Chronik: 16. Jahrhundert – 1525

1525: Bauernkrieg in Deutschland

Zwölf Artikel der Bauern Flugschrift von 1525, Quelle: Wikimedia Commons / eingescannt aus: Otto Henne am Rhyn: Kulturgeschichte des deutschen Volkes, Zweiter Band, Berlin 1897, S.21

Zwölf Artikel der Bauern Flugschrift von 1525, Quelle: Wikimedia Commons / eingescannt aus: Otto Henne am Rhyn: Kulturgeschichte des deutschen Volkes, Zweiter Band, Berlin 1897, S.21

Aufstand der Bauern mit Unterstützung einiger adeliger Anführer (z.B. Florian Geyer und Götz von Berlichingen) und einiger kleinerer Städte (z.B. Memmingen). Die Bauern forderten die Erhaltung oder Wiederherstellung ihres ständischen “alten Rechts” anstelle des neuen römischen Landrechts, mehr bäuerliche Selbstverwaltung und wehrten sich gegen steigende Abgaben und Dienste, aber auch gegen Willkür.

Es war keine geschlossene, zentral geführte Aktion innerhalb des Heiligen Römischen Reichs, sondern ein Konglomerat aus vielen kleinen Einzelaktionen – die jedoch erfassten weite Gebiete, von Süddeutschland bis tief nach Thüringen und Sachsen. Tatsächlich wussten oftmals die aufständischen Bauern nichts von dem Tun anderer Bauern in anderen Territorien. Allerdings (so Schnabel-Schüle: Die Reformation, 2006, S. 145) spielten sich die meisten Aufstände nach einem ähnlichen Muster ab: Unzufriedene Bauern forderten eine Verbesserung ihrer Lebenssituation, die ihnen die zuständigen Obrigkeiten jedoch verwehrten, woraufhin es zu gewaltsamen Aktionen kam, die wiederum von Heeren des Landesherrn relativ brutal niedergeschlagen wurden.

Und so endete der Bauernkrieg in einer grausamen Niederschlagung der Bewegung: Mehr als 100.000 Menschen sollen ihr Leben verloren haben. Luther legitimierte im Voraus das harte Vorgehen der Fürsten und enttäuschte damit viele seiner Anhänger. “Für die Geschichte der Reformation gilt das Ende des Bauernkriegs als Zäsur zwischen ihren populären Anfängen (‘Sturmjahre der Reformation’, ‘Volksreformation’) und einer obrigkeitlichen Phase (‘Fürstenreformation’).” (Burkhardt, 1985, S. 67)

1525: Zwölf Artikel
Die “Zwölf Hauptartikel aller Bauernschafft” waren ein Auflistung von Forderungen, die Bauern im Bauernkrieg gegenüber dem Schwäbischen Bund erhoben. Die Urheberschaft ist umstritten. Die meisten Historiker sehen den Kürschner Sebastian Lotzer aus Memmingen als Verfasser der Schrift, allerdings scheint klar zu sein, dass in seine Schrift die Beratungen und Gedanken führender Aufständischer der Region eingingen.

Die Zwölf Artikel forderten, stets unterlegt mit Bibelstellen, u.a. die Wahl des Pfarrers durch die Gemeinde, die Abschaffung der Leibeigenschaft, eine Freigabe von Jagd und Fischerei sowie ein Maßhalten bei den Erhöhungen der bäuerlichen Abgaben. Die Schrift fand weite Verbreitung, über 25.000 Exemplare wurden unter den Bauern verteilt und trafen offensichtlich bei vielen auf offene Ohren.

Martin Luther setzte sich eingehend mit den Forderungen auseinander, erkannte einzelne Forderungen an, lehnte andere ab – und rief sowohl Bauern als auch die Obrigkeiten zu Ruhe und Besonnenheit auf. Auch sein Mitstreiter Philipp Melanchthon kommentierte die Zwölf Artikel.

1525: Thomas Müntzer stirbt im Bauernkrieg
Thomas Müntzer, der 1524 zusammen mit einem früheren Mönch das städtische Leben in Mühlhausen umwälzen wollte, dann aber mit ihm aus der Stadt vertrieben wurde, kam 1525 zurück nach Mühlhausen. Er verbündete sich (zusammen mit Mühlhausener Bürgern) mit den aufständischen Bauern, die ihn bei Frankenhausen zu ihrem Führer wählten. Gegen die Truppen Sachsens (katholisch) und Hessens (evangelisch) hatten die Bauern jedoch keine Chance. 6.000 Menschen wurden getötet, Müntzer festgenommen und hingerichtet.

1525: Luthers Haltung zum Bauernkrieg
Martin Luther schlägt sich im Bauernkrieg auf die Seite der Fürsten und enttäuscht damit viele Bauern. Seine Haltung muss jedoch vor dem Hintergrund seines regional beschränkten Wissen über die Aufstände sowie seiner Erfahrung mit den aufständischen Bauern auf einer Reise durch Thüringen gesehen werden. Hier wurde er verspottet und musste mit ansehen, dass sich die Bauern eher Thomas Müntzer zuwandten. (Schnabel-Schüle: Die Reformation, 2006, S. 149) Zudem zweifelte er das Recht der Bauern an, sich bei dem gewaltsamen Aufstand auf göttliches Recht zu berufen. (Klueting: Das Konfessionelle Zeitalter, 2007, S. 189)

1525: Luthers Schrift “De servo arbitrio”
In dieser Schrift beschreibt Luther seine Vorstellungen von der Prädestination, der Vorherbestimmung: Unter Bezugnahme auf den spätantiken Philosophen und lateinischen Kirchenlehrer (4./5. Jahrhundert) und gegen die Auffassungen Ersamus’ von Rotterdam bestritt Luther die Existenz eines freien Willens. Dies musste die humanistisch Gebildeten provozieren – und tatsächlich zeigte sich auch bei den Anhängern Luthers, die dem Humanismus nahe standen, ein Unbehagen. Philipp Melanchthon beispielsweise suchte einen Mittelweg zu finden. Noch mehr Relevanz erhielt die Prädestinationslehre später durch Johannes Calvin.

1525: Errichtung eines Ehegerichts, später Sittengerichts in der Stadt Zürich
Mit der Errichtung eines Ehegerichts wurde in Zürich die Ehe als Sakrament beseitigt. Sie unterstand nun einem Gericht, das sich aus Pfarrern und Ratsmitgliedern zusammensetzte. Schon bald wurde der Aufgabenbereich erweitert: Das Ehegericht wurde 1526 zu einem Sittengericht, das die Lebensführung der Bürger beaufsichtigen sollte.

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