Chronik: 18. Jahrhundert – 1709

1709: Die „Grausame Kälte“

„Die Bedeutung des Klimas für die frühe Neuzeit lässt sich kaum überschätzen“, schrieb der Historiker Paul Münch in seinem Standardwerk „Lebensformen in der Frühen Neuzeit. 1500-1800“ (1992, S. 127)  – unter anderem wegen der „extremen Kälte- und Hitzeperioden“. Ab 1560 setzte eine Klimaverschlechterung ein, die als „Kleine Eiszeit“ bezeichnet wird und bis Mitte oder Ende des 19. Jahrhunderts andauerte.

Als Höhepunkt der Kleinen Eiszeit wird die Zeit zwischen 1670 und 1701 angesehen, doch immer wieder gab es auch davor und danach einzelne Jahre mit extremen Minusgraden – so auch zu Beginn des Jahres 1709 mit dem laut einigen Forschern kältesten Winter seit 500 Jahren. (Siehe Thore Lassen: Hungerkrisen. 2016, S. 136)

Bereits in den ersten Tagen dieses Jahres brach in Mittel- und teilweise noch bis in Südeuropa eine außergewöhnliche Kälte ein, mit Temperaturstürzen auf -30 Grad Celsius. Viele Gewässer waren komplett zugefroren, „die Ostsee konnte zu Fuß überquert werden“ (Hubert Horace Lamb: Klima und Kulturgeschichte, 1989, S. 268). Menschen und Tiere litten, viele starben. Die Folgen für den weiteren Verlauf des Jahres waren immens: Das Saatgut in der Erde war „erforen“, der Wein in den Kellerfässern gefroren und aufgeplatzte Bäume geschädigt. Im Frühjahr folgten Überschwemmungen und Ernteschäden – und mit all‘ dem einher ging eine darauf einsetzende große Hungersnot (Münch: Lebensformen, 1992, S. 151).

Literatur:

Hubert Horace Lamb: Klima und Kulturgeschichte. Der Einfluss des Wetters auf den Gang der Geschichte. Hamburg 1989.

Thore Lassen: Hungerkrisen. Genese und Bewältigung von Hunger in ausgewählten Territorien Nordwestdeutschlands 1690-1750. Göttingen 2016 (online lesbar bei Google Books).

Paul Münch: Lebensformen in der Frühen Neuzeit. Frankfurt/Berlin 1992.

Christoph H. Pfaff: Ueber die strengen Winter vorzüglich des 18. Jahrhunderts und über den letzt verflossenen strengen Winter von 1808-1809. Kiel 1809 (online lesbar bei Google Books).

1709: Bousset: La Politique tirée des propres paroles de l’Écriture Sainte

Jacques-Bénigne Bousset, ein französischer Bischof und Bewunderer Ludwigs XIV., begründete seine absolutistischen Stastsideen mit Passagen aus der Heiligen Schrift.