Literatur, auch die bildende Kunst griff das Motiv auf und formte es zu einer Ikonografie des Schreckens. Cesare Ripa (ca. 1560–1622) beschrieb den Neid in seiner Iconologia als alte, zerzauste Frau mit Schlangen im Haar – ein Symbol für die giftigen Gedanken, die sie selbst und andere vergiftet. Giotto (1267–1337) malte sie in der Scrovegni-Kapelle als blinde, von Flammen umtoste Gestalt, deren eigene Bosheit sich gegen sie wendet. Federico Zuccari (1539–1609) ließ sie in seiner Porta Virtutis als nackte, von Schlangen umschlungene Kreatur zu Boden sinken, während Giorgio Vasari (1511–1574) sie in einem Fresko kopfüber stürzend zeigte – ein Sinnbild für den Verlust der Menschlichkeit.
Von Giusto Le Courts (1627–1679) marmorner Büste, deren Schlangen sich in das Fleisch der Neidischen bohren, bis zu Nicolas Poussins (1594–1665) Allegorie, in der die Zeit die Wahrheit vor den Angriffen des Neids bewahrt: Die Kunstgeschichte zeigt, dass dieses Laster nie harmlos war. Es ist ein Feuer, das den Neidischen selbst verbrennt, ein Gift, das ihn von innen auffrisst. Barattas Analyse macht deutlich, warum der Neid nicht nur als moralische Warnung, sondern auch als künstlerische Herausforderung diente – und wie sehr diese Darstellungen bis heute faszinieren.