Chronik: 16. Jahrhundert – 1517

ab 1517: Thesenanschlag, Reformation und Konfessionalisierung

Was war die Reformation?

Die Reformation kann als eine durch Martin Luther ausgelöste Bewegung innerhalb der christlich-abendländischen Welt angesehen werden, die zur Aufspaltung der (alten) Kirche führte. Fortan gab es eine katholische, eine lutherische und eine reformierte Kirche.

Der Thesenanschlag Luthers als Beginn der Reformation

1517 verfasste Martin Luther die “95 Thesen gegen den Ablass”, eine Schrift, die vielfach als Startpunkt der Reformation angesehen wird. Sie richtete sich gegen die Ablasspraxis des Dominikanermönchs Johannes Tetzel im Auftrag Albrechts von Brandenburg, des Erzbischofs von Mainz und Landesherrn des Erzstifts Mainz.

In der lateinischen Schrift wendet sich Luther gegen die Ansicht, dass durch einen Ablass Sünden vergeben werden. Wer seine Sünden ehrlich bereut, benötige keinen Ablass. Der Verkauf von Ablässen sei vielmehr lediglich ein Geschäft, das den Gläubigen eine falsche Sicherheit böte.

Obwohl sich Luther selbst nicht bewusst war, dass diese Thesen in der Folgezeit den Bruch mit der alten Kirche bedeuten könnten; obwohl seine Thesen selbst nichts Neues waren – der Ablass stand bei Gelehrten schon länger in der Kritik -; obwohl auch die Veröffentlichung selbst nichts Besonderes oder Außergewöhnliches war – ob sie nun an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen (wofür neuere Forschungen wieder sprechen) oder “lediglich” an bestimmte Personen geschickt wurden – so kann dieses Jahr doch mit Recht als Beginn der Reformation angesehen werden, denn sie war der erste große Akt der Auflehnung Luthers gegen die Kirche. Es folgten weitere Schritte und Konsequenzen, die Luther 1517 in dieser Tragweite sicherlich nicht bewusst waren.

Reformation, Gegenreformation, katholische Reform, Konfessionalisierung

In der Geschichtsschreibung wurde zunächst die ersten Jahre nach 1517 als die Zeit der Reformation bezeichnet, der die Gegenreformation als Reaktion der katholischen Seite folgte. Mit der Erkenntnis, dass die Gegenreformation nicht nur eine Reaktion auf die Reformation war, sondern durchaus auch eigenständige Züge einer Reform der (katholischen) Kirche zeigte, sprach man dann auch von der “katholischen Reform”.

Um die parallelen Entwicklungen auf beiden Seiten (protestantischer und katholischer) ebenso besser ins Blickfeld zu rücken, wie z.B. den Einfluss der sich verfestigenden Konfessionen auf das politische und soziale Leben, wurde der Begriff der “Konfessionalisierung” gesetzt. Inwieweit die Konfessionalisierung tatsächlich auch die Modernisierung der Gesellschaft vorantrieb, ist in der Geschichtsforschung umstritten.

Wenn von Konfessionalisierung die Rede ist, geht es um die drei in Deutschland anerkannten Bekenntnisse: das römisch-katholische, das lutherische und das reformierte. Die zeitliche Grenze zwischen Reformation und Konfessionalisierung ist umstritten: Wenn man die Reformation als eine durch Martin Luther ausgelöste Bewegung ansieht, die in die Aufspaltung der römisch-katholischen Kirche mündete, so ist der Zeitpunkt, da die drei Konfessionen faktisch vorhanden oder festgeschrieben worden waren, als Beginn der Konfessionalisierung anzusehen. Hierfür werden in der Forschung verschiedene Daten genannt: 1555 (Augsburger Religionsfrieden), 1577 (Konkordienformel) oder 1580 (Konkordienbuch).

Der Verlauf der Reformation

Luthers Lehren fanden relativ schnell prominente, aber auch weniger bekannte Anhänger. Seine Lehre verbreitete  sich

  • durch seine Schriften, v.a. die deutschsprachigen “An den christlichen Adel deutscher Nation” und “Von der Freiheit eines Christenmenschen” aus dem Jahre 1520;
  • durch sein öffentliches Auftreten, z.B. bei verschiedenen Streitgeprächen (Disputationen) in Heidelberg (1518) und Leipzig (1519) oder auf dem Wormser Reichstag (1521);
  • über die gewonnenen Anhänger: Fürsten, reichsstädtische Regierungen (die also direkt dem König unterstanden), aber auch dem “gemeinen Mann”.

Die zwei Reichstage von Speyer 1526 und 1529 zeigten deutlich auf, wie stark die reformatorische Bewegung bereits gegen Ende der 1520er Jahre geworden war. Der Kaiser musste Zugeständnisse an die evangelischen Stände machen, sein Vorhaben, das Wormser Edikt von 1521 (also die Reichsacht des Kaisers gegen Martin Luther und das Verbot der Lektüre und Verbreitung seiner Schriften) im Reich durchzusetzen, scheiterte. Die Gefahr durch die Türken, die ein gemeinsames politisches Handeln des Heiligen Römischen Reiches erforderten, nötigte dem Kaiser weiteres Entgegenkommen ab: Er brauchte die militärische Unterstützung der evangelischen Stände.

Zum weiteren Verlauf der Reformation siehe die einzelnen Ereignisse in der WebHistoriker-Chronik:

1517: Trennung der Fransiskaner in zwei eigenständige Orden
Über viele Jahrzehnte hinweg gab es innerhalb des Franziskaner-Ordens Streitigkeiten über Art und Umfang des Armutsideals. Zwei “Richtungen” oder Gruppen verfestigten sich: die Minderbrüder oder Konventualen, die das Armutsgebot weniger streng auslegten, und die Observanten, die ein Zurück zum alten Ideal der radikalen Armut anstrebten. Papst Leo X. erkannte in seiner Bulle “Ite et vos in vineam meam” beide Gruppierungen als eigenständige Orden an. Die Observanten teilten sich später dann noch weiter auf, u.a. enstand daraus der Orden der Kapuziner (s. 1528: Papst Clemens VII. erkennt die Kapuziner als Orden an)

Hans von Gersdorff (ca. 1455 - 1529) "Feldbuch der Wundarzney“

Bild: Hans von Gersdorff (ca. 1455 – 1529) “Feldbuch der Wundarzney“, Uploader=Kuebi / Wikimedia Commons

1517: Hans von Gersdorff: Feldtbuch der Wundt Artzney
1517 wurde das Feldbuch des bekannten Wundarztes Gersdorff veröffentlicht. In diesem Buch (wie auch in verschiedenen anderen) zeigte sich das Bestreben, die chirurgischen Kenntnisse zu systematisieren. Die Illustrationen stammten wohl von Hans Wechtlin, so u.a. auch die vielleicht erste Abbildung einer Schädelöffnung. (Janzin/Güntner: Das Buch vom Buch, 3. Aufl., 2006, S. 163)

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